Mit dem Sony Xperia Neo vervollständigt der japanische Elektronik-Riese seine Smartphone-Serie auf dem Mainstream-Markt. Dank des günstigen Preises bei sehr umfangreicher Ausstattung bietet es nahezu alles, was ein Normalverbraucher benötigt.
Das Sony Xperia Neo befindet sich bei mir seit einer Woche im Einsatz. Bisher bin ich weitgehend zufrieden. Der optische Eindruck genügt hohen Ansprüchen und wirkt in keiner Weise billig. Hält man dagegen das Nexus S von Samsung in seinen Händen, bekommt man ungeachtet der Fähigkeiten unweigerlich das Gefühl, ein billiges Spielzeug vor sich zu haben. Auch sonst spricht das Smartphone für sich.
LieferumfangDas Sony Xperia Neo hält sich in Sachen Lieferumfang deutlich zurück, bietet aber dennoch alles wesentliche. In der Packung findet sich ein In-Ear-Headset mit austauschbaren Aufsätzen, ein USB-Ladekabel und eine 8-GB-MicroSD-Speicherkarte. Zur Inbetriebnahme liegt außerdem ein schmales Faltblättchen bei, das jedoch nicht wirklich erforderlich ist, um die ersten Schritte mit dem Gerät zu gehen.
Die Maße des Geräts betragen 116,0 x 57,0 x 13,0 mm bei einem Gewicht von 126 Gramm. Der TFT-Bildschirm hat eine Auflösung von 854 x 800 Pixeln und erlaubt damit auch angenehmes Lesen von Texten. Intern findet sich ein Gigabyte Telefonspeicher, von dem 320 MB für Android-Apps verwenden lassen. Alternativ stehen weiteren 8 GByte auf der beigelegten Speicherkarte zur Verfügung, die sich aber nur beschränkt für Apps verwenden lassen.
Als optionales Zubehör bietet Sony auch eine Docking-Station an.
AusstattungMit einem großen Touchscreen mit einer Diagonalen von 3,7 Zoll zeigt sich das Sony Xperia Neo auf der Höhe der Zeit. In Räumen lässt sich das Display auch problemlos auf niedriger Helligkeitsstufe ablesen, im Außeneinsatz ist dies nur bei höchster Stufe und Anstrengung möglich.
Unter dem Touchscreen finden sich drei typische Buttons: "Zurück", "Desktop" und "Eigenschaften". Einen Knopf zur Rufannahme sucht man hingegen vergebens. Diese Basis-Funktion ist leider nur über das Display per Softkey umgesetzt. Positiv ist neben der verbauten 8,1-Megapixel-Kamera die Frontkamera oberhalb des Displays zu erwähnen, die für Videotelefonie notwendig ist. Zusätzlich findet sich über dem Display ein Umgebungssensor, der das Display an die Helligkeit anpasst.
Auf der rechten Seite finden sich ein Auslöser für die 8,1-Megapixel-Kamera, eine Wippe für die Lautstärke-Reglung und der Ein- bzw. Ausschalter. Zusätzlich platzierte Sony eine dezente Status-LED, die wahlweise rot, gründ oder blau leuchtet und von der Software verwendet werden kann, um auf eingehende Nachrichten hinzuweisen.
Auf der Oberseite ist Platz für den Mini-HDMI-Anschluss, den 3,5-mm-Kopfhörer-Anschluss und den USB-Anschluss, welcher auch zum Laden des Gerätes verwendet wird.
FeaturesDas Xperia Neo verfügt praktisch über alle Funktionen, die derzeit von modernen Smartphones erwartet werden. WLAN, UMTS, GPS, HDMI und 8,1-MP-Kamera, die auch Videos in HD erlaubt, sind nur einige Stichworte.
Als Software setzt Sony auf das verbreitete Android-Betriebssystem, das in aktueller Version 2.3.3 ausgeliefert wird. Optisch angepasst wird diese über die Sony-Oberfläche Timescape, die Steuerelemente zum Zugriff auf Multimedia und Social Networks gewährt.
Hilfreich ist auch das integrierte Radio, das einen guten Empfang bietet. Die Software bleibt allerdings auf Sparflame, es lassen sich lediglich Sender Suchen und per "Scroll-Balken" weiterschalten, was beim Wechseln des Senders etwas umständlich ist. Fest programmierbare Sendeplätze finden sich leider nicht, sodass die Lieblingssender immer wieder neu gesucht werden müssen. Der RDS-Empfang ist zudem recht träge, sodass hier die Namen erst spät angezeigt werden.
Ausführliche Informationen zu den technischen Details finden sich direkt auf der Produkt-Website zum Sony Xperia Neo.
Persönliche KaufgründeGewählt habe ich das Telefon aus mehreren Gründen. Durch regelmäßige Telefonate per Voice-over-IP-Software Skype, stand vollständige Skype-Unterstützung im Vordergrund. Laut offizieller Aussage wird insbesondere hinsichtlich Video-Telefonie derzeit nebem dem HTC Desire S und dem Nexus S auch das Sony Xperia Neo unterstützt.
In weiterer Grund ist die handliche Größe bei guter Optik. Das Desire S ist etwas größer und teurer bei schlechterer Ausstattung, das Nexus S ist, wie eingangs erwähnt, optisch ein sehr abschreckender Plastik-Bomber. Das Sony Xperia Neo macht dagegen im Vergleich eine regelrecht hochwertigen Eindruck und liegt angenehm in der Hand.
