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Re: [News] Zukunft von Qimonda weiterhin ungewiss - soll der Staat Unternehmen retten? | |
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| Gast
(vom 12.12.2008 um 12:03) |
Ob ein Unternehmen von Banken gestützt wird oder nicht hängt oft auch davon ab wieviel Geld die Banken bereits in der Vergangenheit in das Unternehmen investiert haben. Im Falle von Hynix war es scheinbar problemlos möglich weitere finanzielle Mittel aufzutun, interessanterweise gerade über die Gläubigerbanken. Lässt dies den Schluss zu dass man ab einer gewissen Schuldenlast nicht mehr untergehen kann |
Re: [News] Zukunft von Qimonda weiterhin ungewiss - soll der Staat Unternehmen retten? | |
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| T061
(vom 12.12.2008 um 13:45) |
Wobei man nach meiner Erfahrung das Wirtschaftssystem Südkoreas, aber auch Frankreichs und diverser Tigerstaaten nicht mit dem Vergleichen kann, was bei uns so abgeht. Diese Länder zeichnen sich nämlich durch eine äußerst aktive und z.T. sehr aggressive Wirtschafts- und Industriepolitik aus. Südkorea wollte seit dem Koreakrieg wirtschaftlich möglichst schnell auf die Beine kommen, und hat unter einem Staatswesen mit teilweise diktatorischen Zügen in den 60ern und 70ern ein gutes dutzend so genannter Jaebeols aufgebaut, gigantische Mischkonzerne, von denen die Volkswirtschaft extrem abhängig ist, und die immer noch sehr stark mit dem Staat verflochten sind. http://de.wikipedia.org/wiki/Jaebeol So war Samsung zunächst ein Saatgut-Konzern und hat erst auf Betreiben der Regierung eine Elektroniksparte aufgebaut. Andere Tigerstaaten in Asien versuchen hier einen ähnlichen Weg, sind aber noch nicht so weit und relativ diktatorisch, z.B. Malaysia. Frankreich ist auch noch mal so ein Fall. Alsthom, PSA, Thomson oder Sagem haben auch heute noch starke Verflechtungen mit der Regierung. Manager und Politiker kommen oft von den selben Grande Ecoles. Frankreich ist trotz EU immer noch sehr protektionistisch. So wird die Statsbahn SNCF mit europarechtlichen Tricks vor Konkurrenz im Güterverkehr geschützt, mischt aber selbst mit ihren Töchtern im europäischen Ausland fleißig mit. In den 80er Jahren übernahm Thomson eine Reihe deutsche Elektronikunternehmen, die in einer Krise steckten, wie Saba, oder Dual. Thomson selbst konnte dagegen keiner übernehmen... Bei diversen Ausschreibungen für Hochgeschwindigkeitsnetze unterlag das deutsche ICE-Konsortium regelmäßig Alsthom mit dem TGV, wobei hier seitens des BND Industriespionage vermutet wird... Alsthom hat zurzeit ebenfalls einen Korruptionsskandal am Hals, den in Frankreich aber niemand interessiert. Jedenfalls ist es klar, dass in solchen Staaten die Rolle des Staates in der Wirtschaft anders gesehen wird als bei uns. Und demzufolge gibt es auch andere Reaktionen bei angeschlagenen Unternehmen. Bei uns war es schon bis in die 70er Jahre nicht so schlimm. Ab den 80ern kam dann mit Kohl unter dem Vorbild von Thatcher und auch den USA diese ganze Privatisierungswelle ins Rollen. Der Staat wollte sich möglichst komplett aus dem Wirtschaftsleben zurückziehen, wobei selbst vor Leistungen der Daseinsvorsorge nicht halt gemacht wurde, z.B. Krankenhäuser. Die Wende und die Ostbetriebe waren dann ein Festmahl für manche Privatisierungsgeier. Heute haben wir die Finanzkrise. Überall soll der Staat die Wirtschaft retten. Nach meinem Eindruck passiert da auch in GB und den USA inzwischen mehr als bei uns. Steinbrück wurde zu seinem Amtsantritt von liberaler Seite als Sanierer begrüßt. Sein erster Vorschlag war die Privatisierung des Autobahnnetzes.... Inzwischen habe ich das Gefühl dass genau die dahinter stehende Geisteshaltung jetzt ein Problem werden könnte. Die Regierung zaudert im Vergleich zu anderen zu sehr, weil sie sich nicht traut die reine Lehre der Marktwirtschaft zu verletzen. IMHO ist das aber auch in weiten Teilen überholtes Denken aus der Zeit vor der Krise. Das mal generell. Quimonda hatte allerdings schon vor der Krise Probleme. Hier stellt sich die Frage, ob vielleicht die Probleme nicht doch hausgemacht sind. In dem Fall wären Steuergelder zur Stützung das falsche Mittel, weil irgendwelche ineffizienten internen Strukturen so gefestigt werden würden. |
Re: [News] Zukunft von Qimonda weiterhin ungewiss - soll der Staat Unternehmen retten? | |
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| Gast
(vom 12.12.2008 um 17:05) |
Da ich Qimonda als Lieferant gut kenne, kann ich nur bestätigen, dass die Probleme Hausgemacht sind. Selten trifft man Unzernehmen an, die sich so viel mit sich selber beschäftigen, für Kleinigkeiten endlosen Aufwand betreiben,?. So kann kein Unternehmen Gewinne erwirtschaften. |
Re: [News] Zukunft von Qimonda weiterhin ungewiss - soll der Staat Unternehmen retten? | |
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| Rico
(vom 12.12.2008 um 20:24) |
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Re: [News] Zukunft von Qimonda weiterhin ungewiss - soll der Staat Unternehmen retten? | |
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| Rico
(vom 12.12.2008 um 20:28) |
Nein, das glaube ich nicht. Es gibt hier bei der Entscheidungsfindung sogenannte "Sunken Costs", das heißt, dass vergangene Investitionen nicht in Zukunftskalkulationen einbezogen werden dürfen, weil sie für die aktuelle Entscheidung keinen direkten Einfluss haben. Einfaches Beispiel: Du kaufst dir eine Konzert-Karte, die du aber verlierst. Die Entscheidung, ob du dir nochmal eine Karte kaufen wirst, ist eigentlich unabhängig davon, ob du bereits eine Karte gekauft hast (die du nicht mehr besitzt) weil das Geld sowieso verloren ist. Die Frage lautet also nur, ob dir das Konzert immer noch den selben Preis wert ist. In der Praxis ist das aber natürlich etwas schwieriger. |
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