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  Nokia nicht gesprächsbereit

Wirtschaft | 18.01.2008, 00:28
Drei Tage ist es her, dass Nokia bekannt gab, es werde das Handy-Werk in Bochum aus Kostengründen schließen. Doch selten hat eine derartige Bekanntmachung so schnell und so viele Reaktionen hervorgerufen. Einer der heftigsten Reaktionen war sicherlich die Bezeichnung Nokias als "Subventionsheuschrecke". Doch diese Reaktionen sind durchaus verständlich, neben den 2300 Angestellten im Nokia Werk sind auch Angestellte der Zulieferer betroffen, so dass insgesamt mit einem Verlust von über 4000 Arbeitsplätzen gerechnet werden muss.

Das ist auch der Grund warum Jürgen Rüttgers derzeit Gespräche mit dem finnischen Handy Hersteller sucht. Rückendeckung bekam er von der Bundesregierung, die sich ebenfalls an den Gesprächen beteiligen will. Doch Nokia sieht dafür keinen Bedarf. Wie über die dpa zu erfahren ist, sei die Schließung des Werkes in Bochum für Nokia bereits beschlossene Sache. Ferner betonte Nokia, dass diese Entscheidung vorher reichlich durchdacht habe. Weiterhin wies man die Vorwürfe des Subventionsbetrugs entschieden zurück. Der Konzern hätte knapp 55 Millionen Euro an Subventionen bekommen um aus der TV-Fabrik eine Handy-Fabrik zu machen und dies habe man getan. Interessanter Weise spricht die Politik von rund 88 Millionen Euro Subventionsgeldern. Schließlich erklärte Nokia noch, dass man zu einem späteren Zeitpunkt bereit wäre, die Gründe der Schließung näher darlegen zu wollen.

Die einzigen Gespräche zu denen Nokia zur Zeit bereit ist, sind Gespräche über einen Sozialplan für die Angestellten. Doch davon will die IG-Metall wiederum nichts wissen. Sie wolle mit der Konzernspitze über den Erhalt des Werkes reden, wenn dies nicht geschehe, so werde man spontan die Arbeit vollständig niederlegen. Unterstützung erhalten die Beschaftigten vor allem von den benachbarten Opelanern. Diese waren bereits am Mittwoch zu Nokia gestoßen und betonten auch weiterhin ihre Unterstützung um Kampf um den Standort Bochum.

Unterdessen macht sich neuer Unmut in Form von "Nokia Village" breit. Das kleine rumänische Dorf Jucu hat nämlich einen Industriepark gebaut. Dieser Industriepark wird zu ca. 57 Prozent von Nokia bezogen und soll hauptsächlich als Produktionsstätte für Handys dienen. Der Rest des Parks wird größtenteils durch Nokia-Zulieferer belegt. Die Produktion soll bereits im Februar anlaufen. Das knapp 4000-Seelen-Dorf erlebt damit einen zweiten Frühling. Rund 3500 Beschäftigte will alleine Nokia bis 2009 einstellen. Insgesamt rechnet die Region mit etwa 15.000 Arbeitsstellen. Der Vorteil von "Nokia Village" liegt auf der Hand, denn mit 170 – 238 Euro liegen die Gehälter, die Nokia dort zahlen will, nicht nur deutlich unter dem Schnitt in Deutschland, sondern auch unter dem Rumäniens.

Dennoch ist Landrat Marius Nicoara sehr erfreut über die Ansiedlung Nokias, schließlich hat man in den letzten zwei Jahren 30 Millionen in den Standort Jucu investiert, diese sollen sich jetzt auszahlen. Auch betonte Nicoara, dass dies nicht durch Fördermittel der EU geschehen sei. Diese Aussage wurde von der EU gleichzeitig bestätigt und verneint. Während eine schnelle Pressemitteilung Subventionen des Standortes Jucu verneinte, bestätigte eine Sprecherin von EU-Regionalkommissarin Danuta Hübner sie wiederum.

Um Subventionen geht es auch bei der Diskussion die jetzt in der Politik und bei den Ökonomen entbrennt. Schon lange fordern Ökonomen eine langfristige Standortzusage, wenn es um die Verteilung von Bundesfördermittel geht und es scheint als seien sich in diesem Punkt jetzt auch die Politiker einmal einig. Wenn auch die Schließung des Nokia-Werks in Bochum schlimme Konsequenzen, vor allem für die Beschäftigten, haben wird, so bleibt doch wenigstens zu hoffen, dass man daraus etwas gelernt hat und die Bindung an Standorten zu einem entscheiden Kriterium für die Vergabe von Subventionen macht.

Letzten Endes lässt sich trotz den Bemühungen der Politik derzeit nur eine Ableitung aus den aktuellen Ereignissen ziehen: Nokias Entscheidung scheint nicht abzuwenden zu sein.
Autor: Daniel

[pg]

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