Viele kennen Twitter, einige nutzen es und noch weniger können sich vorstellen, wie man damit auch noch Geld verdienen kann. Der weltweit zweitgrößte Computerhersteller Dell hat nun Berichten zufolge in den letzten zwei Jahren rund drei Millionen US-Dollar über Twitter eingenommen. Branchenkenner sehen nun plötzlich Chancen für das große Twitter-Geschäft nach dem Motto "Twitter dich reich".
Dell teilte mit, dass man die Umsätze über Twitter durch treue Kundschaft erzielt habe, die dort neue Angebote diskutieren. "Follower" - die Leser eines Twitter-Schreiberlings - kaufen diese Produkte schließlich. Was hier allerdings branchenweit als Sensation gefeiert wird, ist bei genauer Betrachtung klassisches Empfehlungsmarketing, wie es über Internet-Foren, Webseiten und Mund-zu-Mund-Propaganda ebenfalls funktioniert.
Insgesamt erwirtschaftete Dell allein im vierten Quartal 2008 einen Gewinn von über 350 Millionen US-Dollar. Im Schnitt flossen die letzten zwei Jahre Gewinne von 6 Milliarden US-Dollar in Dells Kasse. Der Twitter-Umsatz erreicht damit also gerade einmal einen Anteil von 0,05 Prozent vom Gewinn über den Zeitraum.
Web 2.0 als Marketing-Instrument
Hoffnung macht sich die Web-2.0-Gemeinde aufgrund der großen Wachstumschancen dieser Zahlen. Sie könnten die Grundlage darstellen, dass die Betreiber von Twitter überhaupt einmal Geld verdienen. Bisher wanderten die Umsätze von Dell allerdings an Twitter vorbei. Das logische Ergebnis wäre eine ebenfalls nicht neue Provision für Twitter, etwa auf Verkäufe, Umsätze oder nach Zahl der Nutzer, die durch Twitter zum Dell-Shop gelangen. Damit bewegt sich Twitter aber wieder zum klassischen Werbemarkt, nur dass die Werbung nicht als Banner auf der Seite geschaltet ist, sondern gut versteckt in der Meinung von Dell-Kunden.
Dass aber nicht alle Schreiber, die über Produkte berichten, unabhängig sein müssen, zeigen Beispiele anderer Unternehmen. Sie bezahlen Mitarbeiter dafür, dass sie in Communities wie Foren oder Blogs positive Stimmung zu Produkten verbreiten und dadurch Käufer beeinflussen.
Direkten Kontakt zu den Kunden wagen
Dass das Beispiel Twitter nun plötzlich für den Werbemarkt so große Relevanz hat, kann man wohl ebenfalls einem guten Marketing-Schachzug zuschreiben. Stellt man sich die Frage, was Dell über Werbung in TV, Zeitung oder durch persönliche Gespräche von Freunden an Umsatz generiert, dürfte die Antwort weniger klar ausfallen. Problem ist, dass die Erfolgsrate hier deutlich schlechter messbar ist und nur ungenau über statistische Vergleiche ermittelt werden kann.
Langfristig dürften Blogs, Twitter und Foren für Unternehmen viel weniger aus reiner Werbesicht interessant sein. Vielmehr spielen sie eine wachsende Rolle in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden. Niemals zuvor hatten beide Seiten so einfach die Möglichkeit, direkt miteinander zu sprechen, um Vorstellungen, Wünsche und Eindrücke auszutauschen.
[rl]