Google hat mit seinem Geschäftsbericht für das zweite Quartal für einen Schock bei den Anlegern gesorgt, die daraufhin die Aktie auf Talfahrt schickten. Der weltweit größte Suchmaschinenbetreiber wies einen Gewinn von 1.25 Milliarden US-Dollar aus und damit 35 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zum ersten Quartal war der Gewinn jedoch um rund vier Prozent rückläufig. Gleichzeitig legte der Umsatz um 39 Prozent auf 5,37 Milliarden US-Dollar zu. Die Aktionäre hatten aber mit einem deutlich stärkeren Wachstum gerechnet, weil sie gehofft hatten dass sich Google mit seiner Geschäftsstrategie über die aktuelle Wirtschaftslage hinwegsetzen kann.
Bitter schlug auch die Entwicklung der Werbeanzeigen auf, bei denen sich die Wachstumsrate der Clicks etwas verlangsamte und nur noch um 19 Prozent zulegte. Die Erwartungen waren hier nach erfolgreicheren Quartalen mit Zuwächsen von über 40 Prozent deutlich höher gesteckt.
Insgesamt verlor Google mit Bekanntgabe der Zahlen rund 10 Prozent des Börsenwertes und notiert derzeit über 30 Prozent unter dem letzten Höchststand bei fast 750 US-Dollar. Damit preist der Markt die sinkenden Wachstumserwartungen in den Kurs ein und dürfte wohl mittelfristig seine Erwartungen an die Gewinne des Unternehmens deutlich nach unten korrigieren.
Der bisher vorherrschende Irrglaube, dass Google seinen Gewinn scheinbar unbeschränkt steigern kann, weicht damit langsam etwas mehr Realismus. Dennoch darf man die Geschäftsaussichten des Unternehmens auch für die nächsten Jahre noch als überaus positiv bewerten. Google arbeitet stetig an neuen Konzepten um die Marktpräsenz zu erweitern. Projekte wie Streetview oder kostenlose Online-Software vom Office bis zum Termin-Kalender unterstreichen dies.
Auch mit der wachsenden Bedeutung von Mobile-Internet auf Handies dürfte sich der Markt die nächsten Jahre praktisch von selbst in neue Größenordnungen schwingen und Google weiteres Wachstum bescheren. Mit Spannung muss man allerdings die Aktivitäten der Konkurrenz wie Yahoo oder Microsoft beobachten, die dem Branchenprimus das Geschäftsfeld natürlich nicht allein überlassen wollen.
[rl]