Autor Thema: Was ist nur bei den Amis los?  (Gelesen 1859 mal)

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Offline Shak-ER

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Was ist nur bei den Amis los?
« am: 14. August 2012, 06:12:12 »
0
Hallo zusammen,
was läuft bei den US-Amerikanern nur schief? Kürzlich die Schießerei in Aurora bei dem Batman-Film, danach der Amoklauf in dem Sikh-Tempel bei dem erneut viele Menschen starben und nun die Schießerei mit 3 Toten bei der Zwangsräumung einer Wohnung.
Hier gibt es mehr Infos dazu. Liegt das am liberalen Waffengesetz oder einfach daran, dass dort mehr Leute leben = mehr Bekloppte? 

Offline Daniel

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Re: Was ist nur bei den Amis los?
« Antwort #1 am: 14. August 2012, 07:20:22 »
0
Auch wenn ich kein Fan von Michael Moore bin, hat er relativ simpel dargelegt, dass es nicht "nur" an dem liberalen Waffengesetzen liegen kann. Der nördliche Nachbar Kanada hat ähnliche Gesetze und eine nicht unbeträchtliches Verhältnis von Waffen pro Kopf, dennoch liegt dort die Zahl der Übergriffe mit Schusswaffen wesentlich niedriger.
mfg
Daniel
All suspects are guilty, period. Otherwise they wouldn´t be suspects, would they?
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Offline Michael

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Re: Was ist nur bei den Amis los?
« Antwort #2 am: 14. August 2012, 09:28:26 »
0
Selbstverteidigung mit Schusswaffen schön und gut, aber muss denn jeder zweite ein vollautomatisches Maschinengewehr im Schrank stehen haben?

Ich hab allerdings ein Artikel kürzlich darüber gelesen. Der Besitz eigener Waffen ist bei den Amerikanern so tief im Bewusstsein verankert, dass jeder Politiker der etwas dagegen tun will, seine Politkarriere auch gleich an den Nagel hängen kann.
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samm

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Re: Was ist nur bei den Amis los?
« Antwort #3 am: 14. August 2012, 11:00:41 »
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Man muss gar nicht nach Amerika schauen, um idiotische Waffengesetze und Verankerung in der Gesellschaft zu suchen. Ich lebe in der Schweiz, wo jeder "wehrpflichtige Mann" ein Sturmgewehr zu Hause hat, oder, falls er sich sehr gegen das Gewehr sträubt, wenigstens eine Dienstpistole. Morde an Frauen und Selbstmorde werden statistisch häufig mit diesen überall verbreiteten Waffen verübt. Die Möglichkeit, die Waffe freiwillig im Zeughaus abzugeben, wenn man gerade nicht im Dienst ist, musste erstritten werden. Die Rückgabe der Waffe nach dem Dienst wird nicht strikt gehandhabt. "National Orientierte" betrachten die eigene Waffe als Teil ihres "Eidgenossen"-Seins.

Mein Fazit: Amerika liegt vor der Haustür (nicht nur, was Datensammelei, Internetzensur und vorauseilenden Gehorsam gegenüber Behörden angeht).

samm

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Re: Was ist nur bei den Amis los?
« Antwort #4 am: 14. August 2012, 11:02:45 »
0
(Anm: Das mit den Frauen hab ich so gemeint, dass typischerweise die euphemistisch so benannten Beziehungsdramen darunter zählen. Natürlich werden sonst auch Männer und Kinder damit erschossen.)

Offline BisMarck

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Re: Was ist nur bei den Amis los?
« Antwort #5 am: 15. August 2012, 09:56:48 »
0
Zitat
Der Besitz eigener Waffen ist bei den Amerikanern so tief im Bewusstsein verankert, dass jeder Politiker der etwas dagegen tun will, seine Politkarriere auch gleich an den Nagel hängen kann.

Die Waffenlobby in Amerika ist gar nicht soo groß. Die NRA (National Rifle Association) hat ca. 4 Mio Mitglieder auf eine Bevölkerung irgendwo bei 300 Mio. Allerdings ist sie sehr gut organisiert und ein großer Wahlkampfspender. Eigentlich ist sie nur ein besonders gutes Beispiel für das was in der Politik allgemein und in Amerika besonders krass schief läuft. Kleine, gut organisierte Lobbygruppen setzen hemmungslos ihre Partikularinteressen gegenüber der schweigenden Mehrheit durch.

Ist hier aber auch nicht so großartig anders, dafür muss man sich eigentlich nur die aktuelle Euro-Rettungspolitik anschauen, die unsere Generation mit Schulden für die nächsten 5000 Jahre belädt, damit Wohlhabende und Pensionäre der aktuellen Generation keine Verluste machen müssen.

