Ich denke einmal, der Aspekt "Garantieverlust" ist aus juristischer Sicht (und nur das zählt heutzutage, denn Experimentierfreude und der Ingenieurstrieb wird heutzutage durch Manager und Juristen gewinnbringend vermarktet ...) schon ein Argument, weshalb ich eine Karte dieser Machart generell begrüße - solange sich die Leistungsaufnahme in Grenzen hält. Ansonsten würde ich auch eher zu "sinnlos" tendieren. In unserem Haus rauchen gerade diverse Lüfter auf neuen (ca. 1 Jahr alten) Karten ab - Modelle, die allesamt von MSI stammen und übertaktet sind. Die Kärtchen, nVidia basiert, dienen der numerischen Modellierung und laufen oft über einige Stunden am Limit per Tag. Seitdem die Ausfallquote rapide angestiegen ist, auch mit positiv und innovativ getesteten Lüfterlösungen, blicke ich auf bis an die Grenzen getaktete Karten eher skeptisch - auch im privaten Sektor.
Ich hätte noch eine Anfrage an die Macher von HT4U - ich denke ich bin bei Euch genau an der richtigen Stelle, denn Ihr seid eines der ganz wenigen Magazine, die sich dem Thema überhaupt quantitativ widmen. Die Rechenleistung bei doppelt genauer Arithemtik (double precision, DP) ist mir in den Tests nie ganz offenkundig. Die RayTracing Engine LuxRender nutzt meines Wissens OpenCL 1.1, dort ist der Standard für DP (noch) nicht definiert, aber nutzbar. Der LuxRender Code nutzt sowohl SP als auch DP Variablen, womit ich implizit annehme, daß die Gesamtleistung eine Mischung ist. Ich habe mich nicht mit dem Code auseinandergesetzt - werde das bei Gelegenheit aber tun.
Also, meine Absicht im Hinterkopf ist, mal ein paar Benchmarks zu sehen, die explizit mit der Nutzung von DP Operationen gekennzeichnet sind. Das fehlt bei Euren Tests - zumindest sehe ich keine ausdrückliche Bemerkung. Wir haben im Hause diverse TESLA Karten. Diese Geräte sind mit rund 2000 Euro für Modelle von PNY und fast 3000 Euro für das Original ziemlich kostspielig. Theoretisch müßte eine GCN-basierte Karte an die theoretische Rechenleistung einer TESLA heranreichen - wenn man sich die "Balken" diverser Benchmarks anschaut, kommt das ungefähr hin. Der Vergleich besteht zwischen einer GTX580 und einer GCN 7970 und da die GTX580 lediglich 1/8 DP Leistung der SP Leistung bringt, läßt sich das schnell extrapolieren. Die derzeitigen TESLA Karten, die man vernünftig nutzen kann (also DP) nutzen lediglich 448 Shader Einheiten, die 512-Core basierte M2090 war bis vor kurzem nicht zu haben. Ein Vergleich zwischen einer GTX570/M2075 und einer GCN-basierten HD7970 (oder auch HD7950) wäre hinsichtlich Kosten-Nutzen doch sehr interessant. Alle Welt spricht zwar von der Absicherung des Speichers durch ECC, viele Modelle, die lediglich wenige Minuten oder auch nur Stunden die GPU malträtieren könnten im wiss. Bereich sicher auch auf den ECC Luxus verzichten. Zudem werden Prototypisierungen im kleinen Rahmen oft auf Workstations mit kleinen GraKas gemacht und später dann auf Clustern gerechnet, wenn das Modell zu größeren Dimensionen hin tendiert.
Es stehen Kosten von 500 zu mind. 2000 Euro zum Vergleich und in einigen Fällen, den meisten würde ich sagen, steht der nVidia Mehrpreis im wiss. Bereich in keiner Relation zu den Vorteilen - außer, daß man technischen Serive einkauft, den der handwerklich geschickte Modellierer selber erledigen kann.
Ein Vergleich wäre doch überaus "luxuriös", oder? Zumindest wünschte ich mir eine explizite DP-Gegenüberstellung der GraKa. nVidias aktuellen Keppler-Krüppel möchte ich nicht betrachten, diese Karten sind zwar im SP-Sektor sehr schnell, die Kastration auf 1/24 SP bei DP ist allerdings ernüchternd "katastrophal", auch scheint bei Extrapolation des erreichten DP-Rechenindex auf das 12-fache eine solche KEPLER basierte Karte nicht ganz an die nominelle Rechenleistung eines GCN "Tahiti" (HD7970) heranzukommen. Und GK110, also Kepler-2, ist noch eine Weile entfernt ...
Bei AMD ist leider die freie OS Welt zunehmend aus dem Fokus geraten. Die Linux Treiber sind keineswegs gut und stabil, das wissen wir aus eigener Erfahrung, für die BSD Systeme bietet AMD überhaupt nichts an und die OpenCL Entwicklungsumgebungen sind weniger schick als das, was wir von nVidia gewohnt sind. Zwar bekundet AMD, daß man bei den OS Treibern für Xorg (Gallium3D, CLover) Leistung einbringt, die Fortschritte aber sind seit Jahren eher homöopathisch. AMD will offenbar keine Details der Architektur preisgeben, aber auch keine BLOBs bereitstellen. Wir haben noch immer die bösen Erfahrungen mit den OpenSource Treibern für unsere HD4670 und HD4777 Karten in Erinnerung, die mit BSD und Linux nie so richtig korrekt arbeiteten.
Nun ja ... lange Wunschliste, ich wiederhole mich auch gelegentlich.