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LKA ermittelt inzwischen

Amazons Marketplace zurzeit von Betrügern geflutet (Update)

Internet | HT4U.net
Wer sich in letzter Zeit auf Amazon nach Technikangeboten umgeschaut hat, wird überrascht an der einen oder anderen Stelle sehr billige Angebote im Marketplace entdeckt haben, welche weit unterhalb der regulären Angebote liegen. Meist sind es neue Verkäufer ohne Bewertungen, welche die Amazon-Kunden dazu bewegen wollen, den Handel außerhalb der Plattform auszuführen. Plötzlich tauchen hier aber auch unbescholtene Händler mit positiven Bewertungen auf, welche Elektronik zu Dumping-Preisen anbieten. Die Betrüger haben nämlich schlicht deren Onlineshop geknackt und übernommen.

Eine Samsung 850-EVO-SSD mit 2 Terabyte Kapazität für nur 298 Euro oder ein Dell XPS-13-Notebook für nur 600 Euro? Wäre das nicht toll? Der Autor dieser Zeilen ist bereits vor vielen Wochen über solche Angebote im Amazon Marketplace gestolpert. Die neuen Verkäufer weisen grundsätzlich darauf hin, dass vor dem Kauf des Produktes unbedingt E-Mail-Kontakt hergestellt werden müsse. Wer das Produkt schlicht über Amazon ordert, erhält noch am gleichen Tag eine Stornierung der Bestellung.

Mittels E-Mail-Verkehr versucht man den Kunden dann von der Amazon-Plattform und deren Schutzmechanismen wegzulocken. Wer darauf reinfällt und Geld überweist, sieht es nie wieder. Eigene Meldungen zu solchen Vorgängen an Amazon führten dazu, dass die entsprechenden Anbieter sofort gesperrt wurden. Doch schon am nächsten Tag waren sie wieder aktiv. Der gesamte Marketplace im Computer- und Elektronikbereich scheint von diesen Kriminellen geflutet zu sein und Amazon wird nicht Herr darüber, diese anhaltend ausfindig zu machen und zu löschen.

Man sollte nun unterstellen, dass die Amazon-Kunden ja nicht blöd und sich im Klaren sind, dass solch ein neuer Verkäufer, welcher die Geschäftsabwicklung auf Amazon anstößt, aber außerhalb der Plattform abwickeln lässt, sicher nichts Gutes im Schilde führt. Was aber nun, wenn es noch dreister wird und plötzlich renommierte Marketplace-Verkäufer solche Dumping-Angebote unterbreiten und um E-Mail-Kontaktaufnahme bitten?

Bild: Amazons Marketplace zurzeit von Betrügern geflutet (Update)
Screenshot von heute
Anbieter-Shops gehackt

Am vergangenen Wochende ereignete sich ein Zufall, bei welchem unsere Kollegen von Au-ja.de die Shop-Übernahme live mitverfolgen konnten. Ein Shop aus Österreich, welcher üblicherweise vollkommen andere Produkte als Computerelektronik im Sortiment hatte, stellte binnen Stunden sein gesamtes Sortiment auf Elektronikangebote zu Dumpingpreisen um.

Die Kollegen nahmen Kontakt zu dem namhaften Unternehmen auf, und dieses bestätigte die Shop-Übernahme, konnte aber kurzfristig das Passwort ändern und den Angreifer wieder aussperren. Die internen Prüfungen dort ergaben, dass ein Mitarbeiter über eine Phishing-Mail das Kennwort preisgab, indem die Mail auf eine identisch aussehende Amazon-Seite für Verkäufer gelockt hatte. Das Unternehmen konnte größeren Schaden vermeiden und hat den Fall wohl auch polizeilich zur Anzeige gebracht.

Doch was macht Amazon? Bei Meldung die betrügerischen Accounts sperren, und noch während dort gesperrt wird, marschieren die Kriminellen wieder durch die Hintertür herein. Obiger Screenshot wurde während des Verfassens dieser Nachricht erstellt und belegt, dass Amazon ein Problem in seinem Marketplace hat. An diesem wunden Punkt sollte das Unternehmen dringend tätig werden, wenn es nicht mit Rufschädigung durch die Betrüger rechnen will.

Grundsätzlich aber noch einmal der Hinweis: Käufe auf Amazon prinzipiell über die Amazon-Plattform direkt abwickeln und sich niemals dazu verleiten lassen, außerhalb der Plattform ein Amazon-Geschäft zu tätigen. Dann steht man mehr oder minder auf der sicheren Seite.

Update 13.11.16:
Zu unserer eigentlichen Berichterstattung vom 18. Oktober 2016 gibt es neue Informationen. Zwar sind – wie ein Blick auf den Amazon-Marketplace offenbart – die Betrüger weiterhin mit der gleichen Masche unterwegs, zwischenzeitlich haben sich die Süddeutsche Zeitung und andere Medien allerdings auch in die Berichterstattung eingeklinkt und vermelden, dass das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachen Ermittlungen anstelle. Hier haben sich wohl geprellte Opfer gemeldet und Anzeigen erstattet.

Ein weiterer Fall von gekaperten Onlineshops wurde ebenfalls bekannt. Auf dem gleichen Weg wie von uns bereits zuvor geschildert, wurde ein Onlineshop in Nordrhein-Westfalen übernommen. Die von den Kriminellen eingestellten Angebot sorgten für 400 Bestellungen innerhalb von nur einer Stunde. Im Ergebnis informierte der Händler Amazon, welcher das Konto vorrübergehend sperrte und die Bestellungen stornierte. Zum Ärger der Kunden, welche keine Aufklärung über die Gründe erhielten, und damit zum Ärger des Anbieters, welchem nun teils mit rechtlichen Schritten seitens der Kunden gedroht werde.

Noch immer hat Amazon keine Vorkehrungen getroffen, den Betrügern im Vorfeld entgegenzutreten. So schwierig wäre dies noch nicht einmal, wenn man entsprechende Filter einbaut, so dass die zusätzlichen Hinweise à la "Kontaktieren Sie uns vor Bestellung!" in diesen Angeboten schlicht unterbunden werden könnten.

Wir sind überzeugt davon, dass die breitere Medienunterstüzung nun knapp einen Monat nach unserer ersten Berichterstattung durchaus Druck auf den Online-Händler und seine Plattform ausüben und Amazon jetzt nach Lösungen suchen wird.
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