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Zukunft von Qimonda weiterhin ungewiss - soll der Staat Unternehmen retten?

Wirtschaft | 12.12.2008, 11:32
Die Zukunft des DRAM-Spezialisten Qimonda ist weiterhin ungewiss. Die Diskussion um staatliche Hilfen läuft zwar, doch will sich die Regierung derzeit nicht öffentlich über den anvisierten Kurs äußern. "Es finden momentan fortlaufend Beratungen statt. Wir sprechen auch mit der Europäischen Kommission, wir sprechen mit der Bundesregierung", so Thomas Jurk, SPD-Wirtschaftsminister.

Bisher versucht man, die Fortgänge "im stillen Kämmerlein" zu regeln. Öffentliche Informationen gibt es kaum. Bekannt ist lediglich, dass in Dresden rund 950 Arbeitsplätze wegfallen sollen und in München etwa 600 Mitarbeiter ihren Platz verlieren. Sollte das Unternehmen keine Unterstützung erhalten, besteht akkute Gefahr einer Insolvenz.

Die Diskussion, ob der Staat private Unternehmen retten soll, besteht bereits seit einiger Zeit und betrifft nicht nur Qimonda. Schon mit den Banken und Automobilherstellern nahm die Debatte ihren Anfang. Die Positionen sich verschieden und treffen stets auf den grundlegenden Kontrast zwischen feier Marktwirtschaft ohne Staatliche Einflussnahme und staatlicher Mitbestimmung.

Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren?
Bereits bei den Banken kam der Verdacht auf, dass Unternehmer immer am wenigsten Staat wünschen, wenn es ihnen gut geht. Banken bewiesen unterdessen, dass in schwieriger Lage der Staat durchaus ein nützliche Option darstellt, um das eigene Geschäft zu retten. Gerade in der Finanzbranche hatte der Staat jedoch kaum eine Wahl, wäre doch ohne Eingriffe das Fundament, auf das unsere Wirtschaft Fuß, schnell brüchig geworden.

Für andere Unternehmen muss man die Frage jedoch deutlich differenzierter betrachten. Rein marktwirtschaftlich dürfte ein Eingriff des Staates nämlich gar nicht notwendig sein, da die geforderte finanzielle Unterstützung auch problemlos mit privaten Mitteln zu erbringen wäre. Genau für diese Aufgabe gibt es nämlich normalerweise Banken und Investoren. Dass Banken derzeit aber nichtmal ihren Standesbrüdern vertrauen, thematisiert die Wirtschaftspresse derzeit mehr als ausreichend.

Dennoch kann aber kaum behauptet werden, dass keine Mittel von privaten Investoren mehr vorhanden sind. So kann sich AMD zum Beispiel über Unterstützung aus den arabischen Ländern freuen, während Micron bereits den Inotera-Anteil von Qimonda übernommen hat.

Dass sich keine privaten Mittel für Qimonda finden lassen, hat offensichtlich einen einfachen Grund: Es gibt niemanden, der daran glaubt, dass Qimonda auf absehbare Zeit in der Lage sein wird, sein Geschäft auf stabile Füße zu stellen. Der Speichermarkt ist hart umkämpft und die Konkurrenz gnadenlos. Die Speicherpreise dank Überproduktion im Sturzflug und die Technik zur Herstellung extrem teuer. Es liegt in der Natur der Dinge, dass Investoren nun nur dort einsteigen, wo sie auch erwarten können, dass sich ihre Investition auch auszahlt. Gleiches gilt für Banken, die sich ihre Kredite mit teuren Zinsen bezahlen lassen.

Auf dieser Basis darf man sich nun durchaus die Frage stellen, ob es Sinn macht, dass der Staat Unternehmen rettet, dessen Betrieb sich nach allgemeiner Marktbetrachtung nicht rentiert? Eine Investition würde doch nur dann einen Nutzen bringen, wenn jemand die Schalter kennt, die man umlegen muss, um Qimonda langfristig auf eigene Füße zu stellen. Private Investoren scheinen diese Schalter nicht zu kennen. Und der Staat, der ja nach liberaler Betrachtung "auch nicht mehr Ahnung von Wirtschaft" hat, kennt hier einen Weg aus der Sackgasse?
[rl]







Stichworte zur Meldung: Qimonda Speicher Preiskrieg Insolvenz
 
7 Kommentare

Re: [News] Zukunft von Qimonda weiterhin ungewiss - soll der Staat Unternehmen retten?

Gast
(vom 12.12.2008 um 12:03)
Ob ein Unternehmen von Banken gestützt wird oder nicht hängt oft auch davon ab wieviel Geld die Banken bereits in der Vergangenheit in das Unternehmen investiert haben. Im Falle von Hynix war es scheinbar problemlos möglich weitere finanzielle Mittel aufzutun, interessanterweise gerade über die Gläubigerbanken.
Lässt dies den Schluss zu dass man ab einer gewissen Schuldenlast nicht mehr untergehen kann

Re: [News] Zukunft von Qimonda weiterhin ungewiss - soll der Staat Unternehmen retten?

