Autor Thema: Die Macht des Internets, Assange, Wikileaks, Anon etc.  (Gelesen 1634 mal)

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Offline Byron

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Die Macht des Internets, Assange, Wikileaks, Anon etc.
« am: 08. Dezember 2010, 23:13:26 »
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Guten Abend Mädels,

ich denke jeder hat die News der letzten Tage verfolgt und ist zumindest über die Grundzüge bzgl. Wikileaks und allem, was dies als Rattenschwanz hinterher zieht, informiert. Ich möchte jetzt gar keine Grundsatzdiskussion starten ob Assange schuldig ist und falls ja in welchen Punkten. Aber eines wird hier imho gerade auf eindruckvollste Weise demonstriert. Die Macht des Internets!

Dabei gibt es vielerlei Aspekte die aber am Ende alle auf die Masse und somit im übertragenen Sinne das Volk zurückfallen. Als Wikileaks aus dem Internet verbannt werden sollte, und weil sie nicht an die Daten bzw. die Server direkt rankommen ging das ganze über die Internet-Adressen, holte man zum imho einzig richtigen und für die Gegner tödlichen Schlag aus. Man stellte das Material zur freien Verteilung auf. Geplant als Akt für 50 Hoster meldeten sich innerhalb weniger Stunden hunderte Befürworter, die das Material nun auf ihren Webservern hosten. Ich würde sogar damit rechnen, dass die Zahl sogar schon vierstellig ist.

Aber in diesen Stunden aktuell geht es noch viel weiter. Eine Gruppe "Hacker" schickt sich nun an alle Anti-Wikileak-Unternehmen anzugreifen. Im wesentlichen geht es um die Finanzielle Seite, wo erst Paypal und dann Anbieter von Kreditkarten die Spenden an Wikileaks stoppten. Diese haben nun den Hasse der "Anons" gepachtet und seit Stunden ist MasterCard.com nicht mehr erreichbar. Visa.com seit eben auch nicht mehr und Paypal gehts ebenfalls an den Kragen.

Hier mal der Block der Anons aka Anonymus (Ich werde dazu nichts weiter schreiben, ich denke wer sich dafür interessiert respektive im Internet aktiv ist weiß genau woher da der Wind weht) https://twitter.com/Anon_Operation

Für mich zeigt dies, dass in Zeiten des WWW die oberen Organe (egal ob nun offizieller Staat oder irgendeine geheime Behörde) keinerlei Macht mehr hat. Jedenfalls ab einem gewissen Punkt. Informationen können nicht mehr zurückgehalten geschweige denn zurückgeholt werden, wenn sie einmal ans Licht gekommen sind.

Ich bin gespannt wo das Ganze endet. Mit den Finanzdiensleistern legen die Hacker gerade eine wesentliche Säule des Alltags lahm. Das kann nicht für längere Zeit verkraftet werden. Die Wikileaks-Dokumente und alles was dort neu erscheint ist nun eh unantastbar im Internet verankert. Wie weit wird das gehen, was wird alles aufgedeckt? Erleben wir jetzt die zweite Zeit der Aufklärung?

Wie denkt ihr zu dem Thema, seit ihr ebenfalls fasziniert? Seht ihr auch Gefahren dieser "Macht"?

Offline Byron

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Re: Die Macht des Internets, Assange, Wikileaks, Anon etc.
« Antwort #1 am: 08. Dezember 2010, 23:23:57 »
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Kurzer Nachschub, ich überlege gerade. Eigentlich steht Amazon ja auch auf der Liste derjenigen, die Wikileaks im Stich gelassen haben. Mir schwant da nichts gutes. Wenn ich es jemandem zutraue den wohl größten Markt der Welt lahmzulegen dann denen. Das wäre gerade in der Vorweihnachtszeit wohl der Supergau. Fast wie Popcorn Kino hier. Da definitiv Potential für n Hollywood-Blockbuster mit epochalem Ausmaß.

