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Samstag, den 8. Mai 2004

Intel stoppt Pentium 4 und setzt auf Pentium-M im Doppelpack

Die prall gefüllte Roadmap des Prozessor-Giganten Intel könnte sich anscheinend schneller lichten, als noch vor kurzer Zeit zu vermuten war. Unterschiedlichen Berichten zufolge wolle das Unternehmen die Entwicklung zukünftiger Prozessor-Kerne wie Tejas oder Jayhawk, der auf einer Tejas-ähnlichen Architektur basiert und für günstige Xeon-Prozessoren geplant war, vollständig einstellen. Begründet sei dieses Vorgehen durch die übermäßig hohe und oft kritisierte Leistungsaufnahme der NetBurst-Architektur, die bedingt durch ihre auf hohen Prozessortakt optimierte Technologie mit extra langen Pipelines und Quad Pumped Bus kaum beherrschbare Abwärme entwickle. Anscheinend erwartet man auch durch die Umstellung auf kleinere Fertigungstechniken keine nennenswerte Besserung.

Wie TheInquirer meldet, habe Intel sowohl das Entwicklerteam für den Tejas als auch jenes, das für die nächste Xeon MP Generation auf Basis des Potomac zuständig war, bereits aufgelöst. Letztgenannte CPU war ursprünglich als Multiprozessor Version des Prescott geplant, der bereits mit der neuen 64-Bit Befehlssatz-Erweiterung aufwarten sollte. Die Zukunft des Nachfolgers Tulsa dürfte folglich ebenfalls in den Sternen stehen.


Desktop Server/Workstation Mobile
2003 Northwood Banias
Gallatin Gallatin
2004 H1 Prescott (Northwood) Nocona (Prescott) Dothan (Banias)
2004 H2
2005 H1 Tejas (Prescott) Jayhawk (Nocona)
Potomac (Prescott)
2005 H2 Tulsa (Potomac) Jonah (Dothan)
Tejas-M (Tejas)
2006 H1 Merom (Jonah)
2006 H2 Nehalem (Tejas) Whitefield
Merom (Jonah)
2007 Conroe (Merom) Tanglewood

Vorstehend zur besseren Übersicht nun eine Liste ausgewählter aktueller Codenamen, welche bei Intel derzeit in Umlauf sind. In Klammern jeweils der Name des Chips, auf dem das neue Modell basiert. Angemerkt sei zusätzlich, dass die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und von Intel nicht offiziell bestätigt wurde.

Sofort auffällig ist, dass Intel dem Tejas als Nachfolger des Prescott ursprünglich das kommende Jahr 2005 zugeteilt hatte, in dem das Unternehmen den Chip eigentlich auf bis zu 10 GHz beschleunigen wollte. Schon damals erschien uns diese massive Beschleunigung im Zuge der Umstellung auf die 65 Nanometer Strukturgröße eher fragwürdig, da nicht abzusehen war, ob die Technologie in einem so kurzen Zeitraum tatsächlich zu solch einem Sprung in der Lage sein würde.

Mit dem Wegfall dieses Chips entsteht nun ein relativ großes Loch im Terminplan des Prozessor-Giganten. Diesen Platz scheint nun der Pentium-M füllen zu müssen, welcher in Bälde mit dem Dothan-Core die mobile Welt erblickt und sich vor allem durch seine hohe Pro-MHz-Leistung und die damit verbundene geringe Abwärme gegen die NetBurst-Architektur durchsetzen kann. Zudem rückt nun auch der Jonah- (oder Jonas-) Kern in greifbare Nähe, der als erster "Allround"-Chip sowohl im mobilen als auch im Desktop Sektor seinen Platz einnehmen dürfte und später voraussichtlich in Form des Merom und Conroe weiterentwickelt wird.

Im Server-Segment sieht die Lage nun ähnlich "luftig" aus. Während der Jayhawk und Tulsa nach Angaben des Inquirer tatsächlich abgesetzt werden, bleibt die Rolle des Potomac zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Offiziell dementierte Intel jegliche Angaben diesbezüglich als reine Spekulation. Interessant bleibt ebenfalls die Zukunft des Prescott, dessen Entwicklungsplan Intel auf Nachfrage des britischen Onlinemagazins nicht klar dargelegt hat, sodass Chips auf Prescott-Basis auch durchaus auch mit 65 nm Strukturen wahrscheinlich wären.

Sicher lässt sich nach diesem überraschenden Tag lediglich feststellen, dass auch bei Intel die Prozessoren mit zwei (oder mehr) physikalischen Kernen eine zunehmende Rolle einnehmen werden. Konkurrent AMD hatte bereits diese Woche eine erste offizielle Ankündigung über seine Doppelprozessoren gewagt, die wohl erstmals 2005 erhältlich sein sollen. Ob Intel seine Strategie aufgrund der Aussage der Konkurrenz oder wegen der frühen Prognose auf die Hardware-Anforderung des nächsten Windows Betriebssystems der Zukunft so rapide geändert hat, bleibt wohl vorerst ein Geheimnis ;-).
[rl]




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