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O2 will mit Bewegungsdaten Geld in die Kasse bringen

Wirtschaft | 30.10.2012, 08:46
Rund um den spanischen Konzern Telefónica, zu welchem auch der deutsche Netzbetreiber O2 gehört, sehen die Zahlen nicht so gut aus, wie man sich das eigentlich erhofft hatte. Deshalb versucht man jetzt auf neuen Wegen Geld zu erwirtschaften und will dabei die Bewegungsdaten der Nutzer mit den Stammdaten verknüpfen.

Zu diesem Zweck das Unternehmen bereits zu Beginn diesen Monats eine neue Abteilung in London gegründet, welche auf den Namen Telefónica Dynamic Insights hört. Hier sollen künftig die Daten der Nutzer aufbereitet und so für die Industrie interessant gemacht werden.

Der Plan sieht dabei vor, dass die Bewegungsdaten, welche dank der Smartphones* erfasst werden, mit den Stammdaten, wie Alter und Geschlecht, verknüpft werden. Natürlich bleiben die Nutzer dabei anonym, doch für die Industrie ergeben sich neue Einblicke. Dabei soll das wichtigste Hilfsmittel das Produkt Smart Steps sein, womit man auch die Details der Bewegungen erfasst werden. So kann ein Geschäftsinhaber sehen, woher ein potentieller Kunde kam, wie lange er vor dem Schaufenster stand und wo es danach hinging. Hinzu kommen noch die Daten über Alter unter Geschlecht.

So aufbereitet lassen die Daten für die Industrie einige Erkenntnisse zu. So wird das Einzugsfeld eines Unternehmen im Hinblick auf Alter und Geschlecht der Nutzer klar gezeichnet, durch die Standortdaten lassen sich dann noch die lokalen Einzugskreise erfassen. So ausgestattet hat die Industrie die Möglichkeit gezielt Werbung und Hinweise zu setzen und so die potenziellen Kunden besser zu locken.

Was ist mit dem Datenschutz?


Natürlich betont man im Hause Telefónica, dass man sich an die geltenden Richtlinien im Bezug auf den Datenschutzes halten wird, dennoch herrscht bei den Datenschützern Zweifel vor. Allerdings heißt es von den Experten auch, dass eine Nutzung der Standortdaten entweder durch Einwilligung möglich ist oder durch eine vollständige Anonymisierung.

Im Hause Telefónica fährt man an dieser Stelle ab sofort zweigleisig. So versichert der Konzern die Anonymisierung, gleichzeitig hat man den Inhalt der O2-Verträge* nun abgeändert und im Bereich der Einwilligungserklärung neue Formulierungen eingefügt, welche es dem Konzern erlauben die Standortdaten im Rahmen des Erforderlichen für Vermarktung und Marktforschung zu nutzen.

Damit ist auch grundsätzlich eine Einwilligung da und Telefónica* sieht sich so auf der sicheren Seite. Den Datenschützern ist die Formulierung aber zu schwammig, denn sie lässt zu viel Handlungsspielraum zu. Zudem können die O2-Kunden nicht explizit die Nutzung der Standortdaten beim Vertragsabschluss ausschließen, dies kann ausschließlich in Form einer schriftlichen Nachricht an das Unternehmen erfolgen.

Ob Telefónica hier wirklichen eine neue Möglichkeit gefunden hat Geld zu drucken bleibt fraglich. Zwar dürfte die Industrie gefallen an dieser Form der Datenaufbereitung haben, doch die Datenschützer werden hier vermutlich noch für Diskussionen sorgen.
[dk]







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8 Kommentare

Re: [Wirtschaft] O2 will mit Bewegungsdaten Geld in die Kasse bringen

Michael
(vom 30.10.2012 um 11:17)

Also wenn man so genau wissen will, wie lange jemand vor diesem und jenem Schaufenster gestanden ist, dann muss man schon mindestens GPS-Daten verwenden. Diese müssen dann auch noch dauerhaft zu O2 übermittelt werden wodurch riesige Mengen an Traffic erzeugt werden. Noch dazu müssten die Kunden GPS und Datennetze dauernd eingeschaltet haben - ich bezweifle, dass die Kunden sich dazu bereit erklären werden. Zumal selbst (ziviles) GPS im Zweifelsfall nicht genau genug für sowas ist.

