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Killerspiele bald verbotener Profi-Sport? - Die EPS Season 14 geht zu Ende

Software | 16.06.2009, 10:14
Erst Anfang diesen Monats wurde wieder einmal die Jagd auf die sogenannten "Killerspiele" eröffnet. Dabei haben die Innenminister der Bundesländer auf der Innenministerkonferenz in Bremerhaven beschlossen, dass Spiele verboten werden sollen, die das Töten "wirklichkeitsnah" darstellen. Was sich im ersten Moment wie ein großer Schritt anhört, hat zumindest zur Zeit keinerlei Auswirkung, denn ein solcher Beschluss hat keine Rechtskraft. Dennoch wird wieder einmal das düstere Bild des Computer-Spielers gemalt.

Zwei verschiedene Bilder


Doch genau dieses Bild von einem einsamen Kind in einem dunklen Raum, schummrig beleuchtet von einem Monitor hat die breite Masse im Kopf, wenn sie den Begriff "Killerspiele" hört. Da wirkt es schon fast ironisch, wenn am vergangenen Wochenende die Electronic Sports League (ESL) zum 14. Mal zu den Final-Spielen aufruft, welche diesmal in Köln stattfanden. Schon die Besucherzahlen machen deutlich: von Einsamkeit kann man hier wahrlich nicht mehr reden. Insgesamt kamen rund 4750 Anhänger des eSports zu dem Event in Köln, welches damit so manches Regionalliga Fußballspiel übertroffen haben dürfte.

Neben FIFA 09 und dem allseits beliebten Warcraft 3 gehörten vor allem auch die beiden Versionen Counter Strike und Counter Strike: Source zu den Hauptveranstaltungen. Gerade Counter Strike, egal in welcher Version, wird regelmäßig mit Szenen im Hintergrund präsentiert, wenn man über die negativen Eigenschaften eines "Killerspiels" berichtet. Doch gehört gerade Counter Strike eben nicht in diese Kategorie.

Dies wird besonders deutlich, wenn man sich die Szenerie in Köln anschaut. Im Publikum sitzen neben neugierigen, potenziellen Gegnern vor allem Fans und interessierte eSportler, vorrangig der jüngeren Generation, welche nicht einen Platz unbesetzt lassen. Die Blicke sind auf die Bühne gerichtet, wo gerade noch Vorbereitungen für das anstehende Spiel getroffen werden. Darüber sieht man auf einer Großbild-Leinwand einen der Kommentatoren, welcher sich gerade mit den beiden Team-Organisatoren über die Maps (Spielkarten), die Vorbereitungen und die Taktiken unterhält. Es ist ein echte Sportveranstaltung mit einem VIP-Bereich für die Spieler, Schiedsrichtern und Unmengen an Personal.

Bild: Killerspiele bald verbotener Profi-Sport? - Die EPS Season 14 geht zu Ende


Doch die Mehrheit der Kritiker kennen diese Bilder nicht. Sie kennen nur einzelne aus dem Zusammenhang gerissene Szenen von Spielen. Ohne Weiteres gibt es Spiele, deren Inhalte auch unter Kennern der Szene fragwürdig anmuten und deren Spielziel eher zweifelhaft ist. Doch die Pauschalisierung des Begriffs "Killerspiel" führt dazu, dass man eine Szene, vielleicht sogar eine Generation, aber vor allem auch Teile eines Wirtschaftszweigs im falschem Licht darstellt.

Wirtschaftszweig eSport


Im eSport – und damit auch in den sogenannten "Killerspielen" – steckt einiges an wirtschaftlichen Potenzial, wie schon die Sponsoren der ESL Pro Series (EPS) deutlich machen. Dahinter stehen Namen wie Intel, ASUS, bitdefender oder Sennheiser. Auch Nokia oder Adidas sind auf einem solchen Event zu finden und am Eingang wirbt Suzuki. Das alles nicht ohne Grund, denn insgesamt wurden am vergangenen Wochenende 130000 Euro an Preisgeldern ausgespielt. So bekam der Erstplatzierte der Counter Strike Ladder mousesports 10000 Euro. mTw bekamt als Sieger der Counter Strike: Source Ladder immerhin 4000 Euro und Daniel "XLorD" Spenst bekam als Gewinner der Warcraft 3 Ladder satte 3500 Euro.

