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Google Street-View erneut in der Kritik: Datensammlung von drahtlosen Netzwerken eingestanden

Internet | 16.05.2010, 12:00
Die Debatten um Googles Street View waren hier in Deutschland schon über die Maßen hoch im Sinne der Privatsphäre geführt worden. Googles Einlenken wurde angenehm aufgenommen und doch schon wieder gerät Street View in die Kritik. Der Internet-Riese gestand nun ein – unbeabsichtigt – Nutzerdaten aus drahtlosen Netzwerken im Zuge der Straßenaufnahmen ebenfalls gesammelt zu haben. Einen solchen Vorwurf hatte Google vor Wochen noch dementiert.

Die Street-View-Fahrzeuge sind bislang neben hochauflösender Kamera auch mit einem WLAN-Empfänger ausgerüstet. Google hatte bislang argumentiert, dass dadurch lediglich die MAC-Adressen und die SSID (Name der Funkstation) erfasst und gespeichert würden. Solche Daten für GPS-lose Geätschaften habe man zuvor zugekauft. Vorausgegangen waren die Forderungen von Datenschützern, darunter dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar, dass Google die WLAN-Scanner aus den Street-View-Fahrzeugen entfernt.

Nun platz aber offensichtlich die Bombe, denn Google räumte nun beim Auswerten der Daten ein, dass man in der Tat – unbewusst und ohne Absicht – auch Nutzerdaten über die WLAN-Ausgaben gespeichert habe. Dieser Fauxpas sei nun auffällig geworden, nachdem man den Aufforderungen aus Deutschland nachkommen wollte. Alan Eustac von Google gab an, dass man bei der Sichtung der gesammelten Daten darauf gestoßen sei, dass unabsichtlich auch Daten von Nutzern in offenen (nicht gesicherten) Netzwerken gespeichert worden seien.

Dabei seien prinzipiell nur Bruchstücke von Nutzerdaten gespeichert worden, was durch daraus resultiere, dass der Scanner vielfach in der Sekunde den Kanal wechsele. Diese Daten seien auch erst dabei aufgefallen, als man den Fragenkatalog des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar aufgearbeitet habe. Die Ursache für das Problem sei inzwischen ebenfalls gefunden und habe in einer älteren Software gelegen, welche von einem Entwickler aus dem Jahr 2006 stamme. Diese Software sei experimentell gewesen und habe sämtlich mögliche Informationen aus vorhandenen, drahtlosen Funknetzwerken aufgezeichnet. Es sei nicht beabsichtigt gewesen, dass diese Software an Board der Fahrzeuge war.

In Deutschland hat sich Google mit diesem "Missgeschick" politisch betrachtet durchaus geschadet, wird man doch nun wiederum deutlich kritischer beobachtet. Der Bundesdatenschutzbeauftragte bezeichnete die Google-Aussagen als "höchst ungewöhnlich", die Bundesjustizministerin führte aus, dass "Google ein Glaubwürdigkeitsproblem hat". Peter Schaar meinte: "Es ist schwer vorstellbar, dass dies erst jetzt aufgefallen ist", und damit hat er natürlich nicht ganz unrecht, was dennoch nicht in Abrede stellt, dass Google überhaupt kein Interesse daran hatte diese Datenfragmente zu sammeln.

Google-Sprecher Eustace stellt aktuell klar heraus, dass die gesammelten Daten, nach Erkennung sogleich isoliert und aus dem eigenen Unternehmensnetz herausgenommen wurden. Der Google-Manager erklärte, dass dieser Fehler beseitigt sei und man sofort mit der Sammlung von WLAN-Daten aufgehört habe. Einen Fehler habe man begangen. Es wurden nun Maßnahmen eingeleitet – externe Maßnahmen – welche sicherstellen sollen, dass derartige Vorfälle künftig nicht mehr vorkommen. Externe Experten sollen hier zu Rate gezogen werden.
[pg]







Stichworte zur Meldung: Datensammlung Wlan View Street Google