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 AMD: schwarzes Jahr, schwarzer Monat, schwarzer Freitag

Prozessoren | 07.12.2007, 21:39
... nur leider keine schwarzen Zahlen und nach dem heutigen Tag dürfte es sich für diesen Monat dann wohl kaum noch mehr Hiobs-Botschaften finden lassen. Wobei, AMD weiß um die Umstände, die Hiobs-Botschaften gelten erst einmal für die Kunden und die Anleger. Erst heute mittag hatten wir über aktuelle Neuigkeiten zu AMDs K10-Prozessor-Fehler berichtet. Doch waren wir wohl etwas zu schnell - es kommt noch dicker, als man bisher annehmen durfte. Dabei ist es abermals der TechReport welcher in den wirren um die Informationen herumgestochert hat und aktuell sogar Tests zur Performance der Phenom-Prozessoren inkl. Bugfix betrieten hat. In Teilen konnten gar über 50% Performanceeinbruch durch den AMD-Fix festgestellt werden.

Allem voran muss man nun erst einmal richtig stellen, dass es sich nicht um einen Fehler der TLB (Translation Lookaside Buffer) Einheit des Level3-Caches handelt. Vielmehr handelt es sich um einen TLB-Fehler der L2-Cache-Einheit. Daraus könnte man schon auf dem Papier ableiten, dass die von AMD genannten 10% Performance-Einbußen bei der Deaktivierung durchaus untertrieben sein könnten.

Was es mit dem eigentlichen Fehler auf sich hat, das hat AMD bislang noch nicht in offiziellen Dokumenten der Presse zugänglich gemacht, allerdings gibt es dazu inzwischen - eher zufällig erarbeitete - Informationen. Wie Au-Ja.org berichtet, wird der Fehler bei AMD unter dem Erratum 298 geführt:

"The processor operation to change the accessed or dirty bits of a page translation table entry in the L2 from 0b to 1b may not be atomic. A small window of time exists where other cached operations may cause the stale page translation table entry to be installed in the L3 before the modified copy is returned to the L2. In addition, if a probe for this cache line occurs during this window of time, the processor may not set the accessed or dirty bit and may corrupt data for an unrelated cached operation. The system may experience a machine check event reporting an L3 protocol error has occurred. In this case, the MC4 status register (MSR 0000_0410) will be equal to B2000000_000B0C0F or BA000000_000B0C0F. The MC4 address register (MSR 0000_0412) will be equal to 26h."



Durch den Fehler kann es zu inkonsistenten Daten im Level2- und Level3-Cache der Prozessoren kommen wobei im L2-Cache Daten aktualisiert werden, wohingegen im L3-Cache veraltete Daten abgelegt werden. Wenn es in diesem Moment zu einer Prüfung der Cache-Daten kommt, bleibt das System stehen und meldet einen L3-Cache-Fehler.

Laut unserer heutigen Meldung, liegen den Mainboard-Herstellern schon Informationen zum Workaround seit dem 19.11.2007 vor. Offiziell ist allerdings ein solches BIOS nicht zu beziehen. Wie wir berichtet haben, datiert das letzte BIOS beim Hersteller MSI vom 16.11.2007. Doch gibt es gerade für jenes MSI Board offenbar auch schon ein Beta-BIOS, oder zumindest ein nicht öffentlich erhältliches BIOS, welches die TLB-Einheit deaktiviert und den Fehler damit vorerst einmal beseitigt. Dieses BIOS lag dem TechReport vor und damit hat man einen Vergleichstest mit folgenden Resultaten angestellt:

AnwendungTLB aktivTLB-PatchProzentuale Unterschiede
Sandra Cache und Speicher Bandbreite 6527 5922 9,6%
Sandra Speicherbandbreite FPU 5403 3650 38,7%
Sandra Speicherbandbreite ALU 5401 3648 38,7 %
WorldBench MS Office 369 399 7,8%
WorldBench Photoshop CS2 521 595 13,3 %
WorldBench Firefox 298 536 57,1%
WorldBench Windows Media Encoder 248 272 9,2 %
picColor overall Score 9,74 7,21 29,9 %

Teilresultate von TechReport.com


In all seinen Benchmarks ermittelt TechReport einen Schnitt von runden 20% Leistungseinbußen. Darunter fließen zwei Applikationen mit 0,04% Performance-Verlust ein. Und grundsätzlich muss man ebenfalls sagen, dass die Benchmarks in ihrer gesamten Einheit nicht wirklich repräsentativ sind. Nichts desto trotz, sind es eben jene Applikationen, welche TechReport auch bislang zur Leistungseinschätzung verwendet hatte. Sicherlich werden in Bälde auch weitere Benchmarks anderer Seiten folgen - wir überlegen derzeit noch stark, ob es überhaupt Sinn macht, das Muster eines Phenom 9500, wie es hier vorliegt, noch einem Test zu unterziehen.

Bestätigt ist abermals, dass die Opteron K10 Modelle derzeit nur noch an selektierte Anwender ausgeliefert werden. Allerdings könnte dies durchaus auch unter Druck aus dem Server-Bereich erwachsen sein. IBM hat unterdessen gar seine SPEC-Resultate für die eigenen K10-Opteron-Server bei der Standard Performance Evaluation Corp. (SPEC) zurückgezogen.

Auf Magazinen rund um die Börse hört man erneut, dass es nicht verwunderlich sei, wenn Hector Ruiz zu den Vorständen gehöre, welche 2008 abdanken. Dabei hat die Börse aktuell noch den Kenntnisstand von vergangenem Montag bzw. Dienstag, wonach die AMD-Aktie bis zum Mittwoch gar knapp bis unter 9 US-Dollar nachgab, sich am Donnerstag wieder auf knapp über 9 US-Dollar halten konnte und aktuell bei 9,06 US-Dollar gehandelt wird. Den weiteren Weg der Papiere mögen wir nach dem heutigen Tag erst nicht mehr abschätzen wollen.

Es entsteht durchaus der Eindruck, dass AMD mit vorhandenen Informationen sehr lange hinter dem Berg gehalten hat. Die Vorstellung der Phenom-Prozessoren mit diesem Kenntnisstand hätte nicht erfolgen dürfen, die gezeigten Benchmarks zum Start sind unbrauchbar. Aber es war wohl für manche der Entscheidungsträger eben "time to market" - oder vielleicht auch höchste Eisenbahn. Nur zeigen sich die nun in die Öffentlichkeit gelangenden, tröpfelnden Informationen möglicherweise höchst kontraproduktiv. Und für diese Fehler im Marketing, wie sie sich nun zeigen, wird letzten Endes dann wohl doch jemand gerade stehen müssen und das wird dann sicher nicht Intel sein, welchen Hector Ruiz im Laufe der Woche noch die Schuld an AMDs Misere gab.
[pg]



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