Bild: Killerspiele bald verbotener Profi-Sport? - Die EPS Season 14 geht zu Ende


Es kann also eigentlich nicht im Interesse der Politik und der Wirtschaft liegen diese Form der Computerspiele zu verbieten. Aber worauf zielt man dann ab? Natürlich zeigt die EPS nur die Spitze der Szene – die Mehrheit der Gamer sitzt zu Hause vor dem Rechner. Doch ist er dabei nicht wirklich allein. Die Clanstrukturen sind nicht nur lose Verbindungen, sondern wachsen immer wieder zu Freundschaften heran die auch außerhalb des Spiels ein Fundament haben. Es ist der Bekannte mit dem man früher Fußball spielen war. Heute ist dieser deutlich weiter entfernt und der Treffpunkt ist nicht mehr der nächste Ascheplatz oder Park sondern der Mumble, TeamSpeak oder Ventrilo-Server.

So drängt sich zusammenfassend die Frage auf, was ein solcher Vorstoß der Innenminister eigentlich bezwecken soll. Denn das "wirklichkeitsnahe Töten" sieht man wahrscheinlich im neusten Terminator-Streifen eher, als auf den Servern der ESL, wo sich das Modell hinlegt und die Arme über den Kopf schlägt. Doch auch Wahlkampf erscheint trotz des Super-Wahl-Jahrs recht unwahrscheinlich, denn es ist kein alleiniger Vorstoß sondern ein Beschluss der verschiedenen Minister, welche zudem den unterschiedlichsten Parteien angehören. Viel mehr sieht es mal wieder nach einem Versuch aus, einen schuldigen zu finden. Alles was fremd ist kann auch nicht richtig sein. In jedem Fall sind solche Vorstöße nicht auf sicheren Wissen aufgebaut, dies zeigen schon die verschiedenen Studien in der Vergangenheit.

Doch das Verständnis der breiten Medien ändert sich langsam, dies zeigt unter anderem auch die Anwesenheit von N24 bei den EPS Finals in Köln. Alles braucht eben etwas Zeit um sich zu etablieren, weshalb man sich wohl nicht ständig über provozierende Vorstöße ärgern sollte, sondern stattdessen mit den Siegern feiern müsste.

Diesen wollen wir an dieser Stelle auch im Namen von HT4U.net herzlichst gratulieren:

PlatzCounter StrikeCS:SourceWarcraft 3FIFA 09
ErstermousesportsmTwXlorDhoorai
ZweiterTeam AlternatehooraidArknGize
Drittern!facultyTeam AlternateS.o.K.o.L.pod
Vierterydk.meTeam ThermaltakeHLACompeto


AuszeichnungenCounter StrikeCS:SourceFIFA 09
Most Valuable PlayerRoman 'roman' AussendorferJulian 'JLN' StempelJannik 'Era' Huber
Most Improved PlayerDirenc 'seraph' ÖzPatrick 'KRAEUTERHUMPEN' JakobiJan 'zoOky' Stuber
Rookie of the SeasonWolfgang 'tankJr' MaurerChristopher 'crovex' MückTorsten 'erDi' Beer
Manager of the SeasonDaniel 'chillkroete' SchöneckMarek 'eSca' GiebelSwen 'DraGstAr' Seiz


[dk]







Stichworte zur Meldung: Computer Spiele Recht Verbot Final Counter Eps Strike Killerspiele Esl Killer Sport
 
5 Kommentare

Re: [News] Killerspiele bald verbotener Profi-Sport? - Die EPS Season 14 geht zu Ende

Sleepwalker
(vom 16.06.2009 um 15:17)

Die Esportler können die Politiker dann wegen Verdienstentgang klagen :D

Ich find allein die Diskussion um das Verbot von Spielen lächerlich.

Es wird als Grundlage die Tat eines gestörten Menschen hergenommen, der zufällig ein Spiel zuhause hatte, dann mal kurz aufbauschen und schon haben wir den Schuldigen. Nicht die Eltern, die den Zugang zu Waffen möglich gemacht haben, nicht die Waffe, ohne die solche Taten garnicht möglich wären...., nicht der psychische Zustand des Täters und schongarnicht die Erziehung sind Schuld.... NEIN, das Spiel ist Schuld! LOL! 