Offline Robert

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Re: Die Macht des Internets, Assange, Wikileaks, Anon etc.
« Antwort #2 am: 09. Dezember 2010, 11:27:01 »
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Einmal sehe ich es nicht, dass wikileaks aus dem Internet "verbannt" werden sollte, auch wenn die US-Amerikaner das gerne wollten. Denn jedem der Beteiligten war klar, dass dies nicht möglich ist. Es hat auch kein Unternehmen wikileaks "im Stich gelassen". Alle Unternehmen können sich auf die Problematik mit den Urheberrechten berufen. Ich schreibe absichtlich "können sich", weil ich mir bildlich vorstellen kann, wie die Unternehmensanwälte sichtlich aufatmen, weil sie sich auf eine so glasklare Sache berufen können. Da braucht es keinen US-Druck dazu (denn es unabhängig davon sicher in Form einer informellen Aufforderung gegebenhaben wird). Amazon wird auch nicht wissentlich PirateBay hosten und PayPal wird auch Piratebay nicht direkt Spendenkonten halten wollen.

Ergo ist der Rückzug von wikileaks in ein Gebiet, wo die Urheberrechtefrage noch mehr oder weniger ausser acht gelassen wird doch nur ein logischer weiterer Schritt.

Ich habe gestern den Aufruf von anon kurz im CB-Forum gesehen, die Mods haben ihn dann nach sehr kurzer Zeit wieder gelöscht. Die Aktionen von anon usw halte ich für falsch und kontraproduktiv. Ausserdem halte ich sie für völlig illusorisch. Die in den USA ansässigen Unternehmen werdenauch weiterhin wikileaks nicht hostenoder unterstützen kjönnen, egal wieviele DoS-Attacken gefahren werden. Durch die Attacken werden aber hauptsächlich Unschuldige getroffen. Zudem schadet es dem Ruf von wikileaks, es wird dadurch in eine Ecke mit den sichtbar illegalen Aktivitäten im Internet gestellt. Bei den Demos gegen Volkszählung hat man schliesslich auch keine Häuser angezündet.

Die "Macht des Internets" hat in diesem Fall zwei Folgen: die Aufrechterhaltung von wikileaks und die DoS-Attacken von irgendwelchen Aktivisten mit Scheuklappenweltbild (weil die Unternehmen ja nicht anders hätten reagieren können). Ersteres kann man als gut ansehen, zweiteres sehe ich so, als wenn Kinder drausseauf der Strasse mit geladenen Schrotflinten spielen.

Zudem hat wikileaks ein strukturelles Problem. Solange einer entscheidet was veröffentlicht wird oder nicht, ist keine Neutralität gegeben. Es kann vorselektiert werden, welche Informationen rausgegeben werden, wodurch erreicht werden kann, dass man gezielt bestimmte Gruppen bloßstellen kann. Bei Banken mag das kein großes Problem sein. Bei aussenpolitischen Sachen warte ich mal darauf, ob irgendwo zwischen dritten kleinen Ländern mal ein Krieg ausbricht, bloß weil eine selektierte diplomatische Note ausserhalb des Kontextes von der anderen Seite entsprechend missverstanden wird.
Die darauf folgenden Toten wären natürlich der SuperGAU für den Whistleblower (egal ob wikileaks oder anderweitig). Früher hatte das immer ganz gut geklappt, ohne Internet oder der IT von heute konnte ein Journalist z.B. nicht mal eben auf einmal an den Fast-Komplettbestand eines Ministeriums kommen. Zudem hatte der Journalist auch noch eine gewisse Sorgfalt walten lassen. Ich finde es daher gut, dass wikileaks die Daten erst großen Publikationen zukommen liess. Was ist in Zukunft? Ein Wettbewerb verschiedener whistleblower-Plattformen, die im Konkurrenzkampf um die dramatischten Informationen stehen und dann nicht mehr umsichtig reagieren?

Whistleblowing halte ich für gut und wichtig. Aber ich wo das hier hinführt, ich weiss es nicht. Die Aktionen von anom sind weltfremd, kindisch, Zielen am eigentlichen Problem vorbei und sind nebenbei sowieso kriminell.

