NVIDIA hat vier neue OEM-Grafikkarten vorgestellt und die Modelle in die 300er-Serie eingeordnet. Dabei sind einige Parallelen zu bisherigen Karten offenkundig nicht abzustreiten, so dass dem Grafikspezialist gegenüber die Kritik aus vergangenen Umbennungsaktionen erneuert werden kann.
Der im November vergangenen Jahres gezeigten
GeForce 310 hat NVIDIA vier weitere Modelle zur Seite gestellt. Dabei bediente sich der Hersteller dem frei gewordenen 300er Namensschema, da die Fermi-Karten als 400er-Serie auf den Markt kommen werden
(wir berichteten). Jedoch sind ein neuer Grafikchip oder gänzlich neue Karten nicht zu erwarten. Stattdessen verwendet NVIDIA altbekannte GPUs und teilweise sogar komplett identische Referenzkarten. Die
GeForce 315, die
GT 320 und die GT 340 basieren auf 40-nm-GPUs. Bei der GeForce 315 sind technische Parallelen zur GT 220 nicht zu leugnen.
Die
GT 340 entpuppt sich als identische Kopie der im November 2009 präsentierten
GT 240. Bei der nicht gänzlich unbekannten
GT 330 könnte sogar der betagte G92b mit einer 55 nm größen Fertigungsstruktur integriert sein, da laut den offiziellen Daten nur DirectX 10 unterstützt wird. Allerdings unterstützt die Karte laut NVIDIA auch die Tonausgabe von 7.1-Sound über HDMI. Diese Funktion kennt man jedoch eigentlich erst seit den neueren, in 40 nm gefertigten, GT2xx-GPUs (GT 240, GT 220, 210). Von daher könnte sich auch eine GT216- oder GT215-GPU auf der Karte befinden. Dieses Modell mit doch recht widersprüchlichen Spezifikationen tauchte erst kürzlich in einem Anfang Februar bei Aldi erhältlichen
Medion PC auf.
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Gemäß der technischen Spezifikationen (siehe Tabelle) sind alle vier Modelle in der Einsteiger- und unteren Mittelklasse einzuordnen. Fast alle Modelle verwenden günstigen DDR2- oder DDR3-Speicher, kostenintensiverer GDDR5-Speicher ist nur bei der GT 340 zu finden. NVIDIA ermöglicht den Boardpartnern nicht nur die Speicherauswahl, sondern läßt seinen Partnern bei den Spezifikationen der GT 330 weitestgehend freie Hand. So kann diese Karte eine unterschiedliche Anzahl Streamprozessoren und Textureinheiten sowie einen GPU-Takt von 500 bis 550 MHZ und einen Shadertakt von 1250 bis 1340 MHZ aufweisen. Je nach Ausstattung liegt dieses Modell in einem Leistungsbereich einer
9600 GSO oder einer
9800 GT Green Edition. Der Käufer von Fertig-PCs muß also noch genauer hinschauen, welche Kartenvariante verbaut wurde. Problematisch hierbei ist auch, dass dadurch sogar die GT 340 in der Leistung übertroffen werden könnte. Die Performance einer GT 340 ist identisch zur kürzlich
von uns getesteten GT 240.
Referenz-karten der GeForce-Familie | 210 G210 310 | 315 | GT 320 | GT 330 | GT 240 GT 340 | GT 220 | 9800 GT | 9800 GT Green Edition | 9600 GSO |
Release | 07/09 10/09 11/09 | 02/10 | 02/10 | 02/2010 | 11/09 02/10 | 07/09 10/09 | 03/09 | 07/08 | 04/08 |
Grafikchip | GT218 | GT216 | GT215 | G92b | GT215 | GT216 | G92b | G92b? | G92 |
Struktur | 40 nm | 40 nm | 40 nm | 55 nm | 40 nm | 40 nm | 55 nm | 55 nm | 65 nm |
Stream-prozessoren | 16 | 48 | 72 | 96-112 | 96 | 48 | 112 | 112 | 96 |
Textur-einheiten | 8 | 16 | 24 | 48-56 | 32 | 16 | 56 | 56 | 48 |
Chiptakt | 589 MHz | 475 MHz | 540 MHz | 500-550 MHz | 550 MHz | 615 MHz 625 MHz | 600 MHz | 550 MHz | 550 MHz |
Shadertakt | 1402 MHz | 1100 MHz | 1302 MHz | 1250-1340 MHz | 1340 MHz | 1335 MHz 1360 MHz | 1512 MHz | 1375 MHz | 1375 MHz |
RAM-Typ | DDR2 | DDR3 | DDR3 | DDR3 DDR2 | DDR3 GDDR5 | DDR3 GDDR3 | GDDR3 | GDDR3 | GDDR3 |
RAM-Größe | 512 MB | 512 MB | 1024 MB | 1024
768/2048 MB | 512
1024 MB | 1024
512 MB | 512 MB | 512 MB | 512 MB |
RAM-Takt | 500 MHz | 790 MHz | 790 MHz | 800 MHz 500 MHz | 1000 MHz 1700 MHz | 790 MHz | 900 MHz | 900 MHz | 900 MHz |
Speicher-interface | 64 Bit | 64 Bit | 128 Bit | 128 Bit
192/256 Bit | 128 Bit | 128 Bit | 256 Bit | 256 Bit | 192 Bit |
DirectX | 10.1 | 10.1 | 10.1 | 10 | 10.1 | 10.1 | 10 | 10 | 10 |
NVIDIA wird sich mit der Kritik einerseits wegen der wiederholten Vortäuschung neuer "alter" Produkte, andererseits wegen der nicht unerheblichen Verwirrung durch die variablen Spezifikationen der GT 330 auseinander setzen müssen. Obwohl es sich bei allen vier Modellen um OEM-Produkte handelt, zielt NVIDIA mit der Veröffentlichung vermutlich auf die erst kürzlich tatsächlich neuen Einsteiger- und Midrange-Grafikkarten
HD 5450,
HD 5570 und
HD 5670 vom Wettwerber AMD ab. Es ist durchaus möglich, dass einige Partner von NVIDIA die GT3x0-Karten auch im Retailmarkt anbieten. Immerhin warten die Boardpartner seit einiger Zeit auf Neuheiten. AMD erhofft sich mit den modernen Karten deutliche Marktanteile im OEM-Geschäft gewinnen zu können. Trotzdem kann zumindest den Modellen mit Grafikchips in 40 nm Struktur ausreichende Wettbewerbsfähigkeit in Sachen Leistung und Strombedarf attestiert werden, wenngleich DirectX 11 nicht unterstützt wird.
[fh]