Da kann ich dir nicht zustimmen Rico. Das Internet ist weit mehr als nur ein Kommunikationsträger, wie es beispielsweise das Telefon ist. Hier werden handfeste Aktionen (Transaktionen etc.) getätigt, die im Gegensatz zu klassischer Kommunikation einen zählbaren Gegenwert haben. Übers Internet kannst du zudem Daten in Form von Bild und Ton oder jedwedem anderen digitalen oder digitalisierten Inhalt (ver)teilen. Diese haben ebenfalls einen Wert, der in barer Münze aufgewogen wird.
Deshalb kann das Internet nicht bloß dazu missbraucht werden um kriminelle Aktivitäten abzusprechen sondern sie können konkret vollzogen werden. Darüber hinaus sehe ich das Internet gerade nicht als ein einfach zu überwachendes Medium. Im Gegenteil vergleicht man es mit den klassischen Kommunikationswegen (mal den persönlichen Kontakt ausgenommen) ist es das am schwersten kontrollierbare. Zum einen weil es so unendlich groß ist und zu anderen, weil es so vielseitig ist, dass man sich zu fast 100% absichern könnte. Auch hinken die rechtlichen Richtlinien der Zeit maßlos hinterher.
Zum Anfangspost. Die aufgeworfenen Fragen zerbrechen nicht erst seit dem Internet die Köpfe zahlreicher Menschen. Das sind Grundsatzfragen, die über die man nur philosophieren kann, weil sie so tiefreichend sind, dass man nicht jede Lebenseinstellung befriedigen kann. Was aber imho komplett ausgeschlossen werden kann und muss ist die Forderung, dass das Internet ein Rechtsfreier Raum ist. Diese Denke ist grundsätzlich falsch und ignorant. Rechtsfreie Räume darf es überhaupt nicht geben, denn bestimmte Taten dürfen nirgends und unter keinen Umständen geduldet noch gut geheißen werden.
Was die Frage angeht wieviel Freiheit man opfern muss/möchte damit niemand zu Schaden kommt ist es schlichtweg eine Frage der Sichtweise. Zumindest am Anfang. Wenn ich jetzt Aktivitäten von Pädophilen in den Raum werfe, die übers Internet ihre Medien austauschen, sich gegenseitig pushen und gar zu konkreten Aktivitäten verabreden bzw. diese planen ist das eine Sache, die das Opfer so schwerwiegend machen, dass man kaum seine eigene "Freiheit" beim Surfen auf Youtube und Bild als Argument in die Waagschale werfen kann. Aus diesem Grund würde ich mich auch nicht auf eine "soviel muss sein" Aussage festlegen.
Imho ist das auch überflüssig, denn das Internet ist in seiner Architektur so frei und unkontrollierbar, dass alle derzeitigen Bemühungen ein Lufthauch gegen den Orkan darstellen. Es müsste komplett neue Strukturen geben, um das Internet bzw. es geht ja gar nicht ums Internet an sich, sondern um die verfügbaren Daten mit einer eindeutigen Signatur, kontrollieren zu können. Und ganz wichtig, um es bei Notwendigkeit zensieren zu können. Es ist doch eine Farce, dass Seiten mit Kinderpornos bisher nur gesperrt wurden (innerhalb der BRD) aber die Daten weiterhin im Netz (verfügbar) blieben. Es ist eine kaum zu bewältigende Hürde, dass sich wirklich schlimme illegale Aktivitäten in ein Darknet abgesondert haben, dass noch viel schwerer wenn nicht sogar überhaupt nicht zu kontrollieren ist geschweige denn eine Nachverfolgung zulässt. Es ist bezeichnend, dass die Aktivisten von Anon (oder wars Lulsec?) diejenigen waren, die eine komplette Kinderporno-Plattform im Onion-Netzwerk plattgemacht haben. Ganz einfach indem sie die Server blitze blank gelöscht haben.
Stattdessen stürzen sich alle (Politik und Medien) auf die bösen Raubkopierer, die verglichen dazu die Lächerlichkeit eines finanziellen Schadens anrichten. Aber hier sieht man, dass Geld eben doch die Welt regiert. Zumindest lässt es die Mühlen schneller mahlen, wenn man die notwendige Lobby hinter sich hat. Dort wo die Gesetzeshüter viel dringender aufdecken und schützen müssten passiert nur bedingt etwas. Wenngleich ich darüber erfreut bin, dass sich die Nachrichten gehäuft haben, dass irgendwelche Kinderporno-Ringe ausgehoben wurden. Aber naja, wenn man nur einen Schritt weiter denkt, dann muss man ganz einfach attestieren, dass die Welt mittlerweile zu einem nicht geringen Teil total krank und abstoßend geworden ist. Immer mehr Leute sind so verroht und abstoßend, dass es einem Tränen in die Augen treibt, wenn man Minimum einmal die Woche davon liest, dass Eltern ihre Kinder in jedweder Form missbrauchen oder sie gar töten. Die Meldung von der Frau und dem Mann, die ein Kind gezeugt haben nur mit dem Ziel, es dann zu missbrauchen ist doch der Höhepunkt einer Ekel erregenden Entwicklung.
just my 2 cents.