Mitte August tauchten erste – durchaus überraschende –
Gerüchte auf, dass AMD beabsichtigt, den Markennamen ATI auslaufen zu lassen. Nur wenige Tage später erhielten die Vertreter der weltweiten Presse Einladungen zu einem Briefing bezüglich Grafik und schließlich bewahrheiteten sich in diesem Briefing die Gerüchte als Wahrheit. Heute, am 30.08.2010 ist es offiziell: künftige Grafikkarten-Produkte aus dem Hause AMD werden nicht mehr unter dem Brand "ATI" erscheinen, der Name Radeon bleibt aber selbstverständlich erhalten.
25 Jahre alt ist der Markenname ATI inzwischen geworden, welchen AMD bei der
Übernahme des Grafikchip- und Mainboardchip-Spezialisten im Juli 2006 mit erwarb. Mehr als vier Jahre fuhr der Hersteller zweigleisig und führte den Brand ATI weiter, hegte und pflegte ihn und investierte natürlich auch Geld in die Doppelvermarktung. Heute ist das Ende gekommen und AMD schraubt das ATI-Logo ab. Besser gesagt, der Name ATI wird bei künftigen Produkten der AMD Grafiksparte nicht mehr erscheinen – die bisherigen Produkte bleiben davon unberührt und werden weiterhin als AMD ATI Radeon geführt.
AMDs Präsentation, welche die Fülle der bisherigen Logos zur Vermarktung der eigenen Produkte in den vergangenen Jahren zeigt, deutet das Problem an sich, in Verbindung mit den künftigen Planungen, an. Das bereits 2009 eingeführte
AMD-Vision-Programm rückt bei der künftigen Präsentation der eigenen Produkte deutlicher in den Vordergrund. AMD wird prinzipiell noch drei eigenständige Sparten bewerben – Server-Prozessoren, Grafikprodukte und die Desktop-Produkte, welche mit Prozessoren und Chipsätzen komplett unter Vision geführt werden sollen.
Insbesondere die
kommenden AMD-Prozessoren für den Desktop-Bereich, welche mit integrierten Grafikeinheiten antreten werden, haben AMD wohl zum Nachdenken bewegt. Der Hersteller zeigt seine Sicht der Dinge anhand des folgenden Schaubildes:
Die Verschmelzung der eigenen Produkte, bestehend aus CPU, Grafikeinheit und Chipsatz lässt ganz offensichtlich beim Hersteller keinen Platz mehr für einen zusätzlich zu nennenden Markennamen ATI. Dieser würde beim Endkunden vielleicht eher zu Verwirrung, statt deutlicher Zuordnung des gesamten Produktpakets zum Namen AMD führen. Wie sollte dem laienhaften Kunden auch klar gemacht werden, dass es einmal ein AMD-Produkt gibt, das aber irgendwie ein ATI-Produkt enthält, aber auch Kombinationen aus AMD und ATI zu erwerben sind, die im Grundsatz die gleiche Funktionalität erfüllen – und warum soll dann bei der einen Variante ein Komponententausch möglich sein, bei der anderen aber nicht. Außerdem gäbe es Verwirrungspotential, was denn nun eine AMD-Grafiklösung von einer ATI-Grafiklösung unterscheidet...
Für die reinen Grafikprodukte bedarf es für den Markt natürlich neue Logos, welche AMD wie folgt vorstellt:
So wird das Logo der Grafikkartenprodukte in die Bereiche Desktop- und Profi-Segment unterteilt und es wird lediglich noch von Radeon oder FirePro gesprochen werden. Je nach Partnerwunsch oder eben Zielgruppe, werden die Logos der Grafikproduktsparte dann den Namen AMD beinhalten oder diesen auslassen.
Der Hintergrund ist auch hier schnell erwähnt – gerade die Partner sorgen sich darüber, ob es nicht zu Problemen kommen könnte, wenn beispielsweise auf einem Notebook der Name Intel gemeinsam mit einem AMD-Sticker auftaucht. Dem unbedarften Kunden scheint man hier OEM-seitig eine differenzierte Betrachtung (noch) nicht zuzutrauen, und AMD will sich natürlich auch nicht erlauben, die OEMs damit in eine zögerliche Haltung gegenüber den eigenen Grafikprodukten zu treiben, nur um z.B. den "Centrino" Brand nicht zu verwässern. Letzteres würde unweigerlich zu sinkenden Verkaufszahlen bei den Notebook-OEMs führen.
Somit trägt man mit dem zweiten Logo Sorge dafür, dass eben dieser Umstand nicht eintritt.
Zusammenfassend erklärt AMD den Abschied vom Markennamen ATI also hauptsächlich durch die kommenden AMD-Produkte, die insbesondere im Desktop-Bereich auch eine neue Ausrichtung für das Marketing benötigt. Der nette Nebeneffekt, welcher sich hieraus ergibt – zumindest auf lange Sicht – sind ersparte Kosten durch entfallende Werbekosten eines zusätzlichen Markennamens. Im Gegenzug nimmt man in Kauf, dass man sich im OEM-Markt auf ein Wagnis einlässt, hier ist bei Grafikprodukten der Name AMD bei weitem noch nicht in jedermanns Wahrnehmung für Grafikprodukte, so dass man ihn sogar vorsichtshalber weglassen kann. Möge es der Brand "Radeon" alleine tun.
Leb wohl ATI Radeon, ein viertel Jahrhundert warst du zugegen, willkommen Radeon, auf die nächsten 25 Jahre.
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