Interessant findeich das Verhalten im Netz, Assange als Opfer einer Verschwörung zu deklarieren. Ist es etwa so, dass der Mann jetzt alles tun und lassen kann was er will und er wird vom Netz freigesprochen, weil es sonst eine Verschwörung gäbe? Kein Mensch weiss, ob er was getan hat oder nicht, ausser er selbst und die beiden Frauen. Warum schreit die Hälfte im Netz "er ist 100% unschuldig"? Der verletzte Stolz von zwei Frauen (und damit falscheAnschuldigungen) tritt öfter auf, als eine Verschwörung. Ein Anstiften der beiden Frauen zu den Vorwürfen ist ebenso möglich,genauso wie ein tatsächliches Fehlverhalten von ihm. Das weiss momentan keiner, aber viele schreiben so, als wenn sie es genau wüssten. Da finde ich merkwürdig und zeigt eigentlich, dass Urteilebesser noch von Gerichten gemacht werden, als von der Masse im Netz.
« Letzte Änderung: 09. Dezember 2010, 11:29:00 von Robert »
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Offline Philipp

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Re: Die Macht des Internets, Assange, Wikileaks, Anon etc.
« Antwort #3 am: 09. Dezember 2010, 14:34:03 »
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Ich kann euch nur in eigentlich allen Punkten zustimmen. Zum Thema Informationen zurückhalten habe ich ein sehr witziges Stichwort gefunden: Streisand-Effekt  ;D

Aber die deutschen Politiker zeigen mal wieder richtig Profil: Für den einen ist Wikileaks nun der Grund für mehr Überwachung, für den anderen muss jetzt mehr Datenschutz her. Ich glaube, manche von denen haben schon mehr als nur den Schuss nicht gehört... [wtf]

Dabei gibt es doch eine einfache Formel die von Deutschen bis vor ein paar Jahren noch gepredigt wurde: Datensparsamkeit und das Unzugänglichmachen von Daten. Daten die nicht erhoben oder irgendwie gespeichert sind können auch nur schwer Unbefugten zugänglich gemacht werden. Und wer keinen Zugang zu Daten hat kann sie auch nicht veröffentlichen. Steht sogar alles in passenden Gesetzen bzw Vorschriften, die beispielsweise Arbeitgeber zu erfüllen haben.

Eigentlich ist die ganze Geschichte banal, aber manche scheinen es einfach nicht verstehen zu wollen. Ob nun die US-Armee, das amerikanische Außenministerium oder unser aller Freund - Super-Guido - sind meiner Meinung nach an der ganzen Miesere selbst schuld.
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Offline Owen

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Re: Die Macht des Internets, Assange, Wikileaks, Anon etc.
« Antwort #4 am: 09. Dezember 2010, 16:25:06 »
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Für mich zeigt dies, dass in Zeiten des WWW die oberen Organe (egal ob nun offizieller Staat oder irgendeine geheime Behörde) keinerlei Macht mehr hat. Jedenfalls ab einem gewissen Punkt. Informationen können nicht mehr zurückgehalten geschweige denn zurückgeholt werden, wenn sie einmal ans Licht gekommen sind.


Gerade daran wird ja in letzter Zeit hart gearbeitet, siehe die Gesetzesvorschläge zum Kinderpornographie-Problem. Wenn man es schafft per Gesetz solche Sperrmechanismen ersteinmal einzuführen, dann passiert der Rest von allein wenn der Pöbel nicht aufpasst.
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Re: Die Macht des Internets, Assange, Wikileaks, Anon etc.
« Antwort #5 am: 09. Dezember 2010, 18:38:57 »
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Alle beschriebenen Sperrmechanismen würden aber nicht greifen. Das war schon bei der Kinderpornographie so. Es gibt keine zentrale Stelle, an der man irgendeine Schraube drehen kann, um einen gewünschten Inhalt dauerhaft zu blockieren. Jeder kann seine Inhalte auf einen Server spielen und auf irgeneine ausländische Domain laufen lassen. Nationale Gesetze laufen im Internet eben oft ins Leere, sie greifen nur, wenn du auch in Deutschland hostest, aber irgend ein pazifischer Inselstaat leigt eben nur ein paar Hops entfernt.
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Offline Owen

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Re: Die Macht des Internets, Assange, Wikileaks, Anon etc.
« Antwort #6 am: 09. Dezember 2010, 22:57:38 »
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Alle beschriebenen Sperrmechanismen würden aber nicht greifen. Das war schon bei der Kinderpornographie so. Es gibt keine zentrale Stelle, an der man irgendeine Schraube drehen kann, um einen gewünschten Inhalt dauerhaft zu blockieren.