Wer soetwas allen Ernstes behauptet und aufgrund dessen auch noch ein Gesetz zum Verbot von Spielen dursetzen möchte, der ist imho nicht ernst zu nehmen.

Solche Politiker sollte entmündigt werden, weil sie unzurechnungsfähig sind!

Genau für solche Fälle benötigen wir eine Möglichkeit Politiker zu kündigen.... Die machen was sie wollen und keiner kann denen etwas. Solange diese Privilegien weiter vorhanden sind, wird alles noch viel schlechter werden.

Re: [News] Killerspiele bald verbotener Profi-Sport? - Die EPS Season 14 geht zu Ende

Dennis
(vom 16.06.2009 um 15:59)

Diese ganze Diskussion ist nicht ernst zu nehmen...

Von mir aus sollen se das verbieten, ich kauf meine games eh alle nur noch in England. Denn spätestens beim Importverbot werden dann sicherlich auch die Hersteller so langsam mal fragen ob unsere Jungs denn noch ganz sauber in der Birne sind.

Re: [News] Killerspiele bald verbotener Profi-Sport? - Die EPS Season 14 geht zu Ende

Sleepwalker
(vom 17.06.2009 um 09:26)

Ich würde es ernst nehmen, wenn ich Deutscher wäre... Schliesslich sind die drauf und dran es durchzusetzen. Wenn ihr euch jetzt nicht wehrt, dann wird man es euch einfach vorsetzen und das will sicher kein Spieler.

Themen wie Spielesucht ("Sucht" ist imho das Unwort der heutigen Zeit, weil man es heutzutage nach jedem Hobby anhängt), werden auch hier am Rande erwähnt, aber zum Glück scheint bei unserem letzten Amokläufer (in einem Kindergarten :()keiner nach Spielen gesucht zu haben, um das Thema Spieleverbot aufzuwerfen.

Re: [News] Killerspiele bald verbotener Profi-Sport? - Die EPS Season 14 geht zu Ende

Daniel
(vom 17.06.2009 um 10:51)



Nein, tut mir Leid aber ich muss dir da ganz klar widersprechen. Dieser tolle Beschluss der Innenminister ist nichts wert. Das ist so als würde man sich für nächste Woche ventuell zum Fussball verabreden. - Ja, mal gucken. - Meiner Meinung nach bettelt man hier nur um Aufmerksamkeit, damit das Volk sieht, man tut was.

Ähnliche Bilder sieht man ständig, beispielsweise als die ganzen Fälle mit toten und vernachlässigten Kindern aufkamen, da stellten sich einige Politiker hin und redeten davon, den Kinderschutz in die Verfassung zu schreiben. Kommt aber nicht, wird auch nicht kommen, ist auch nicht notwendig. Aber die Masse war beruhigt, denn dadurch sahen sie das interesse etwas zu tun. Mittlerweile versucht man den Kindesschutz durch Gesetze voran zu treiben, interessanter Weise entsteht raus gerade wieder ein Koalitions-Streit.

Konkret wird so etwas meiner Meinung nach erst, wenn die Regierung oder eine Fraktion oder sonst wer, einen entsprechenden Gesetzesentwurf ins Gremium wirft, denn dann muss darüber geredet werden. Was aber noch lange nicht heisst, dass dieser dann durch kommt. Aber dann hat man auch die Möglichkeit Einspruch zu erheben, nottfalls über das Verfassungsgericht. Ich denke nicht, dss es soweit kommt, denn ich glaube so langsam öffnen sich hier Türen.

Re: [News] Killerspiele bald verbotener Profi-Sport? - Die EPS Season 14 geht zu Ende

Philipp
(vom 17.06.2009 um 21:11)

Das mit dem Kinderschutz war mindestens genauso grotesk wie die Kinderpornogeschichte. *Wort ähnelt sich - interessant*
Folgt man der damaligen Logik wären demzufolge Kinder keine Menschen, weil Menschen ja schon durch das Grundgesetz geschützt sind.