Erst telefoniert Windows nach Hause und nun will Microsoft möglicherweise die übertragenen Nutzerdaten noch dazu verwenden, in der eigenen Software Werbung einzubinden. In einem Gespräch gegenüber der
Süddeutschen Zeitung erklärte Microsofts Forschungschef Craig Mundy neue Einnahmemodelle für Software und fand neben Verkauf und Abonnement auch die Werbung als dritte Möglichkeit.
| Es gibt drei Wege, für Software zu zahlen: Kauf, Abonnement und Werbung. Wir haben seit unserer Gründung vor mehr als 30 Jahren nur die ersten beiden Wege genutzt. Wenn wir nun aber anfangen, in Software-Programmen Werbung anzuzeigen, werden die Programme für die Verbraucher billiger - für uns ein neues Geschäftsmodell. | |
Erstmals hatte Microsoft bereits 2005 über ein derartiges Konzept nachgedacht. Später tauchten schließlich Informationen über eine geplante Office-Version auf, die kostenlos angeboten werden sollte und dafür aber Werbung enthält. Ein ähnliches Konzept hatte Opera mit seinem eigenen Browser über lange Zeit verfolgt, war aber schließlich davon abgekommen und bietet den Browser mittlerweile gänzlich kostenlos an.
Wie das Konzept mit Werbung in Software aussehen könnte, ist noch mehr als fraglich. Versuche dahingehend gab es viele, doch gerade inhaltsbezogene Werbung erfordert die Analyse von Nutzerdaten. Viele dürften darauf aber äußerst empfindlich reagieren, wie derzeit der
Aufschrei um den Browser Google Chrome zeigt. Er versendet ebenfalls Nutzerdaten an den Suchmaschinen-Riesen und weckt damit die Sorge um die Privatsphäre und Datensicherheit.
Gespannt sein darf man allerdings, wie lang die Nutzer ihre Daten tatsächlich noch vor den Unternehmen verbergen können. Schon jetzt arbeiten große Firmen an Online-Speicher, der es erlaubt, alle Daten im Internet auf Servern abzulegen. Der nächste Schritt mit Google Chrome könnte dann noch stärker in die Richtung Cloud-Computing gehen, der "Software on demand" aus dem Internet verfügbar macht.
Realistisch ist zwar mittelfristig eher eine Mischung aus lokalen Anwendung und Online-Applikationen, doch wird es mit diesem Trend zunehmend schwerer, seine Privatsphäre auch tatsächlich vor fremden Zugriffen zu schützen. Einen Weg bietet die Verschlüsselung, doch noch immer ist dieser Prozess für viele Nutzer zu kompliziert und umständlich einzurichten.
[rl]