T061
(vom 12.12.2008 um 13:45)
Wobei man nach meiner Erfahrung das Wirtschaftssystem Südkoreas, aber auch Frankreichs und diverser Tigerstaaten nicht mit dem Vergleichen kann, was bei uns so abgeht. Diese Länder zeichnen sich nämlich durch eine äußerst aktive und z.T. sehr aggressive Wirtschafts- und Industriepolitik aus. Südkorea wollte seit dem Koreakrieg wirtschaftlich möglichst schnell auf die Beine kommen, und hat unter einem Staatswesen mit teilweise diktatorischen Zügen in den 60ern und 70ern ein gutes dutzend so genannter Jaebeols aufgebaut, gigantische Mischkonzerne, von denen die Volkswirtschaft extrem abhängig ist, und die immer noch sehr stark mit dem Staat verflochten sind.

http://de.wikipedia.org/wiki/Jaebeol 

So war Samsung zunächst ein Saatgut-Konzern und hat erst auf Betreiben der Regierung eine Elektroniksparte aufgebaut.

Andere Tigerstaaten in Asien versuchen hier einen ähnlichen Weg, sind aber noch nicht so weit und relativ diktatorisch, z.B. Malaysia.

Frankreich ist auch noch mal so ein Fall. Alsthom, PSA, Thomson oder Sagem haben auch heute noch starke Verflechtungen mit der Regierung. Manager und Politiker kommen oft von den selben Grande Ecoles. Frankreich ist trotz EU immer noch sehr protektionistisch. So wird die Statsbahn SNCF mit europarechtlichen Tricks vor Konkurrenz im Güterverkehr geschützt, mischt aber selbst mit ihren Töchtern im europäischen Ausland fleißig mit. In den 80er Jahren übernahm Thomson eine Reihe deutsche Elektronikunternehmen, die in einer Krise steckten, wie Saba, oder Dual. Thomson selbst konnte dagegen keiner übernehmen... Bei diversen Ausschreibungen für Hochgeschwindigkeitsnetze unterlag das deutsche ICE-Konsortium regelmäßig Alsthom mit dem TGV, wobei hier seitens des BND Industriespionage vermutet wird... Alsthom hat zurzeit ebenfalls einen Korruptionsskandal am Hals, den in Frankreich aber niemand interessiert.


Jedenfalls ist es klar, dass in solchen Staaten die Rolle des Staates in der Wirtschaft anders gesehen wird als bei uns. Und demzufolge gibt es auch andere Reaktionen bei angeschlagenen Unternehmen. Bei uns war es schon bis in die 70er Jahre nicht so schlimm. Ab den 80ern kam dann mit Kohl unter dem Vorbild von Thatcher und auch den USA diese ganze Privatisierungswelle ins Rollen. Der Staat wollte sich möglichst komplett aus dem Wirtschaftsleben zurückziehen, wobei selbst vor Leistungen der Daseinsvorsorge nicht halt gemacht wurde, z.B. Krankenhäuser. Die Wende und die Ostbetriebe waren dann ein Festmahl für manche Privatisierungsgeier. 

Heute haben wir die Finanzkrise. Überall soll der Staat die Wirtschaft retten. Nach meinem Eindruck passiert da auch in GB und den USA inzwischen mehr als bei uns. Steinbrück wurde zu seinem Amtsantritt von liberaler Seite als Sanierer begrüßt. Sein erster Vorschlag war die Privatisierung des Autobahnnetzes.... Inzwischen habe ich das Gefühl dass genau die dahinter stehende Geisteshaltung jetzt ein Problem werden könnte. Die Regierung zaudert im Vergleich zu anderen zu sehr, weil sie sich nicht traut die reine Lehre der Marktwirtschaft zu verletzen. IMHO ist das aber auch in weiten Teilen überholtes Denken aus der Zeit vor der Krise.

Das mal generell. Quimonda hatte allerdings schon vor der Krise Probleme. Hier stellt sich die Frage, ob vielleicht die Probleme nicht doch hausgemacht sind. In dem Fall wären Steuergelder zur Stützung das falsche Mittel, weil irgendwelche ineffizienten internen Strukturen so gefestigt werden würden. 

Re: [News] Zukunft von Qimonda weiterhin ungewiss - soll der Staat Unternehmen retten?

Gast
(vom 12.12.2008 um 17:05)
Da ich Qimonda als Lieferant gut kenne, kann ich nur bestätigen, dass die Probleme Hausgemacht sind. Selten trifft man Unzernehmen an, die sich so viel mit sich selber beschäftigen, für Kleinigkeiten endlosen Aufwand betreiben,?. So kann kein Unternehmen Gewinne erwirtschaften.

Re: [News] Zukunft von Qimonda weiterhin ungewiss - soll der Staat Unternehmen retten?

Rico
(vom 12.12.2008 um 20:24)



Das sind meine Worte :)

Re: [News] Zukunft von Qimonda weiterhin ungewiss - soll der Staat Unternehmen retten?

Rico
(vom 12.12.2008 um 20:28)



Nein, das glaube ich nicht. Es gibt hier bei der Entscheidungsfindung sogenannte "Sunken Costs", das heißt, dass vergangene Investitionen nicht in Zukunftskalkulationen einbezogen werden dürfen, weil sie für die aktuelle Entscheidung keinen direkten Einfluss haben. Einfaches Beispiel: Du kaufst dir eine Konzert-Karte, die du aber verlierst. Die Entscheidung, ob du dir nochmal eine Karte kaufen wirst, ist eigentlich unabhängig davon, ob du bereits eine Karte gekauft hast (die du nicht mehr besitzt) weil das Geld sowieso verloren ist. Die Frage lautet also nur, ob dir das Konzert immer noch den selben Preis wert ist. In der Praxis ist das aber natürlich etwas schwieriger.