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 Online-Redaktion der Netzeitung weicht News-Robotern

Internet | 09.11.2009, 06:14
Die Netzeitung hatte eigentlich das Ziel, sich als große Tageszeitung im Internet zu etablieren – doch nach fast 10 Jahren gibt das Unternehmen als Teil der Mediengruppe DuMont auf. Den zwölf beschäftigten Redakteuren wurde zum Jahresende gekündigt. Anschließend wolle man die Netzeitung als automatisiertes Nachrichtenportal weiterbetreiben. Journalismus weicht Automatismus.

Die Signale für diesen Schritt könnten trauriger nicht sein. Einerseits wächst der Frust über Einheitsjournalismus – andererseits werden redaktionelle Angebote Schritt für Schritt ausgemustert, weil sie den Unternehmen zu teuer sind.

In der "Realwelt" kämpfen vor allem Lokalzeitungen schon lange mit diseem Problem – doch auch große Medienhäuser sahen in den Online-Angeboten böse Konkurrenten, die nichts kosten und die gedruckten Zeitungen und Zeitschriften vom Markt verdrängen.

Bild: Online-Redaktion der Netzeitung weicht News-Robotern


Dabei funktioniert das Konzept im Internet wie in der Realwelt gleich: Zeitungen finanzieren sich durch Werbung. Die einzige Information, die bisher direkt bezahlt wird, lässt sich in Büchern finden – dort leben Autoren, Druckereien und Verlage nahezu ausschließlich vom Verkaufserlös der Bücher – die Konsequenz? Fachbücher mit geringen Auflagen schlagen schnell mit 50 bis 100 Euro zu Buche.

Nirgendwo wird klarer als bei Fachbüchern, dass Information nicht "kostenlos" ist. Spezialisten und Mitarbeiter wollen bezahlt werden. Monatelange Recherchen kosten Zeit und Geld.

Information darf nichts kosten – doch was ist sie dann wert?


Auch Artikel im Internet müssen entsprechend gegenfinanziert werden. Wenn nun große Online-Zeitschriften ihr Angebot von eigener Recherche auf "automatisierte Newsportale" umstellen, muss klar eine einzige Frage beantwortet werden: Wer schreibt denn die Nachrichten, die automatisiert zur Verfügung gestellt werden?

Offenbar denkt man, dass man nur die kostenlosen Informationen im Netz einzusammeln braucht und diese dann gespickt mit Werbung weiter verbreitet? Was wäre das für ein Geschäft! Offline hat das Konzept gut funktioniert. Dort übernehmen Redaktion schon seit Jahren gegenseitig Artikel. Doch auch hier fließt Geld an die Urheber – genauso wie redaktionelle Inhalte im Web bezahlt werden müssen, wenn sie von anderen kopiert werden.

Beachtenswert anders ist hier das Konzept von Google News: Das Unternehmen verdient am Verkauf von Werbeplätzen, doch bei Google News selbst ist keine Werbung zu finden. Vielmehr sammelt das Portal die Angebote von vielen Redaktionen, leitet die Interessenten auf diese Angebote weiter und verdient schließlich indirekt durch den Verkauf der Werbeplätze auf diesen Seiten indirekt eine "Vermittlungsprovision". Google ist also daran interessiert, dass die Nutzer vom Portal auf möglichst relevante Inhalte stoßen, auf denen sich dann zielgruppenorientierte Werbung verkaufen lässt.

Online und Offline sind damit gar nicht so verschieden wie viele zunächst vermuten. In beiden Welten müssen hochwertige Inhalte geschaffen werden, sodass die Nutzer diese gern aufnehmen. Nur dann wird der Online-Platz auch für Werbende interessant.

[rl]





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