Nachrichten

Windows 10: Das Anniversary Update manuell anstoßen

Software | 03.08.2016, 15:57
Seit gestern ist das "Windows 10 Anniversary Update" (Version 1607) verfügbar, doch noch wird es nicht allen Nutzern über Windows Update angeboten. Der Umweg über das Media Creation Tool und eine ISO-Datei ist indes nicht notwendig, da Microsoft das Update auch direkt über seine Webseite ermöglicht. Sollte Windows Update noch nicht fündig werden, lässt sich die Aktualisierung auf diese Weise manuell anstoßen. Und das auch auf Maschinen mit nur 1 GiB RAM!

Update, Neuinstallation und neue Anforderungen

Nach einer kurzen Kompatibilitätsprüfung legt die Jubiläumsversion los. Geprüft werden die Lizenz sowie Prozessor, Arbeitsspeicher und Festplattenplatz. Beim Arbeitsspeicher könnte es für einige Systeme eine böse Überraschung geben, denn auch für die 32-Bit-Ausgabe verlangt Microsoft nun mindestens 2 GiB. Insbesondere preiswerte Tablets, die mit vorinstalliertem Windows 10 ausgeliefert werden, haben häufig nur 1 GiB RAM, und deren Arbeitsspeicher lässt sich auch nicht nachträglich aufrüsten. Zum Test haben wir eine virtuelle Maschine mit 1 GiB Arbeitsspeicher und 16 GB Festplattenplatz aufgesetzt und die Installation der 32-Bit-Ausgabe des "Windows 10 Anniversary Update" gestartet.

Die Version 1607 läuft mit 1 GiB RAM ohne zu murren! Somit sollte sich das "Anniversary Update" auch auf speicherarmen Tablets installieren lassen – wir werden dies in Kürze mit einem solchen Gerät ausprobieren. Wenn das "Anniversary Update" über die Webseite oder eine ISO-Datei eingespielt wird, verläuft dies wie ein Upgrade des Betriebssystems. Dabei werden rund 3 GiB heruntergeladen, weshalb man keine Datentarife mit Volumenbegrenzung, sondern nur echte Flatrates nutzen sollte. Nach mehreren Neustarts begrüßt uns Windows 10 und wir müssen die Einstellungen zur Privatsphäre neu setzen. Auch wer die Version 1607 frisch aufsetzt, kann dabei die Verknüpfung mit einem Microsoft-Konto umgehen, und auch auf das Kennenlernen von Cortana können wir nach wie vor verzichten.

Die wichtigsten Neuerungen im Vergleich zur Version 1511

Das "Anniversary Update" (Version 1607), welches auch unter dem Codenamen "Redstone" bekannt wurde, ist ein umfangreiches Feature-Update für Windows 10. Microsoft hat insbesondere OneCore, die neue Multi-Architektur-Technologie der Redmonder, vorangetrieben. Dank OneCore soll derselbe Code auf unterschiedlichen Geräten wie PCs, Tablets, Smartphones oder der Xbox One laufen. Auch für das Internet der Dinge (IoT) und die Augmented-Reality-Brille Hololens setzt Microsoft auf OneCore.

Das Speichermanagement des Betriebssystems hat eine weitere Überarbeitung erfahren, und auf frisch installierten Systemen wurden die Anforderungen an Kernel-Mode-Treiber erhöht: Diese benötigen jetzt EV-Zertifikate (Extended Validation) von Microsoft. Es gibt aber etliche Ausnahmen: Bei Upgrades fallen die verschärften Anforderungen weg, ebenso bei deaktiviertem Secure Boot. Alle Treiber, die vor dem 29. Juli 2015 veröffentlicht wurden, sind ausgenommen. Auch für den Boot-Vorgang benötigte Treiber werden nicht blockiert, da das System ansonsten nicht mehr starten würde. Allerdings werden diese nach dem Systemstart vom Kompatibilitätsassistenten entfernt.

Microsoft hatte alle Suchen, ganz gleich, ob lokal oder im Netz, unter seiner Assistentin Cortana zusammengefasst. Cortana wurde fast überall im System verankert und berücksichtigt nun auch regionale Dialekte und Gepflogenheiten. Die Assistentin funktioniert neuerdings als digitaler Notizzettel und erinnert uns an Bücher, die wir lesen wollen, oder an Mülleimer, die auf die Straße gestellt werden müssen. Diese Notizen lassen sich mit Orten, Zeiten oder Personen verknüpfen, damit sich Cortana zum möglichst passenden Zeitpunkt meldet. Zudem agiert Cortana plattformübergreifend und meldet, wenn der Akku des Smartphones geladen werden muss. Wenn man das Telefon verlegt hat, kann man es aus der Ferne klingeln lassen. Routen und Wegbeschreibungen, welche auf einem Gerät abgefragt wurden, stehen auch auf allen anderen Geräten zur Verfügung. Dank "Messaging everywhere" werden Textnachrichten ans Telefon parallel auch auf dem PC angezeigt. Man kann neue Mitteilungen und Antworten auch am PC verfassen und dann über das Smartphone verschicken. Neu ist zudem, dass Cortana auf dem Sperrbildschirm lauscht und von dort einfache Aufgaben auch ohne Anmeldung ausführt.