Für mich definitiv ein Kündigungsgrund.

Re: [Wirtschaft] O2 will mit Bewegungsdaten Geld in die Kasse bringen

Rick
(vom 30.10.2012 um 14:20)
Hinzu kommt, dass bei dieser Aufloesung die Arbeits und Heimadressen von Personen mitgeliefert werden.
Ich arbeite selbst viel mit so Daten (mit dem Ziel dem Nutzer Mehrwert zu bieten) und eine Weitergabe der Daten erscheint mir moralisch sehr verwerflich.
Wenn man wie Facebook einen Dienst anbietet der gewisse statistische Auskuenfte anbietet, dann kann ich das noch nachvollziehen.

Der Netzbetreiber schreibt ja bereits jetzt schon mit, in welcher Zelle man sich vor einem halben Jahr befunden hat.

Das mit der Bandbreite/Batterie fuer GPS ist uebrigens nicht so ein Problem. In meiner Studie habe ich alle 10 Sekunden die Position aufgezeichnet, und die Teilnehmer berichteten Laufzeiten, die den normalen Betrieb eines Smartphones nicht merklich beeintraechtigten. Den upload der Positionsdaten habe ich bevorzugt im WLAN authorisiert.

Die Idee die Daten zu valorisieren ist an sich gut, nur ist die Methodik sehr wichtig - und O2 scheint mir etwas spaet zu sein, wenn sie erst jetzt damit beginnen, solche Daten auszunutzen.

Re: [Wirtschaft] O2 will mit Bewegungsdaten Geld in die Kasse bringen

Gast
(vom 30.10.2012 um 14:26)
5,1 Milliarden Gewinn letztes Jahr, dann die Mailserver nicht funktionstüchtig, jetzt kein Geld mehr.
Ich bin Kunde bei den Typen und jetzt auch noch die Kundendaten !!
Nach Vertragsablauf "KÜNDIGUNG" so schnell wie möglich, das braucht Keiner.    !!

Re: [Wirtschaft] O2 will mit Bewegungsdaten Geld in die Kasse bringen

LostHero
(vom 30.10.2012 um 16:03)
Da lob ich mir ein gerootetes Android Gerät mit ordentlich konfigurierten IP Tables. Bei mir könnten die maximal besagte Daten mittels der Funkzellen erfassen in denen mein Handy sich gerade eingewählt hat.
Wenn die sich dann noch die mühe machen wollen die "genaue" Position zu triangulieren mit hilfe weiterer Funkmasten, bitte, kann ich eh nicht verhindern (nur durch ausschalten des Geräts).

Gut finden muss ich das trotzdem nicht. Plane allerdings eh nicht meinen o2 Vertrag beim nächsten mal zu verlängern sondern so bald wie möglich zu wechseln, mir wird das zu blöd trotz voller Empfangsanzeige und HSDPA nicht mal auf www.google.com zu kommen ohne 3 versuche + 5+ min ladezeit.
Oh und von den ganzen Orten wo ich GARKEIN Netz habe mal ganz zu schweigen. Und nein, ich wohne nich am Arsch der Welt ;).

Re: [Wirtschaft] O2 will mit Bewegungsdaten Geld in die Kasse bringen

Michael
(vom 30.10.2012 um 19:13)



Details bitte.

Ich persönlich war immer mit den Preisen und dem Service von O2 sehr zufrieden. Zwar gibt es in meinem Landkreis maximal EDGE, aber da bin ich sowieso meist nur wenn ich zu Hause bin - da kann ich auch WLAN nutzen.

Aber bei solchen Sachen geht mir die Hutschnur hoch - fragt sich ob die das auch mit den Bestandskunden machen oder nur Neukunden.