Details zum Pentium 4 Extreme Edition (Fortsetzung)
Der bisherige Rückschluss, der im Web gezogen wurde (offenbar zu Recht), ist dass es sich bei dem Pentium 4 Extreme Edition im Kern um einen Xeon MP Prozessor mit Gallatin Core handelt, welcher kürzlich seitens Intel mit 2.8 GHz Takt und FSB800 vorgestellt wurde und normalerweise im Sockel 603 sein Zuhause findet. Dort ist dieser in der Lage, im Multiprozessorbetrieb mit bis zu 4 Prozessoren zusammen zu arbeiten. Die Eckdaten des Pentium 4 Extreme Edition und dieser Server CPUs sind (soweit bekannt) identisch, bis auf die Multi-Processoring Fähigkeit.
Daraus wurde letztlich abgeleitet, dass Intel "schlicht" einen seiner Serverprozessoren rekrutierte, ihn in das Gewand eines Sockel 478 Gehäuses steckte und ihn damit als Extreme Edition ins Rennen schickte und eben jener Schachzug wurde dem Hersteller ein wenig negativ angekreidet. Intel selbst hielt etwaigen Vorwürfen allerdings entgegen, warum man denn nicht einen gut funktionierenden Serverprozessor als Desktop CPU verwenden sollte, denn der Mitbewerber habe es ja vorgemacht. Zum einen darf man dies durchaus als Bestätigung der Vermutung deuten, zum anderen aber muss man Intels Aussage an diesem Punkt wohl zustimmen.
Betrachtet man sich nämlich den Athlon 64 FX, so ist die Ähnlichkeit mit einem Opteron 100er Prozessor schlicht nicht zu leugnen und im Prinzip sahen die anfänglichen AMD Planungen den Zwei-Kanal Speicherprozessor eben auch vorerst nur für den Serverbereich und den Ein-Kanal Athlon 64 für den Desktop Bereich vor. Doch Pläne ändern sich nun einmal, es sei dahin gestellt, aus welchen Gründen.
Und im gleichen Statement setzte Intel noch einmal nach und der Presse entgegen. Die Pentium 4 Extreme Edition Prozessoren seien in den bisherigen, auf das Desktopsegment zugeschnittenen, Mainboards mit i875P und i865 Chipsätzen problemlos zu betreiben und bedürfen dort keinem teueren Server-DDR-SDRAM Speicher. Auch hier ist natürlich etwas Wahres dran, denn zum Betrieb des Athlon 64 FX Prozessors bedarf es im Sockel 940 zwingend DDR-SDRAM Speicher mit registrierten Modulen, die noch teuer und rar (DDR400) sind.

Das frühe Testmuster trägt keine Typenbezeichnung oder Testmusterkennung, lediglich ein Label findet sich auf dem Heatspreader. Ansonsten scheint das P4EE Muster auf den ersten Blick identisch zu den regulären Pentium 4 Modellen zu sein.
Doch ob der problemlose Betrieb der neuen Extreme Edition in den besagten Mainboards tatsächlich ohne weiteres möglich ist, kann durchaus hinterfragt werden. Der Extreme Edition soll nämlich nicht nur extrem an Leistung zulegen, er hat auch mit runden 94 Watt extrem viel Leistungsaufnahme. Zum Vergleich: Der derzeitige Pentium 4 3.2C besitzt hier lediglich eine TDP (Thermal Design Power) Angabe von 82 Watt. Intels Aussage dürfte wohl bedeuten, dass die Hersteller, die sich mit ihren Mainboards exakt an die Intel VRM Vorgaben gehalten haben, keine Bedenken bezüglich Funktionstüchtigkeit haben müssen. Hier werden die Supportlisten der einzelnen Mainboardhersteller in den kommenden Monaten Klarheit schaffen müssen, ob die neuen Prozessoren tatsächlich ohne weiteres in ihren Mainboards betrieben werden können.
Dabei sind wir dann aber auch beim Zeitfaktor. Während AMD offiziell bereits Athlon 64 FX Prozessoren liefern kann, hat Intel schon bei der Ankündigung des Pentium 4 Extreme Edition darauf hingewiesen, dass dieses Modell erst in 30 bis 60 Tagen in den Handel kommen wird, damit also nicht vor November / Dezember käuflich erworben werden kann. Nebenbei bemerkt, war es uns während der Artikelrecherche ebenfalls noch nicht möglich, einen Athlon 64 FX bei Versandhändlern gelistet zu finden.
Was letztlich genaue Preise und Verfügbarkeit der Prozessoren betrifft, so gibt es bis heute noch keine gesicherten Informationen. Intel Deutschland konnte uns hier noch keine exakten Angaben machen. Intel USA hatte sich offenbar gegenüber manchen Kollegen bereits zur etwaigen Preisgestaltung geäußert. Die Rede war hier von einem Großhändlerpreis von ca. 740 US-Dollar bei 1000 Stück Abnahme. Man darf aber durchaus spekulieren, dass Intel hier abermals in Preiskampf zum Mitbewerber treten wird und dessen derzeit teuerster Desktop-Prozessor, der Athlon 64 FX-51, ist mit 733 US-Dollar Großhändlerpreis veranschlagt.
Abschließend noch ein Blick auf die tabellarische Zusammenfassung der Unterscheidungsmerkmale der beiden Pentium 4 Modelle:
| Merkmal |
Pentium
4 3.2 GHz |
Pentium
4 3.2 GHz Extreme Edition |
| Interne
Bezeichnung (Core) |
Northwood |
Northwood-2M |
| Sockel |
478 |
478 |
| Fertigungstechnologie |
0.13µm |
0.13µm |
|
Gehäuse
|
Organisch
|
Organisch
|
| Heatspreader |
Ja |
Ja |
| Transitoren |
55
Millionen |
169
Millionen |
| L1
Cache (Daten / Execution) |
8
KB / 12 Kµops |
8
KB / 12 Kµops |
| L2
Cache |
512
KB |
512
KB |
| L3
Cache |
Nein |
2048
KB |
| Cache
Takt |
voller
Prozessor Takt |
voller
Prozessor Takt |
| Frontsidebus |
200
MHz (QDR) |
200
MHz (QDR) |
| Prozessorbandbreite |
6,4
GB/s |
6,4
GB/s |
| Die-Größe |
131
mm² |
240
mm² |
| Prozessor-Spannung |
1.55V |
1.55V |
| Verlustleistung
(TDP) |
82
Watt |
93,9
Watt |
| Hyper-Threading
Technologie |
Ja |
Ja |
| Multimedia
Befehlssatzerweiterungen |
MMX
/ SSE / SSE2 |
MMX
/ SSE / SSE2 |