Die Kamera verspricht durch ihre Blendengröße von 2,8 zudem auch in dunkleren Verhältnissen noch brauchbare Bilder – und bekommt Unterstützung durch einen integrierten LED-Blitz.
Praxis-ErfahrungenIn der Praxis lässt sich das Sony Xperia Neo positiv an. Die Software erfreut immer wieder durch kleine Extras, wie etwa die Frage, ob ein Kontakt über Skype oder Telefon angerufen werden soll. Gleiche Wahl besteht auch bei SMS, sodass man im WLAN recht einfach die günstigere Alternative wählen kann. Gleichzeitig stört im Telefonbuch aber, dass die Kontakte von Skype, Facebook und dem Telefon offenbar separat geführt und nicht vereint werden, sodass viele Namen mehrfach aufgeführt werden, ohne dass erkennbar ist, welcher einer bestimmten Quelle zugeordnet ist. Diese Verknüpfung muss erst nachträglich manuell vorgenommen werden und ist bei vielen Kontakten aus vielen Quellen äußerst zeitaufwändig.
Viele andere Funktionen sind Android-typische Apps von Google Mail über den Kalender bis zur Facebook-App und lassen sich auch auf andere Geräte mit dem Google-Betriebssystem übertragen, sodass sie an der Stelle nicht explizit erwähnt werden.
Die Verarbeitung macht für die erste Woche einen robusten Eindruck. Die drei Kunststoff-Buttons unter dem Touchscreen wirken etwas wackelig, sodass man sich hier überraschen lassen muss, wie lang sie tatsächlich aushalten. Staub dürfte sich wohl besonders ab Telefon-Lautsprecher oberhalb des Displays und in den im Gehäuse versenkten Kamera-Schächten auf Front- und Rückseite sammeln.
Die gefühlte Geschwindigkeit ist gut. Das Smartphone ist mit Sicherheit kein "Schnelldenker" und gönnt sich nach rechenintensiven Apps wie Skype oder einem Video spürbare Denkpausen, bevor der Desktop wieder geladen ist. Dennoch lassen sich die gewünschten Aufgaben problemlos durchführen, sodass es weder bei der Video-Telefonie im WLAN als auch beim Schauen von Videos zu Störungen kommt. Extremes Multitasking zählt beim Sony Xperia Neo aber nicht zu den Stärken. Hier stellt sich allerdings durchaus die Frage, welche Nutzer tatsächlich beim Telefonieren noch Videos schauen. Die meiner Meinung nach einzig wirkliche Multitasking-Aufgabe ist Musikhören beim Lesen oder Browsen – und hier leistet sich das Produkt keine Schwächen.
Positiv zeigt sich auch der verbaute Lautsprecher, der in maximaler Stufe zwar etwas übersteuert, insgesamt aber für die Handy-typischen Umstände eine angenehme Hörqualität liefert. Die Kopfhörer mit eingebautem Mikrofon liefern taugliche Ergebnisse, wobei ich persönlich hier keine hohen Ansprüche habe.
Etwas ernüchternd ist die Akku-Laufzeit einzuordnen. Vom Samsung Wave mit großem Display war ich trotz Dauer-WLAN ein Laufzeit von reichlich zwei Tagen gewöhnt – mit dem Sony Xperia Neo ist diese Zeit unschaffbar. Wer zwischendurch noch telefoniert – sei es per Skype oder “klassisch”, wird sein Telefon selten länger als einen Tag ohne Aufladen verwenden können. Ohne WLAN im Stand-By und ohne regelmäßigen Zugriff auf E-Mails und ähnliches – rein mit der Anforderung telefonisch erreichbar zu sein – lassen sich aber auch zwei bis drei Tage erreichen.
Die eingebaute Kamera liefert schlechtere Bilder als Samsung Wave und hat eine spürbare Auslöseverzögerung. Hier muss man wohl mit abstrichen leben. Der Druckpunkt beim Auslöser ist zudem sehr spät, sodass nach dem Fokussieren die Aufnahme recht viel Kraft erfordert. Schnelle Schnappschüsse lassen sich damit leider nur schwer meistern – zumal die Dauer, bis die Kamera einsatzbereit ist, mit reichlich fünf Sekunden für diese Aufgabe nach meinem Empfinden sowieso zu groß ist.
Persönliches FazitEine Wertung lässt sich von meiner Seite nur höchst subjektiv geben. Berücksichtigt man meinen Hintergrund, dass ich bisher mit einem Sony K800i und dem Samsung Wave zufrieden war, dürften hier besonders ambitionierte Smartphone-Spezialisten zu anderen Eindrücken gelangen.
Aus Preissicht schlägt sich das Sony Xperia Neo für unter 300 Euro sehr gut. Das Samsung Galaxy Ace ist deutlich günstiger, erreicht aber nicht im Entferntesten den Funktionsumfang, auch das Motorola Defy steht dem Neo nach. Das Samsung Galaxy S ist ebenfalls noch für 300 Euro erhältlich, lässt aber wie die beiden anderen Geräte eine Kamera zur Videotelefonie vermissen. Andere Konkurrenten wie das Sony Xperia Arc wirken optisch noch besser, sind aber deutlich teurer und erreichen bereits Ausmaße, die nach meinem empfinden nicht mehr handlich sind.
Kritisch sehe ich derzeit die Akkulaufzeit und den langsamen Kamera-Start, was aber bei vielen anderen Smartphones ähnlich ist. Sonst leistet sich das Xperia Neo keine Schwächen.
Preis: ab 270 Euro laut Preisvergleich (
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