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Freitag, den 13. Januar 2006

Macworld Expo: Nachbetrachtungen

Nachdem sich der Trubel der Keynote etwas gelegt hat, werden nun Stück für Stück die Detailfragen der neuen Produkte und vor allem die praktischen Auswirkungen des Wechsels der Prozessorplattform von PowerPC auf x86 diskutiert.

Dass der Erfolg des Umstiegs mit der Verfügbarkeit von nativ laufender Software abhängt, dürfte jedem klar sein. Vor allem im professionellen Anwenderbereich, wo maximale Performance und Produktivität im Vordergrund stehen, ist eine Emulation, auch wenn sie transparent und vergleichsweise performant durch Rosetta erfolgt, nicht nutzbar. So verwundert es schon etwas, dass die Pro-Applikationen, wie die Videosoftware Final Cut, die kürzlich vorgestellte Fotoanwendung Aperture und das Soundprogramm Logic erst einmal nicht auf dem neu vorgestellten MacBook Pro laufen, welches primär aber genau für diese Nutzergruppen angeboten wird. Apple kündigt die entsprechenden Universal Binary-Versionen, die nativ auf beiden Plattformen laufen zum 31. März diesen Jahres an, wobei es ein Austauschprogramm geben wird. Für das relativ junge Aperture soll es ein kostenloses Update geben, die restlichen Pro-Applikationen können für 49 US-Dollar durch ein "Crossgrade"-Programm gegen die Universal Binary getauscht werden. Da das MacBook Pro erst im Februar ausgeliefert wird, ist die Zeitverzörgerung anscheinend noch annehmbar.

Dies ist aber erst die halbe Miete. Entscheidend ist die Verfügbarkeit von Software-Produkten von Drittherstellern. In einer News-Meldung von Heise online gibt es dazu einen ersten Überblick. Was dabei auffällt ist, dass momentan eher kleinere OpenSource bzw. Shareware-Anbieter die Nase vorn haben. Apple trägt dafür aber zum Teil selbst Schuld, da die ersten Intel-Macs erst für Mitte diesen Jahres angekündigt wurden. Die 6-monatige Vorverlegung der Hardware kam für die großen Softwareanbieter anscheinend doch recht überraschend.

Branchenriese Microsoft muss nach eigenen Aussagen erst einmal ein Update entwickeln, damit das aktuelle MS Office 2004 für Mac OS X fehlerfrei unter der Rosetta-Umgebung läuft. Dieses Update wird für März angekündigt. Die Entwicklung einer nativen Version ist aber erst für die nächste Mac-Version geplant, für die es aber derzeit keinen offiziellen Release-Termin gibt. Zudem hat Microsoft die Entwicklung des Windows Media Players für Mac OS X eingestellt, der bisher notwendig war um Windows Media Video- und Audio-Dateien wiederzugeben. Dazu wird jetzt in Kooperation mit Flip4Mac ein QuickTime-Plugin auf der Microsoft-Webseite bereitgestellt.

Um dem Anwender eine Art Siegel zu geben, welche Programme nun schon umgesetzt sind, wurde seitens Apples das Mac OS X Universal Logo Programm gestartet, bei dem auf beiden Plattformen laufende Applikationen ein spezielles Logo erhalten. Ein anderes Programm „belohnt“ nun die Entwickler. Beim DTK Exchange Programm können Besitzer des Developer Transition Kits den mitgelieferten aber nur geliehenen Rechner kostenlos gegen einen aktuellen iMac tauschen und diesen dann auch behalten. Dies ist insofern lohnenswert, da das DTK für 999 US-Dollar herausgegeben wurde, der neue iMac aber regulär für 1299 US-Dollar angeboten wird.

Eine weitere Fragestellung steht derzeit im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Kann man Windows (und andere Betriebssysteme) auf den neuen Macintosh-Rechnern laufen lassen. Prinzipiell sollte jedes Betriebssystem, welches die x86er-Architektur unterstützt, auf dem neuen iMac bzw dem MacBook Pro gestartet werden können. In einem Interview bestätigte der Apple-Marketing-Direktor Phil Schiller, dass man keinerlei technische Maßnahmen gegen den Betrieb von z.B. Windows auf Macintosh Computern vorgenommen hat. "Wenn es Nutzer gibt, die unsere Hardware mögen aber gezwungen sind in einer Windows Umgebung zu arbeiten, dann ist das OK." Soweit die Theorie, in der Praxis nutzt Apple auf den neuen Systemen aber nicht das veraltete BIOS (Basic Input Output System), wie die meisten herkömmlichen Pcs sondern setzt auf das Extensible Firmware Interface (EFI). Dabei handelt sich um einen hauptsächlich von Intel entwickelten Nachfolger des bisherigen BIOS, das bereits bei Intels glückloser Itanium-Reihe zum Einsatz kam. In der Wikipedia gibt es einen Überblick über die neuen Möglichkeiten von EFI. Vom System her ist EFI in etwa vergleichbar mit der bisher bei Apple genutzten OpenFirmware.

Notwendig war die Verwendung von EFI anstatt des BIOS um die bisherigen Features, wie die Boot-Device-Auswahl per Tastenkombination oder den Firewire Target Disk Mode, bei dem über ein Firewire Kabel von der Festplatte eines anderen Mac gebootet wird, beizubehalten. Derzeit unterstützt aber noch kein Windows EFI, erst das kommende Vista wird das neue System unterstützen (PDF). Im Linux-Kernel ist derzeit prinzipiell die EFI-Unterstützung schon enthalten, da es einige Server-Distributionen (Suse Enterprise Server, Red Hat Enterprise Linux, ...) gibt, die für den Betrieb auf Itanium-Plattformen gedacht sind. Diese Anpassungen müssen jetzt nur noch in die normalen Distributionen eingearbeitet werden, so dass Linux auf den Intel-Macs nichts im Wege stehen dürfte.

Schließlich gibt es noch ein paar Hintergrundinformation über die nicht ganz unproblematische Beziehung Apple-Intel. Nach einer anonymen Quelle soll es doch einige Verstimmungen zwischen den neuen Partnern geben. Angeblich hat Apple noch weitere Produkte mit Intels Core Duo Prozessor fertig, konnte die aber auf der Keynote nicht vorstellen, da Intel nicht genügend Prozessoren bereit stellt. Im 2. Quartal dieses Jahres sollen dann die eventuell "MacBook" getauften Intel-iBooks vorgestellt werden, auch in diesem Bericht werden die Auslieferverzörgerung des MacBook Pro auf fehlende Core Duo Stückzahlen zurückgeführt. Ob aus diesem Grund oder um die eigene Anhängerschaft mit dem Wechsel nicht allzu sehr vor den Kopf zu stoßen, wird es keine Logos von Intel auf Apple Produkten geben, selbst auf der Homepage von Apple wurde ein eigenes "Core Duo"-Logo eingeführt.

Ebenfalls ohne inhaltliche Mitwirkung Intels ist der Werbespot entstanden, bei dem die Intel Prozessoren bisher "gefangen in PCs - langweiligen, kleinen Boxen, die treu langweilige, kleine Aufgaben erledigten" und nun von Apple befreit wurden. Von Intel folgte so gleich ein Dementi, man würde die eigenen Kunden nie so charakterisieren. Zum Abschluß noch etwas neues aus der Geschichte von Apple. So standen Sun und Apple sechs Mal vor einer Zusammenarbeit, davon war einmal sogar die Übernahme seitens Sun und zweimal die Fusion der beiden Computer-Hersteller im Gespräch.
[ch]




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