Offline Michael

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Re: Was ist nur bei den Amis los?
« Antwort #6 am: 15. August 2012, 11:42:07 »
0
Zitat
Der Besitz eigener Waffen ist bei den Amerikanern so tief im Bewusstsein verankert, dass jeder Politiker der etwas dagegen tun will, seine Politkarriere auch gleich an den Nagel hängen kann.

Die Waffenlobby in Amerika ist gar nicht soo groß. Die NRA (National Rifle Association) hat ca. 4 Mio Mitglieder auf eine Bevölkerung irgendwo bei 300 Mio. Allerdings ist sie sehr gut organisiert und ein großer Wahlkampfspender. Eigentlich ist sie nur ein besonders gutes Beispiel für das was in der Politik allgemein und in Amerika besonders krass schief läuft. Kleine, gut organisierte Lobbygruppen setzen hemmungslos ihre Partikularinteressen gegenüber der schweigenden Mehrheit durch.

Ist hier aber auch nicht so großartig anders, dafür muss man sich eigentlich nur die aktuelle Euro-Rettungspolitik anschauen, die unsere Generation mit Schulden für die nächsten 5000 Jahre belädt, damit Wohlhabende und Pensionäre der aktuellen Generation keine Verluste machen müssen.

Nun ich sprach jetzt nicht direkt von der Waffenlobby - offenbar gibt es genügebd Bürger (und auch Politiker) die auf das Recht des Waffenbesitzes beharren und für welche das ein Heiligtum ist. Jeder Präsident der es versuchen würde, dieses Gesetz einzuschränken, würde für die gegenerische Partei eine Steilvorlage zur Abwahl liefern - und der nächste Präsident würde dieses Gesetz direkt wieder aufweiten. Das gleicht ungefähr der Situation, als würde unsere Bundeskanzlerin versuchen den Sozialstaat gänzlich abzuschaffen.

Ähnliches sehen wir ja momentan bei Obama mit seiner Krankenkassen-Reform - vielfach diskutiert, von Konservativen verabscheut und der gegnerische Präsidentschaftskandidat (Mitt Romney) steht schon in den Startlöchern um alles wieder Rückgängig zu machen.
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Offline BisMarck

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Re: Was ist nur bei den Amis los?
« Antwort #7 am: 16. August 2012, 10:02:36 »
0
Zitat
Jeder Präsident der es versuchen würde, dieses Gesetz einzuschränken, würde für die gegenerische Partei eine Steilvorlage zur Abwahl liefern - und der nächste Präsident würde dieses Gesetz direkt wieder aufweiten.

Ja mag sein. Aber das ist halt so schade daran. Ich bin mir sicher, dass es genauso viele Leute gibt, die entsetzt sind über den überproportionalen Schusswaffengebrauch in den USA und den daraus ständig entstehenden Tragödien. Nur sind die nicht so gut organisiert wie die geifernde Waffenlobby.

Offline Shak-ER

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Re: Was ist nur bei den Amis los?
« Antwort #8 am: 16. August 2012, 13:24:17 »
0
Ich misch mich dann doch nochmal ein, und denke ... sicherlich gibt es Leute in den USA, die die Waffengesetze auch gerne verschärfen würden, aber so viele sind das dann auch wieder nicht. Das kann man mit der Waffenlobby nicht vergleichen.

Offline Rick

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Re: Was ist nur bei den Amis los?
« Antwort #9 am: 17. August 2012, 13:57:27 »
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Das Interessante ist, dass der urspruengliche Zweck des Waffenbesitzes eigentlich vollkommen veraltet ist. Der war so gedacht, dass ein Aufstand gegen die Regierung ein Kampf unter Gleichen sein sollte. Was nach der Annektierung der Suedstaaten diesen ein wichtiger Punkt war, um eine erneute Sezession durchfuehren zu koennen.

Nun sind Schusswaffen nunmal verbreitet, und es wird Jahrzehnte brauchen, diesen Genie wieder in die Lampe zu bekommen.
Dass diese Schusswaffen dann die diversen sozialen Probleme (Rassismus als Folge einer Kultur jahrhundertelanger Sklaverei, grosse Armut und eine Gesellschaft die extrem auf den eigenen Gewinn ausgerichtet ist, Subkulturen die nebeneinander existieren, weil jeder der dort lebt Immigrationshintergrund hat) zu einer vermehrten Eskalation mit Waffengewalt fuehren ist dann vorprogrammiert.

