Die Infineon-Ausgliederung Qimonda, die seit Beginn ihrer Geschäftstätigkeit v.a. durch immense Verluste auf sich aufmerksam machte, stellt heute ihr neues Konzept vor, das das Überleben sichern soll. Während noch vor wenigen Tagen scheinbar Klarheit in der Branche darüber bestand, dass der Mitbewerber Micron das Unternehmen
übernehmen werde, besteht seit heute Klarheit darüber, dass es nur zu einer "kleinen" Lösung kommen wird und massiv Stellen gestrichen werden.
Statt des ganzen Unternehmens übernimmt Micron nur den 36,5 %igen Anteil Qimondas an Inotera. Der
Auftragsfertiger war seinerzeit als Joint Venture zwischen Qimonda und Nanya gestartet, das Verhältnis zwischen den beiden Unternehmen kühlte aber recht rasch ab und war spätestens seit Qimondas
Abkehr von der Trench-Technologie ein Auslaufmodell. Analysten sehen in der Transaktion den Nachweis, dass Micron schlussendlich doch wegen der unkalkulierbaren Risiken bei Qimonda von der Gesamtübernahme absah. Infrage kämen aber auch Vorbehalte seitens Micron an der vor wenigen Wochen geschlossenen Kooperation mit Elpida. Es erscheint durchaus möglich, dass Elipda nun die Qimonda-Reste absorbieren könnte.
Qimonda erhält für die Transaktion von Micron 400 Mio US-$ in bar in zwei Raten. Zugleich kündigte Qimonda an die Produktion bei Inotera innerhalb von acht Monaten nach Abschluss der Transaktion zu beenden. Nachdem Qimonda bei Inotera in erster Linie DRAMs für den Einsatz auf Speicherriegeln für PCs lies, ist dies als Ausstieg von Qimonda aus der DRAM-Fertigung zu verstehen. Es bleibt damit die Fertigung von Grafikspeichern, wo Qimonda in letzter Zeit wieder ein Bein auf den Boden
bekam und
Industrielösungen übrig. All diese sollen auf der jüngst
angekündigten Burried Wordline Technologie aufsetzen.
Als Konsequenz dieser Umorientierung kommt für rund 3000 Mitarbeiter das Aus. In erster Linie betrifft es den Standort Richmond, wo im Januar 2009 die Tore geschlossen werden sollen sowie die Backend-Fertigung in Dresden, wo im März das Licht ausgehen soll. Hinzu kommen Reduzierungen bei Forschung, Entwicklung und Verwaltung in München, Dresden und Raleigh bis zum Ende des dritten Geschäftsquartals 2009, also bis Mitte 2009.
Während für den Verkauf einmalig 300 Mio Euro abgeschrieben werden müssen und die Kündigungen in diesem Quartal mit weiteren 50 Mio Euro zu Buche schlagen, sollen dem 450 Mio jährliche Einsparungen gegenüber stehen.
Letztlich hat sich Qimonda durch den Deal Liquidität für ein paar weitere Monate Luft verschafft. Infineon hat somit ebenfalls etwas mehr Zeit zur Suche nach einem Käufer. Doch beruhigt können auch die verbleibenden Mitarbeiter damit nicht sein.
Während Inotera-Aktien kräftig zulegten, wartet man derzeit auf Öffnung der Börsen in New York, um Microns und Qimondas Entwicklung zu begutachten.
[tm]