Der VIA K8T800 Chipsatz
Nicht immer war es simpel, AMD CPU basierende Plattformen zu konfigurieren. Nur all zu oft wurden an den
Anwender deutliche Ansprüche an Hintergrundwissen zu Treibern und Hardware gestellt - und sicher, nicht ganz
unschuldig an dieser Misere war Chipsatzhersteller VIA, der den überwiegenden Teil an Chipsätzen für diese
Prozessoren lieferte. Kommt Zeit, kommt Rat ... oder aber "kommt Zeit, kommt neuer Chipsatz" - so und nicht anders
war es lange Zeit in diesem Segment bestimmt. Ein unlösbares Problem wurde oftmals durch einen Nachfolgechipsatz
und neue Treiber in den Griff bekommen.
Die bei den Anwendern momentan sehr beliebte Athlon XP Familie birgt bei weitem nicht mehr diese Gefahren.
Die Chipsätze, gleich welchen Herstellers, wurden immer weiter verbessert und mit gravierenden Bugs muss heut
zu Tage kaum noch ein Anwender rechnen. Allgemeine Stabilitätsprobleme in diesem PC-Segment werden überwiegend
durch die Umsetzung von Speicheranbindungen, verschärfte Chipsatztimings und ähnliches hervorgerufen.
Doch damit sollte eigentlich ab sofort Schluss sein. Mit der Einführung der AMD Athlon 64 Prozessoren ist
der Speichercontroller bekanntermaßen in den Prozessor gewandert. Einen Frontsidebus, also eine Kommunikations-
und Datentransferschnittstelle zwischen Prozessor und Speicher gibt es dort nicht mehr. Naja, vielleicht etwas
übertrieben, denn natürlich gibt es so etwas nach wie vor, doch läuft wird es nun im Prozessor selbst umgesetzt
und der Mainboardhersteller hat drauf praktisch keinen Einfluss mehr.
Somit hätten wir einen der kritischsten Faktoren bezüglich Systemstabilität auf AMD Plattformen praktisch
beseitigt und wir müssen gestehen, dass wir selbst höchst zuversichtlich hinsichtlich der Anwenderfreundlichkeit
auf den neuen AMD Plattformen sind. Letztlich bleibt aber noch genug für den Chipsatz und Mainboardhersteller
zu tun, um alles weitere, was ein Mainboard ausmacht, korrekt umzusetzen, dennoch aber deutlich weniger als bisher.
Eben auf Grund des Umstandes, dass AMD nun den Speichercontroller im Prozessor selbst untergebracht hat,
könnte dies eine Erleichterung für den Chipsatzhersteller sein, denn eigentlich bedarf es nun nicht mehr
zwingend einem Zwei-Chip-Konzepte (Northbridge und Southbridge). Der Hersteller müsste praktisch nur noch einen
Single-Chip mit all den Peripherie Einheiten (natürlich samt AGP) produzieren und diesen mittels Hyper-Transport
Protokoll an den Prozessor anbinden. Diesen Weg beschritt beispielsweise NVIDIA mit ihrer
nForce3-Serie.
Im Umkehrschluss bedeutet dies selbstverständlich für den Chipsatzhersteller, dass er sich von gewohnten
Gegebenheiten trennen muss und ein komplett neues Design entwickeln müsste. Im nächsten Schritt führt dies
dazu, dass die Mainboardproduzenten ebenfalls eine komplette Umstellung bei ihren Layouts vornehmen müssen.
Und während NVIDIA diesen Weg einschlug, geht VIA einen komplett eigenen Weg und bleibt bei der Zwei-Chip Lösung.
Wir treffen also auf dem K8T800 Chipsatz weiterhin eine North- und eine Southbridge an. Bedingt dadurch,
dass wir es beispielsweise weiterhin mit der VT8237 Southbridge in der bekannten Anbindung zur Northbridge
zu tun haben, erleichtert dies selbstverständlich den Motherboardherstellern die Arbeit ungemein und
selbstverständlich erspart sich der Chipsatzhersteller teuere Entwicklungs- und Produktionskosten.
Was ist also anders beim VIA K8T800? Die Northbridge ist eigentlich ein wenig verwaist, trägt sich doch
heute praktisch nur noch das AGP 8X Interface in sich. Aber der Raum soll nicht ewig leer bleiben und so
plant VIA hier bereits die Implementierung des VIA VPX2, einer PCI-Express Schnittstelle für kommende
Grafikkartengenerationen, welche uns im nächsten Jahr sicherlich beglücken werden.