Die CeBIT 2008 ist zuende und es gilt Bilanz zu ziehen. Wie nicht anders zu erwarten, hat die Messeleitung nur positives in ihrer
Bilanz zu berichten. Dass sich Spitzenaussteller wie AMD, NVIDIA, Nokia, SiS, VIA und viele mehr zurückgezogen haben und falls überhaupt noch anwesend, nur noch an "Partnerständen", darüber spricht die Messe nicht. Es bleibt bei der alten Sichtweise: "das Glas ist entweder halb voll, oder halb leer". Und so kann man von dem Fazit der Messeleitung natürlich nur erwarten, dass das Glas "halb voll ist". Alles ist erklärbar, natürlich auch die rückläufigen
Austellerzahlen. Doch die Besucherzahlen, die sind gestiegen.
So zumindest die Messe, welche ausführt, dass man mit dem neuen Konzept die Besucherzahlen in diesem Jahr, trotz einem Tag kürzerer Messe, auf 495.000 von 480.000 Besuchern im Vorjahr steigern konnte. Und ungeachtet der geschwundenen Ausstellerzahlen, welche von 6153 Austellern 2007 auf 5845 Austeller aktuell gesunken ist, ergözt man sich an dem neuen Konzept. Die kleinere Austellungsfläche der diesjährigen Messe wird fast schon als positiv mit in die Betrachtung gezogen - na, zumindest waren die Wege kürzer ;). Letzteres mag allerdings nur den Füssen des Journalisten zu Gute gekommen sein. Dass die Haupthalle 1 - die größte Halle der Messe in diesem Jahr leer blieb ist auch sekundär, denn man hat nach den Bekundungen die "Feuerprobe" bestanden.
Freikarten retten die Bilanz?
So rein in Mitten des Geschehens konnten wir positive Anmerkungen der Aussteller nicht bemerken. Natürlich, selten gab man sich - über die allgemeine Preisgestaltung hinaus - negativ, doch die Quintessenz ist genau dieser Punkt. Freikarten ist das Geheimnis der Besucher. Bei der diesjährigen Messe erklärte uns ein Hersteller, dass er erst zu spät im Kleingedruckten wahrgenommen habe, dass ihm 4000 Freikarten für den Erwerb seines Messestandes zustanden. Ein kleinerer Austeller mit ca. 15 qm Standfläche gab an, dass er im Preis gleich 1500 Freikarten inne hatte.
Darüber kam einerseits Missmut auf, da man in der einen oder anderen Form dafür gezahlt hatte - sicherlich deutlich günstiger als knapp 40 Euro pro reguläres Ticket. Andererseits lässt sich die Zahl auch schnell hochsummieren. Noch nie waren wir an einem Mittwoch auf der CeBIT-Messe so von einer Besuchervielzahl überrascht worden. An einem Stand teilte man uns mit, dass die Schüler freibekommen hätten um die Messe besuchen zu können. Ein schnelles Durchkommen durch die Hallen war nur noch über die schlecht besuchten Außenstände möglich.
Freikarten gab es in diesem Jahr offenbar in Hülle und Fülle und wir waren überrascht, wie einfach man solche Tickets bekommen konnte. Keiner der Aussteller bestritt, dass es bislang noch kein Jahr gab in welchem man über soviele Frei-Tickets verfügte. Hochgerechnet dürften wir sicherlich von 100.000 Karten sprechen. Wie sehr sich in dieser Rechenaufgabe die Angabe der Besucherzahlen relativieren, das überlassen wir jedem selbst. Langjährige Insider sprechen davon, dass die Karten in vergangenen Jahren nur besser verdeckt waren, doch dieses Jahr legte die CeBIT offenbar sehr großen wert auf eine positive Bilanz.
Journalisten im Kampf gegen Windmühlen
Die positive Bilanz ist gelungen und auch wir müssen gestehen, dass wir kaum einen Hersteller antrafen, welcher von Beginn an einen neuen Besuch im kommenden Jahr verneinte. Doch auch das müssen wir vorsichtig darstellen, denn wer weiß wie es um die finanzielle Situation beim einen oder anderen kommendes Jahr bestimmt ist. Dennoch, auch wir können kein negatives Fazit, abgesehen von den immensen Kosten (die jährlich steigen) ziehen. Obwohl die Messe einen Tag kürzer ausgelegt war, befanden wir uns einen Tag länger auf dem Gelände und wir können mit den
Geschehnissen allgemein nur ein positives Feedback ziehen - zumindest für uns. Und obgleich die Messe der
GamesCom 2009 erst einmal in Köln höchst interessant wird, dürfte es dabei bleiben, dass die CeBIT 2009 auch weiterhin die größte Computermesse des kommenden Jahres wird. Man steckt möglicherweise auch in alten Schuhen - zu hören bei manchen Ausstellern. Gewohnheitstiere, solange der Wassertrog eben noch vorhanden ist.
Wir als Online-Magazin fühlten uns in diesem Jahr allerdings erneut etwas schlecht behandelt. Weiterhin ist die Messe darauf bedacht mit Freikarten ihre Besucherrekorde zu brechen, während namhafte Magazine wie das unsere um Eintrittskarten zum Pressezentrum kämpfen muss. Eine Eintrittskarte zum Pressezentrum ist für uns aber unerlässlich. denn sonst könnten wir ja aktuell keine Live-Werbung für uns, aber auch indirekt für die Messe machen. Und obgleich wir der Messeleitung in diesem Jahr für unsere Teilnehmer die offiziellen Presseausweise der entsprechenden Journalistenverbände schickten, erhielten wir im Vergleich zu den Jahren davor, lediglich Ausweise mit dem Aufdruck
"Online-Medium". Schlimmer noch schien es Medien zu gehen, welche keine offiziellen Ausweise einschickten. Diese bekamen, wenn überhaupt, einen Ausweis mit einer blauen Farbgebung für "Presse". Abgestempelt als Journalisten zweiter Klasse mag man sofort deuten. Aber auch die "Blauen" rannten und hatten Termine, waren so fleissig wie nur irgend ging und machten eben ihren Job.
Andere wiederum, auch Online-Portale (aber nur deutsche Magazine), berichteten uns über den üblichen Hickhack bei der Akkreditierung. "Online-Medien bekommen nur drei Ausweise!". Seit Jahren hören wir so ein Blech. Schließlich sind wir ja keine "Vollredaktion" - was auch immer das für die Messe heißen mag. Nichts desto trotz kam die Messe nicht umhin uns wegen der offiziellen Presseausweise mit fünf Messeausweisen auszustatten. Andere Magazine berichteten, dass man "nur die Zahlen geschickt habe" und danach ausreichend Ausweise bekommen habe. Die Messeleitung ist und bleibt in diesem Punkt ein Ding für sich. Offenbar hat dort noch niemand erkannt, dass die journalistische Tätigkeit die Frage des Seins bestimmt. Wenn keiner mehr über die Messe berichtet, wird sie an Bedeutung verlieren. Doch dieser Umstand wird sich auch im kommenden Jahr nicht ändern, da sind wir derzeit recht sicher. Die alten Zöpfe bleiben, zumindest solange bis wirklich Konkurrenz auftritt. Die könnte ein erstes Anzeichen durch die GamesCom 2009 sein, diese Konkurrenz ist deutlich spürbar in Form der Computex.
Oh Hannover, die Stunde hat geschlagen. Man möge das erkennen und umsetzen, bevor die weltgrößte Computermesse nicht mehr in Deutschland stattfindet. Und nur mit Freikarten, lässt sich die Bilanz dauerhaft leider nicht richten.