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Verbraucherschutz mahnt WhatsApp wegen Datenweitergabe ab

Internet | 19.09.2016, 20:06
Dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ist es ein Dorn im Auge, dass sich WhatsApp in seinen neuen Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen das Recht einräumt, die Daten von Benutzern und deren Kontakten zu Werbezwecken an den Mutterkonzern Facebook weiterzureichen. Der Anbieter hat nun bis zum 21. September Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben.

Facebook geht es darum, die Internetnutzer und ihre Verbindungen noch genauer identifizieren und seine Werbeanzeigen noch besser auf diese zuschneiden zu können. Und das ist durchaus problematisch, denn während WhatsApp bisher ein gutes Datenschutzniveau hatte, ist das von Facebook bekanntlich unterirdisch. Dies war schon im Jahr 2014 so, und daher ermahnte die US-Handelsbehörde FTC (Federal Trade Commission) die beiden Firmen angesichts der bevorstehenden Übernahme, dass sie getätigte Versprechen im Hinblick auf den Datenschutz auch zukünftig zu halten hätten:
    "We want to make clear that, regardless of the acquisition, WhatsApp must continue to honor these promises to consumers. Further, if the acquisition is completed and WhatsApp fails to honor these promises, both companies could be in violation of Section 5 of the Federal Trade Commission (FTC) Act and, potentially, the FTC's order against Facebook."

Beide Firmen erklärten damals, dass sich für ihre Benutzer nichts verändern würde und WhatsApp auch nach der Übernahme eigenständig bleibe. Ein Bruch der Datenschutzversprechungen kann laut FTC zu einer empfindlichen Strafe für Facebook führen. Um das zu vermeiden, räumt WhatsApp seinen Bestandskunden nun eine Opt-out-Möglichkeit an:
    "Wenn du ein bestehender Nutzer bist, kannst du wählen, deine WhatsApp-Account-Informationen nicht mit Facebook zu teilen, um deine Facebook-Werbung und Produkterlebnisse zu verbessern. Bestehende Nutzer, die unseren aktualisierten Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie zustimmen, haben weitere 30 Tage Zeit, diese Auswahl zu treffen, indem sie zu Einstellungen > Account gehen."

Auch wenn man die neuen Nutzungsbedingungen und die überarbeiteten Datenschutzhinweise akzeptiert, kann man den Datenaustausch binnen 30 Tagen wieder deaktivieren. Neukunden haben indes keine Wahl und müssen den fauligen Datenfisch schlucken. Der vzbv sieht hierin einen schleichenden Trend: Insbesondere große Unternehmen wissen, dass es zu ihren Diensten kaum sinnvolle Alternativen gibt, und erweitern sich nach und nach ihre Befugnisse bezüglich des Umgangs mit Kundendaten.

Und dies betrifft keinesfalls nur Internetdienste, sondern oftmals auch die Softwarekomponenten vernetzter Gerätschaften. Was Daten betrifft, herrscht weltweit Goldgräberstimmung: Zwar hat kaum jemand einen Plan, doch alles könnte sich in Zukunft als Goldader entpuppen, und so wird gesammelt und gespeichert, was die Datenträger hergeben. Die Hoheit über unsere Daten haben wir längst verloren.

Autor: mid
[pg]







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