Einer Umfrage zufolge will jeder zweite Schüler Informatik als Pflichtfach in Schulen, während sogar drei von vier Eltern sich für dieses Fach aussprechen. Zugrunde liegen die Daten der Forsa, ermittelt im Auftrag der BITKOM, dem Bundesverband für Informatik und Telekommunikation. Weiterhin fordert die BITKOM auf Basis der Ergebnisse einen höheren naturwissenschaftlichen Anteil in Schulen, der bisher bei 22 Prozent der Wochenstunden liege und besser ein Drittel einnehmen sollte. Interessant ist dieses Ergebnis im Vergleich zu kürzlich veröffentlichten Zahlen, wonach 60 Prozent aller Deutschen einen Internet-Zugang besäßen. Doch ob mehr Informatik in Schulen Sinn macht, dürfte auch von anderen Faktoren abhängen.
So belegt die Studie zwar, dass nur 22 Prozent der Schüler gegen ein Pflichtfach sind und und 24 Prozent unentschlossen, doch stellt sich die Frage, von welcher Seite die Informatik überhaupt betrachtet wurde. Noch immer denkt die Mehrzahl der Anwender, Informatik könne man mit "Computernutzung" gleichsetzen, doch geht es in dem Bereich viel mehr um grundlegende Funktionsweisen von Informationstechnik in Hard- und Software. Vielmehr wäre für Schüler wohl ein Fach Informationsverarbeitung sinnvoll, dass sie neben dem verantwortungsvollen Umgang mit der Technik in Hinsicht auf Datensicherheit auch für die Nutzung als Hilfsmittel für die Informationsbeschaffung und ihre Bewertung fit macht. Und diese Anforderungen ließen sich auch leicht erfüllen, wenn der Computer in anderen Fächern wie Sprachen oder den Naturwissenschaften häufiger zum Zuge käme.
Ob dafür ein zusätzliches Pflichtfach notwendig ist, das etwa die Grundlagen von Programmierung näher bringt, ist fraglich. Auf dieser Basis könnte schließlich auch die Automobilindustrie einen größeren technischen Anteil für die Grundlagen des Maschinenbaus fordern.
Offensichtlich verkennen viele die eigentliche Aufgabe der Schulen, die nicht umsonst als "allgemeinbildend" gelten: Lehren, selbst zu lernen. Die Basis hierfür wird mit Lesen und Schreiben geschaffen, später durch allgemeine Grundlagen aus vielen Fachbereichen ergänzt und im Abitur letztendlich in Orientierung an den Neigungen der einzelnen Schüler vertieft. Eine Aufgabe dürfte daher eher sein, das Interesse am selbständigen Lernen zu fördern und den Schülern Möglichkeiten zu eröffnen, seine Interessen auch wahrzunehmen.
[rl]