Da aber ein Grossteil der Amerikaner aus Europa geflohen sind, weil ihre antiquierte Weltsicht nicht toleriert wurde, und deshalb sich eine erzkonservative Mehrheit bildet, koennen so antiquierte Teile der Verfassung nicht diskutiert werden.

Ich habe neulich mal in einem amerikanisch dominiertem Forum die Frage gestellt, warum der Schwarze der dich mit vorgehaltener Waffe ausuebt, dies nicht im Rahmen eines Freiheitskampfes tut, wofuer ja die Waffe quasi zugelassen ist. Vielleicht sieht er ja seine verfassungsrechtlichen Freiheiten durch die Mittelklasse eingeschraenkt, und beschafft sich das Geld um seine eigenen Freiheiten ueberhaupt wahrnehmen zu koennen. Daraufhin wurde diskutiert, dass er dabei ja die Rechte anderer einschraenke, und es deshalb nicht gelten wuerde. Dass in einem Buergerkrieg man natuerlich auch die Rechte anderer einschraenken wuerde (Timothy McVeigh zum Beispiel koennte man perverserweise als "Buergerrechtler" bezeichnen) wurde dabei nicht eingesehen.

Deshalb denke ich, dass der groesste Motor fuer den Waffenbesitz Konservatismus ist. Und die zweite Motivation die Paranoia der Suedstaatler. Interessant, dass die DDR nach 20 Jahren weniger Einfluss auf das taegliche Leben hat, als der amerikanische Buergerkrieg vor ueber 200 Jahren. Aber es gibt in den USA eben keinen Solizuschlag.

Offline Robert

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Re: Was ist nur bei den Amis los?
« Antwort #10 am: 17. August 2012, 15:55:10 »
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Da aber ein Grossteil der Amerikaner aus Europa geflohen sind, weil ihre antiquierte Weltsicht nicht toleriert wurde, und deshalb sich eine erzkonservative Mehrheit bildet, koennen so antiquierte Teile der Verfassung nicht diskutiert werden.
Der Teil der Verfassung resultierte doch aber eher aus den Unabhängigkeitsbewegungen und weniger aus den religiösen Vorstellungen der Puritaner u.ä.

Und unabhänig von der Verteidigung gegen Kolonialmacht bzw. ggf. eigene Regierung gibt es ja auch noch regionale Aspekte. Wenn du da vor 150 Jahren auf deiner Farm hocktest und der nächste Ort mit Sheriff 50 Meilen entfernt war, war die eigene Waffe im Haus wichtiger als heute, wo du jederzeit die Ordnungshüter anrufen kannst, die zudem mit Auto auch noch schneller da sind. Damals war das unabhängig von Religion und Konversativität/Liberalität sicher ein entscheidender Faktor, die Wichtigkeit der Waffen im Selbstbild der Bevölkerung zu prägen. Vor allem überall da, wo damals mit Waffen gejagt wurde um Nahrung zu beschaffen, also mitten in der Pampa.

Ich denke, dass diese Überzeugungen aber mit Waffeneinsatz in der Kriminalität nur wenig gemein haben. Ein Krimineller besitzt die Waffe schlicht aus völlig anderen Gründen und würde sie sich so oder so beschaffen. Der Familienvater, der auf seiner Farm eine Waffe besitzt, trägt im Allgemeinen nur wenig zur Kriminalität bei. Es ist dann schon verständlich, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, wenn ihm jemand die Waffe verbieten will. Das Risiko einer Tragödie z.B. durch übereilten Einsatz aus Versehen ein eignes Familienmitglied o.ä. zu töten oder zu verletzen ist von der Menge her deutlich weniger vorhanden, als die Toten durch in der Kriminalität eingesetzten Waffen.

Wenn ein Präsident versucht, Waffen zu verbieten, trifft er also zuerst diejenigen, die nicht verantwortungslos mit den Waffen umgehen, während Kriminelle weitermachen wie bisher. Das ist das Dilemma. Dass die Präsenz der Waffen allein in der Bevölkerung nicht die Ursache ist, zeigt der Vergleich mit anderen ebenfalls stark zivil-bewaffneten Ländern, wo es weniger Tote gibt. Es scheint also erfolgsversprechender zu sein, gesellschaftliche Probleme so zu lösen, dass Bevölkerungsteile nicht so stark auf Kriminalität angewiesen sind. Also die Ursache und nicht das Symptom bekämpfen. Ist aber eben auch schwerer.
« Letzte Änderung: 17. August 2012, 16:04:38 von Robert »
Hey, look! It's not my fault, it's some guy named "General Protection"!

 

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