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Schließung von Megaupload durch US-Behörden, Racheaktionen und die Zukunft

Wirtschaft | 22.01.2012, 15:20
Während in den USA heiße Diskussionen zu den Gesetzesinitiativen Stop Online Piracy Act (SOPA) und PROTECT IP Act (PIPA) geführt werden, scheint es, als könne man auch ohne diese Entwürfe zur besseren Sperrung von illegalem Inhalt im Internet Urheberrechtsverletzter blocken: Die File-Sharing-Seite Megaupload wurde am 19. Januar 2012 durch das Justizministerium der Vereinigten Staaten geschlossen. Gleichzeitig kam es zu Durchsuchungen und Verhaftungen einiger der Betreiber auf Neuseeland, welche nicht folgenlos blieben.

Megaupload hat sich im Grund auf das Hochladen und Verteilen von Dateien beschränkt, allerdings wurde das Portal auch für urheberrechtlich geschütztes Material verwendet – sehr zum Ärgernis der Medienindustrie, wie Spieleherstellern und Film-Publisher. Dabei werden diese Materialien erst gelöscht, wenn die jeweiligen Besitzer der Dateien dies verlangen. Dies ist auch der Grund der Ermittlungen gewesen, weswegen Megaupload nun gesperrt wurde. Nach eigenen Angaben soll der Medienindustrie durch Megaupload ein finanzieller Schaden von einer halben Milliarde US-Dollar entstanden sein.

Status Quo

Ein Aufruf der Seite führt nur noch zu dem Hinweis, dass die Domain megaupload.com gesperrt wurde und deren Betreiber verdächtigt werden, grob gegen das Urheberrecht verstoßen zu haben. Neben dem deutschen Kim Schmitz alias Kim Dotcom, dem Gründer von Megaupload, wird gegen sechs weitere Personen und zwei Unternehmen Anklage erhoben. Die Betreiber von Megaupload sollen im Laufe der Jahre über 170 Millionen US-Dollar illegalen Gewinn durch Werbung und Premium-Accounts erwirtschaftet haben. Von angeblichen Begünstigungen der Uploader bei besonders beliebten Downloads ist in diesem Zusammenhang ebenfalls die Rede. Bei der Verhaftung von Kim Schmitz konnten die Beamten Bargeld und Güter im Wert von zirka 3,7 Millionen Euro sicherstellen. Im Zuge der Ermittlungen und Verhaftungen wurden auch Server und umfangreiche Festplatten von Megaupload sichergestellt. Wann und in welchem Umfang die Daten ausgewertet werden, bleibt vorerst abzuwarten.

Das Ende nicht in Sicht

Nun kam es ebenfalls zu Razzien in Hong Kong. Dort werden derzeit Zusammenhänge mit dem Portal Megaupload vermutet. So wurden Büroräume, Hotelzimmer und Privatwohnungen von Behörden durchsucht und neben Gütern und Bargeld im Wert von zirka 32 Millionen Euro zusätzlich leistungsfähige Computer sichergestellt.

Sehr zeitig nach der Sperrung kam es auch gleich zu verschiedenen Racheaktionen von Hackergemeinden, darunter ein Angriff des Kollektivs Anonymus gegen beispielsweise die Website des FBIs, des US-Justizministeriums und Universal Music Group. Die Anonymus-Gruppe warf den Behörden vor das Web kontrollieren zu wollen. Die angegriffenen Seiten waren vorrübergehend nicht zu erreichen.

Natürlich waren durch die Schließung von Megaupload selbstverständlich auch jede Menge redliche Nutzer der Plattform betroffen, welche nun ihre Daten nicht mehr erreichen können. Diskussionen über das rechtliche Vorgehen der Behörden sind entbrannt und Ärger machte sich breit, so dass an der einen oder anderen Stelle die Hacker-Angriffe darum auch positiv aufgenommen wurden.

Die Hydra

Dieser Fall erinnert an die Schließung von kino.to im Juni 2011, als unter der Führung der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) die Domain gesperrt und 13 Personen verhaftet wurden. Kurze Zeit später wurde die Seite aber unter der Domain kinoX.to wieder online gestellt.

Andreas Popp von der Piratenpartei gab an, dass sich die aktuelle Situation wie bei einer Hydra zeige. Schlägt man einen Kopf ab, wachsen andere nach. Er geht davon aus, dass bereits andere in den Startlöchern stehen um mit ähnlichen Angeboten nun den Platz von Megaupload einzunehmen. Das habe die Vergangenheit an Beispielen wie Napster, Kazaa und Pirate bay gezeigt.
Autor: Jan
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