In der Vergangenheit sind immer wieder Tipps aufgetaucht, wie man vermeintliche Beschränkungen seiner Hardware aufheben kann. Oft funktionierten diese auch, oft aber leider auch nicht. Heute ist nun angeblich ein Trick aufgetaucht wie man aus einem AMD Phenom II X3 einen vollwertigen Vierkernprozessor machen kann, ganz ohne Veränderung an der Hardware.
Auf der Seite playwares erklärt man nun wie bei einem Phenom II X3 der deaktivierte vierte Kern angeblich genutzt werden kann. Dazu soll es laut der Berichterstattung genügen, wenn man ein Mainboard mit der neusten Southbridge SB750 von AMD besitzt, welches im BIOS die Option für die Advanced Clock Calibration besitzt. Diese ist Herstellerseitig auf Disabeld gesetzt. Setzt man diese Option auf "Auto", so sollen ab dem folgenden Reboot vier Kerne vorhanden sein. Bei playware verwendete man für den Nachweis einen Phenom II X3 710 sowie das TA790GX Mainboard von Biostar.
Bereits der Inhalt der Meldung erscheint fragwürdig und lässt einen Grübeln ob AMD tatsächlich so eine Hintertür im Scheunentor-Format offen gelassen hat und die Zweifel mehren sich bei der Betrachtung der Bilder auf der Webseite. So erkennt das BIOS die "neue" CPU als Phenom II X4 10, den es jedoch gar nicht gibt. Üblicherweise kennzeichnet ein BIOS einen unbekannten Prozessor mit "unknown" oder etwas Vergleichbarem. Zudem gibt es auch keine eindeutigen Hinweise die gegen eine Arbeit mit Photoshop oder einem ähnlichen Programm sprechen.
Wir haben uns darum heute die Mühe gemacht und diesen "Workaround" auf vier unterschiedlichen Platinen ausprobiert. Zum Einsatz kamen dabei folgende Motherboards
ASUS M4A78T-E
Gigabyte MA790GP-DS4H
Gigabyte MA790FXT-UD5P
MSI DKA790GX Platinum
Bei den Gigabyte Boards bedurfte es im Hauptmenü des BIOS der Tastenkombination "Strg*F1", damit die Advanced Clock Calibration überhaupt freigelegt wurde. Dennoch war es bei keinem der Mainboards in Verbindung mit einem Phenom II X3 720BE möglich, den vierten Kern unter Windows Leben einzuhauchen.
Weder die Option Auto, noch die anderen vorhandenen Optionen wie "per Core" sorgten dafür, dass das System 4, statt der üblichen 3 Kerne erkannte. Das ASUS-Board machte uns bei den versuchen dabei auch vollends einen Strich durch die Rechnung, denn sobald die Option Advanced Clock Calibration aktiviert wurde, bootete das Board nicht mehr.
Interessanterweise zeigten aber alle vier Kandidaten im BIOS, bei der Wahl der Option "per Core" vier Kerne an, bei welchen die Clock Calibration einzeln eingestellt werden könnte.
Nach den heutigen Erfahrungen müssen wir also die Euphorie um diese Meldung etwas bremsen und man sollte die Informationen mit Vorsicht genießen. Gänzlich als "unmöglich" können wir das Ganze aber nicht abtun, da wir lediglich mit einer CPU und vier Motherboards diese Tests angestellt haben – es bleibt für uns eben die Frage, warum sich aber diese vier Platinen anders verhalten sollten, als das BIOSTAR-Motherboard, mit welchem die Aktivierung des vierten Kerns angeblich gelang.
Update: 16:21 Uhr – Es geht wohl doch
Wie es scheint kann man diesen Trick nicht mit jedem Phenom II X3 anwenden. Wie weitere Quellen schreiben, muss es sich bei der CPU um eine aus der vierten Kalenderwoche des Jahres 2009 handeln. Das Herstellungsdatum erkannt man an den letzten vier Ziffern in der zweiten Zeile unterhalb des Phenom-Logos auf dem Heatspreader der CPU. Die ersten beiden stehen für das Jahr, die beiden anderen für die Kalenderwoche. Unser Prozessor stammt leider noch aus dem vergangenen Jahr, sodass der Trick bei uns folglich auch nicht funktionierte.
Da zudem nun immer mehr Leute das Phänomen nachvollzogen haben, ist davon auszugehen, dass der Trick tatsächlich funktioniert und AMD hier ungewollt eine Serie Prozessoren mit einem nur scheinbar deaktivierten Kern auf den Markt gebracht hat. Dennoch bleiben obige Anmerkungen zur Systemstabilität selbstverständlich erhalten. [fo]