Nokias Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2009 bescherte dem finnischen Hersteller erstmals rote Zahlen seit 1993 und sorgten offenbar dafür, dass der Konzern sich nun schnellstmöglich neu ausrichten möchte. Ein Konzerninterner Umbau war schon zuvor angedacht, soll nun aber beschleunigt werden.
Nokia-Vorstand Anssi Vanjoki
sprach davon, dass "der Konzern sich nun vollkommen neu aufstellen müsse". Aus Nokia, einem Hersteller von Mobil-Telefonen, soll sich ein Anbieter von Internet-Lösungen entwickeln. Man räumt dabei Fehler in den vergangenen Jahren ein, wobei man Entwicklungen von Google, Apple und RIM (BlackBerry) hinterherhinke. Sicherlich habe man schon vor zwei Jahren die Zeichen der Zeit erkennen müssen, allerdings habe erst die Wirtschaftskrise und die aktuellen Quartalszahlen dem Konzern die Augen geöffnet.
Aktuell sei man mit den Fertigungsfabriken und der weltweiten Logistik bei der Handherstellung im Vorteil und diesen gebe man derzeit auch nicht aus der Hand. Andererseits "solle man niemals nie sagen" - eine Trennung von der Herstellung von Mobiltelefonen wäre durchaus denkbar.
Brancheninsider gehen derzeit davon aus, dass das vierte Quartal bei Nokia noch schlechter ausfallen könnte und dies dem derzeitigen CEO Olli-Pekka Kallasvuo den Stuhl kosten könne. Als Nachfolger wird Nokia-Vorstand Anssi Vanjoki gehandelt. Als Fehler beim finnischen Handy-Spezialisten werden beispielsweise die teure Übernahme des US-Navigationsspezialisten Navteq gesehen, aber auch das Festhalten an der Symbian Betriebssystemsoftware.
Das scheint Strategie-Chef Anssi Vanjoki zwar in gewisser Form ähnlich zu sehen - so ist der Hinweis auf Palm, iPhone und Google wohl zu verstehen - andererseits
teilt er aber auch aus: "Android ist kein Erfolg, sondern vor allem ein Hype". Dies stellt die Nummer 2 im Konzern in Zusammenhang mit den Marktanteilen von unter einem Prozent, wohingegen Nokia weiterhin 37 Prozent halte.
Update 30.11.2009: Eine Nokia-Sprecherrin dementierte heute gegenüber dpa (Deutsche Presseagentur), dass man beabsichtige sich von der Mobiltelefonsparte zu trennen oder der Fertigung. Hier habe es sich um einen Übersetzungsfehler des Gesprächs zwischen Anssi Vanjoki und der
Wirtschaftswoche gehandelt. Die Mobilfunksparte bleibe auch weiterhin das Kerngeschäft des Unternehmen und es gäbe keine Absichten die Produktion zu verkaufen.
[pg]