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LG und Samsung in Problemen wegen bankrotter Großreederei

Wirtschaft | 12.09.2016, 13:18
Auf den Schiffen der südkoreanischen Großreederei Hanjin Shipping Co., die derzeit ziellos auf den sieben Weltmeeren treiben, befinden sich Waren im Wert von 16 Billionen Won (ca. 12,96 Milliarden Euro). Dummerweise musste Hanjin Shipping am ersten September Konkurs anmelden und kann sich weder Hafengebühren noch Schlepper leisten. Zudem befürchtet das Unternehmen die Beschlagnahme seiner Schiffe.

Das weltweit siebtgrößte Transportunternehmen für Containerschiffe hat einen Marktanteil von 2,9 Prozent und wird besonders stark von südkoreanischen Unternehmen wie LG und Samsung genutzt. Insgesamt soll Hanjin Shipping über 141 Schiffe verfügen, von denen 128 einsatzbereit sind. Allerdings scheint die Reederei 61 ihrer Containerschiffe von anderen Firmen gemietet zu haben. Nach Angaben der "Korea International Trade Association" hat Hanjin Shipping offene Rechnungen mit einem Volumen von 610 Milliarden Won (ca. 494 Millionen Euro).

Die Großreederei ist schon seit einiger Zeit hoffnungslos überschuldet, doch jetzt haben die Banken den Geldhahn zugedreht und damit den Konkurs herbeigeführt. Nun versuchen die Gläubiger, die Schiffe bei Einfahrt in die Häfen beschlagnahmen zu lassen, weshalb Hanjin Shipping seine Besatzungen angewiesen hat, auf offener See zu ankern. Doch das kann nicht mehr lange gutgehen, da Wasser und Nahrung knapp werden. In China und Singapur wurden bisher elf Schiffe sichergestellt, darunter auch die Hanjin Rome mit ziemlich heikler Fracht.

Die Hanjin Rome sollte nämlich Teile eines Atomkraftwerks in die Vereinigten Arabischen Emirate bringen, das dort unter Federführung der "Korea Electric Power Corp" (KEPCO) gebaut wird. Andere Schiffe transportieren Mobiltelefone, Tablets und Unterhaltungselektronik für die beiden südkoreanischen Branchengrößen Samsung und LG. Beide Firmen sind derzeit bemüht, ihre Waren von den Schiffen der Pleitereederei zu holen, doch die Rechtslage ist kompliziert. Schlimmstenfalls könnte sich die Freigabe der Waren über etliche Monate hinziehen.

Den Löwenanteil der Schulden schultert die staatliche "Korea Development Bank", die sich derzeit mit der südkoreanischen Regierung um eine Lösung bemüht. Dabei geht es keineswegs um die Rettung der Reederei, sondern lediglich um das Löschen der Waren. Südkoreas Regierung hat bereits klargestellt, für Hanjin Shipping nicht einen müden Won aus der Steuerkasse nehmen zu wollen. Ob sich die Verantwortlichen auch Gedanken über die Schiffsbesatzungen machen, denen so langsam die Vorräte ausgehen, lässt sich den internationalen Presseberichten nicht entnehmen.

Die südkoreanischen Fahrzeughersteller Hyundai und Kia scheinen indes nicht betroffen zu sein, mit Hyundai Merchant Marine steht ihnen eine konzerneigene Alternative zur Verfügung. Die Fahrzeuge für den europäischen Markt fertigen Hyundai und Kia ohnehin überwiegend vor Ort und nicht in ihrem Heimatland.

Autor: mid
[pg]






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