
Samstag, den 24. Februar 2007
|
|
|
Das endgültige Ende für BenQ Mobile
Nach wochenlangem Ringen um Investoren, die möglicherweise den Handy-Hersteller übernehmen könnten, ist nun auch der letzte Interessent abgesprungen. Die Zerschlagung des Unternehmens mit einem Sachwert von rund 330 Millionen Euro steht damit unmittelbar bevor. Die Verbindlichkeiten von über 800 Millionen Euro werden aus den Erlösen wohl nicht zu decken sein, sodass viele Gläubiger auf einem erheblichen Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben werden. Auch für die ehemals rund 3000 Mitarbeiter ist damit geklärt, dass es im Werk von BenQ Mobile auf absehbare Zeit keine Zukunft geben wird. Sie hatten schon Ende Januar den Produktionsstillstand beweint und sich mit Blumen von den Kollegen verabschiedet. Einige wurde zwar schon im Laufe des vergangenen Jahres von anderen Arbeitgebern wie etwa Siemens übernommen, doch wer bis jetzt noch keine neue Arbeit gefunden hat, blickt zunächst der gefürchteten Arbeitslosigkeit ins Auge. Ein Rückblick.
Damit neigt sich ein Prozess dem Ende entgegen, der eigentlich hatte so gut beginnen sollen. Mitte 2005 hatte der Elektronikriese Siemens seine Handy-Sparte mit damals 6000 Mitarbeitern inklusive zusätzlicher Mitgift an die taiwanische Konkurrenz BenQ übergeben, für die Siemens BenQ-Anteile im Wert von rund 50 Millionen Euro erhalten hatte. Zusätzlich hatte Siemens sich zu Zahlungen von insgesamt rund 700 Millionen Euro verpflichtet, die neben Werbung und Plattformumstellung die Transferkosten für die Sparte abdecken sollten. BenQ hatte die Übernahme der Sparte, die am Tag fast eine Million Euro Verlust verursachte, freudestrahlend gefeiert und kündigte für 2006 Produktionskapazitäten von rund 50 Millionen Handies an. Der Erfolg mit dem traditionsträchtigen deutschen Namen schien gewiss.
Doch schon wenig später stellte sich heraus, dass diese Stückzahlen wohl nicht erreichbar sein würden. Zugleich vermehrten sich Gerüchte über einen Wachsenden Schuldenberg des deutschen Handy-Herstellers auf bis zu 880 Millionen Euro. Schrittweise reduzierte man die Erwartungen, bis fast ein Jahr später schließlich der taiwanische Mutterkonzern die Zahlungen an seine deutsche Tochter einstellte. BenQ Mobile war zahlungsunfähig.
Rettungsversuche und Hilfestellung von Siemens halfen den Mitarbeitern recht wenig. Ausgleichszahlungen und Auffanggesellschaften federten ärgste Schläge, doch insgesamt konnten sich beide Konzerne den Vorwürfen des bösen Spiels nicht erwehren. Siemens soll die ungeliebte Tochter abgeschoben haben, um sich auf diesem Weg problemlos von Sozialforderungen seiner Mitarbeiter zu befreien. BenQ blieb die Position als Handlanger des Teufels, der die Pläne schließlich in die Tat umsetzte. Selbst jetzt lassen sich die Vertragbedingungen anders erklären, nach denen Siemens seine Sparte fast verschenkt hat, ja für den Verkauf sogar noch Geld oben auf gelegt hat, das rein zufällig genau reichte, um den ständigen Verlust des Herstellers für rund ein Jahr auszugleichen. Siemens als unwissendes Opfer?
Fakt ist, niemand weiß wirklich, was passiert ist. Welche Absprachen getroffen worden sind. Jeder mag sich seinen Teil denken, niemand kann etwas beweisen. Im Endeffekt sind beide Unternehmen mit einem blauen Auge davon gekommen. BenQ mit Image-Verlust in Deutschland und bei Siemens konnte diese Katastrophe für die BenQ-Mobile-Mitarbeiter neben den anderen Skandalen auch nicht mehr recht für Wirbel sorgen. Doch in vielleicht schon einem halben Jahr, wird sich niemand mehr an diesen Vorfall erinnern. Die Menschen vergessen schnell. [rl]
Weitere Schlagzeilen | 
|