Wenn man deutsche Provider per Gesetz verpflichtet Domains nicht aufrufbar zu machen ist es doch egal wo der Server steht oder? (bitte um Aufklärung ;) )
Ich sehe das ähnlich, dass es wirklich schwierig wird Inhalte dauerhaft zu blockieren, meinte nur, dass das ganze den Leuten die Interesse an sowas hätten langsam bewusst wird, das übers Internet über kurz oder lang jede Information das Tageslicht erreichen könnte und das diese eben sich über Möglichkeiten Gedanken machen wie man so etwas verhindern könnte.
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Re: Die Macht des Internets, Assange, Wikileaks, Anon etc.
« Antwort #7 am: 10. Dezember 2010, 00:20:32 »
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Und wie soll man diese gesetzliche Forderung nach unmöglicher Abrufbarkeit umsetzen?

Das geht am Konzept sämtlicher Internetstrukturen vorbei!
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Re: Die Macht des Internets, Assange, Wikileaks, Anon etc.
« Antwort #8 am: 10. Dezember 2010, 09:18:24 »
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@Owen: Wenn die Sperre über die DNS-Server der Provider umgesetzt wird, kann man auf andere DNS-Server zurückgreifen. Die nächste Stufe wäre dann, dass die Provider über Firewalls den Zugriff auf bestimmte IPs sperren, wie z.B.in China. In China klappt das nur, weil es erstens nur wenige (dafür um so stärkere) Übergänge zu ausländischen Knoten hat und die Regierung auch das Geld hat, die Firewalls zu bezahlen. In Europa sind die Netze zu sehr vermascht, es gibt zu viele Provider und Forschungsnetze und man kann nicht an allen Routing-Punkten Firewalls einsetzen. Und selbst wenn man es doch tun würde, könnte der Hacker sich als nächstes einen VPN-Tunnel zu einem VPN-Gateway im Auslandaufbauen und von dort die Inhalte im Ausland anschauen, die dort irgendwo gemirrort werden können.

Selbst China, die von vornherein ihre Infrastruktur auf dieses Ziel ausgerichtet haben, kann keine vollständige Zensur im Internet erreichen, solange es ausserhalb von China immer wieder neue Proxys gibt.
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Offline grilla

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Re: Die Macht des Internets, Assange, Wikileaks, Anon etc.
« Antwort #9 am: 16. Oktober 2011, 12:37:57 »
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@Owen: Wenn die Sperre über die DNS-Server der Provider umgesetzt wird, kann man auf andere DNS-Server zurückgreifen. Die nächste Stufe wäre dann, dass die Provider über Firewalls den Zugriff auf bestimmte IPs sperren, wie z.B.in China. In China klappt das nur, weil es erstens nur wenige (dafür um so stärkere) Übergänge zu ausländischen Knoten hat und die Regierung auch das Geld hat, die Firewalls zu bezahlen. In Europa sind die Netze zu sehr vermascht, es gibt zu viele Provider und Forschungsnetze und man kann nicht an allen Routing-Punkten Firewalls einsetzen. Und selbst wenn man es doch tun würde, könnte der Hacker sich als nächstes einen VPN-Tunnel zu einem VPN-Gateway im Auslandaufbauen und von dort die Inhalte im Ausland anschauen, die dort irgendwo gemirrort werden können.

Selbst China, die von vornherein ihre Infrastruktur auf dieses Ziel ausgerichtet haben, kann keine vollständige Zensur im Internet erreichen, solange es ausserhalb von China immer wieder neue Proxys gibt.

Ich wollte mal fragen: wie seht ihr das heute? Assange ist ganz stark in Kritik geraten...
« Letzte Änderung: 19. Oktober 2011, 09:33:46 von grilla »

 

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