Komplett neu hinzugekommen ist Windows Ink, das die Stifteingabe revolutionieren soll. Der Funktionsumfang reicht von Haftnotizen (Sticky Notes) über eine Tafel bis zur Möglichkeit, auf dem Desktop zu zeichnen. Ein virtuelles Lineal mit integriertem Kompass, der das Ausrichten der Zeichenhilfe erleichtert, gibt es ebenfalls. Cortana kann mit Ink erstellte Notizen für Erinnerungen verwenden und über alle Geräte eines Benutzerkontos hinweg teilen. Handschriftlich notierte Telefonnummern, E-Mail-Adressen und URLs werden automatisch erkannt und können mit den passenden Anwendungen genutzt werden. Windows Ink wurde bereits in diverse Apps, darunter Maps, Edge und Office, integriert. Auf Geräten mit aktivem Stift, beispielsweise dem Surface Pro 4 oder dem Surface Book, ist der "Windows Ink Workspace" automatisch aktiviert, alle anderen können die Funktion über einen Rechtsklick auf die Taskleiste zuschalten.

Eine weitere Neuerung ist das "Windows Subsystem for Linux" (WSL), mit dem sich für Linux geschriebene Binärdateien im ELF-Format nativ unter Windows 10 ausführen lassen. WSL ist aus einer Zusammenarbeit von Microsoft mit dem Ubuntu-Entwickler Canonical entstanden. Microsoft liefert hierfür eine zu Linux kompatible Kernel-Schnittstelle, die selber keinerlei Linux-Code enthält, während Canonical die Binärdateien für den User-Mode von Ubuntu Trusty Tahr zur Verfügung stellt. Eigentlich ist diese Kompatibilitätsebene in erster Linie für Kommandozeilenprogramme gedacht, doch Tüftler haben bereits ganze Desktop-Umgebungen zum Laufen bekommen.

Der Internetbrowser Edge hat Erweiterungen bekommen, und man kann Tabs anheften. Das überarbeitete Startmenü zeigt oben weiterhin die am häufigsten verwendeten sowie die neuesten Apps, doch dann folgt die Liste aller Apps. Das eigene Konto, Einstellungen und Ein/Aus weichen nach links aus und sind dort nur noch als Icon (dafür aber immer) zu sehen. Im Tablet-Modus wird der Platz auf dem Bildschirm besser ausgenutzt, beispielsweise durch die bildschirmfüllende App-Übersicht. Alles rund um den Akku wurde in den Energiesparoptionen zusammengefasst. Das Hintergrundverhalten lässt sich direkt aus der Liste der aktiven Apps verändern, neu ist dabei die Option "von Windows verwaltet". Diese hält Apps bei aktivierter Stromsparfunktion an und schließt jene, die längere Zeit nicht mehr genutzt wurden, automatisch. Microsoft hat auch alle Emojis grafisch aufgewertet und für diese unterschiedliche Hauttöne bereitgestellt.

Beim "Anniversary Update" wurde außerdem die Barrierefreiheit deutlich verbessert. Beispielsweise lesen die Stimmen der Sprachausgabe fast doppelt so schnell und schaffen rund 800 Worte pro Minute. Es gibt auch neue Sprachen wie Arabisch (Ägypten), Dänisch (Dänemark), Finnisch (Finnland), Französisch (Kanada), Katalanisch (Spanien), Niederländisch (Belgien, Niederlande), Norwegisch (Norwegen) , Portugiesisch (Brasilien, Portugal), Spanisch (Mexiko), Schwedisch (Schweden) und Türkisch (Türkei). Weiterhin kann man die Ausführlichkeit der Angaben in sechs Stufen einstellen; diese reichen von reinem Text bis hin zur Beschreibung von Formatierung und Textfarbe. Ähnlich verhält es sich mit der Zeichensetzung. Darüber hinaus wurden Apps wie Microsoft Edge, Mail, Cortana und Groove im Hinblick auf ihre Barrierefreiheit optimiert. Übrigens: Wer solche Hilfstechnologien nutzt, darf Windows 7 oder 8.1 weiterhin kostenlos auf Windows 10 aktualisieren.

Autor: mid
[pg]







Stichworte zur Meldung: Manuell Update Anniversary Das 10: Windows