Mal losgelöst von den Zahlenspielen stellt sich hier die Frage, ob die Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit nicht weiterhin den Kameraden überlassen werden sollte. Es handelt sich hierbei um eine freiwillige Tätigkeit, die nach dem jeweiligen Vermögen des Einzelnen durchgeführt wird. Ist man krank, fährt man nicht mit. Ist man überarbeitet, fährt man nicht mit. Gibt es wichtigere Dinge zu erledigen, fährt man nicht mit. Das hat bislang immer geklappt, weshalb sich schon die Frage stellt, wieso hier regulierend eingegriffen werden soll.
Zudem sichert es nicht die Lage. Gehe ich Anfang meiner Woche auf einen Großeinsatz, komme ich Ende der Woche dennoch über die Wochenstundenzahl, beruflich bedingt. Davor wird keiner geschützt. Ebenso unberücksichtigt, wenn man von Schutz der Kameraden spricht, ist die Frage nach der Stundenzahl am Stück. Wenn der Feuerwehrmann nach 9 Stunden Arbeit noch zum Einsatz fährt, aber alles im Rahmen der Wochenstundenzahl läuft, dann ist der Schutz also gewährleistet.
Sicher ist das schön, wenn das jetzt schon so klappt - aber mit einer rechtlichen Absicherung steht man doch in jedem Falle besser da.
Was die Zeiten angeht, wenn ich mich recht entsinne waren die alten Pflichtausbildungszeiten 120 Stunden im Jahr (das galt jedenfalls so beim THW - ich denke ob man sich dann für den Katschutz bei der Feuerwehr verpflichtet hat, hat daran nichts geändert). Damit kommt man auf etwas über 2 Stunden die Woche. Ich habe vier Stunden angesetzt, weil man für Urlaub etc. etwas mehr Angebot macht, und Wartung vom Gerät natürlich auch noch etwas Zeit in Anspruch nimmt. Wenn man zudem als Ausbilder tätig ist, wird das natürlich schnell mehr, aber das muss man dann einplanen.
Ich kenne nun die Fallzahlen nicht, das ist sicherlich auch regional unterschiedlich, ob man an einer Autobahn wohnt, oder nicht, etc.
Aber 2 Stunden für einen Verkehrsunfall erscheint mir machbar, genauso 4 Stunden für einen mittleren Gebäudebrand.
Dazu kommt dann sicherlich noch Kleinkram, wie Höhenrettungen und andere Leiterarbeiten, aber auch solche Einsätze sind in der Regel mit Nachbereitung in 2 Stunden machbar.
Große Einsätze und Übungen fallen zwar auch mal an, aber zumindest die Übungen sollten unter die geplanten Ausbildungsstunden fallen, und eben von vornherein ein gewisses Pensum nicht überschreiten, auch jetzt wo es keine Pflichtfeuerwehrleute mehr gibt.
Mir scheint da hauptsächlich die Angst vor der Buchführung zu sprechen, aber Buch sollte sowieso geführt werden, insofern seh ich wirklich keinen Grund warum die Idee als solche abzulehnen ist.
Man mag vielleicht noch etwas an den Ausnahmen arbeiten müssen, aber 48 Stunden die Woche Arbeit sind viel.
Am Ende wird sowieso geschickt Buch geführt, und ein für 2 Stunden gesetzter Ausbildungsdienst nimmt spontan einen ganzen Samstag ein und umfasst einen Haufen Wartung.
Naja, mal schaun ob sich so eine Richtlinie überhaupt durchsetzen kann, und wie diese in Deutschland implementiert wird. Im Moment klingt es mir sehr danach, dass keiner was weiß, aber manche erstmal vorsorglich Panik schieben. Und die böse EU steckt ja dahinter.