Athlon 64 - Ein Rückblick
Etwas verzögert, erst im Jahre 2003, präsentierte AMD erstmals ihre solang diskutierten Hammer-Prozessoren und startete dabei mit der Opteron Serie, welche bis heute auf das Server- und Workstation Segment zugeschnitten ist und deren CPUs mit 940 Pins wohl dort auch noch eine Weile ihr zu hause finden. Erst einige Monate später, im September des vergangenen Jahres, war es dann soweit, dass die Texaner auszogen, um auch den Desktop-Bereich das Fürchten zu lehren. Mit einem Athlon 64 3200+ und einem Athlon 64 FX-51 schickte AMD seine beiden besten Pferde ins Rennen.
Dabei war der Athlon 64 3200+ (2 GHz Takt) auf den Desktop Bereich gemünzt und unterstützte maximal zwei double sided DDR400 Speichermodule, während das Flaggschiff FX-51 (2,2 GHz Takt), ein umbenannter Opteron Prozessor, immerhin vier double sided DDR400 Speicher handhaben konnte. Letzterer sollte die Herzen der Enthusiasten erobern, was ihm bislang nicht wirklich gelang. Bei seiner Einführung, der Nachteil eben von manchen Server-Prozessoren, war er allenfalls in der Lage, teuere registered DDR400 Speicher zu handhaben. Dies in Verbindung mit dem Preis der CPU schreckte doch viele Interessenten ab, jedoch nicht zum Nachteil von AMD. Denn erstmals, seit einer Weile, war es wieder möglich, zum Mitbewerber Intel "leistungsmäßig" aufzuschließen.
Seit diesem Tag war es auch der Hardwareszene möglich, Erfahrungen mit den neuen AMD Prozessoren zu sammeln. So bekamen auch alte Hasen frisches Streu: Der Umstand der geänderten Architektur, dass es den alten Bekannten namens FrontSideBus nicht mehr gab und man plötzlich mit ungeraden Speichertakten konfrontiert wurde, stellte auch hart gesottene Hardwareredakteure erst einmal vor Denksportaufgaben.
Eine von AMD in den Datenblättern veröffentlichte Teilertabelle gab Aufschluss über das Verhalten des CPU-Referenztaktes zu den verschiedenen DDR-Speicherfrequenzen. Die Verwendung von DDR333 Speichermodulen bedeutete im Ergebnis nämlich nicht, dass diese auch mit exakt 166 MHz DDR betrieben werden. Zurückzuführen war dies auf die technische Umsetzung im Opteron & Athlon 64 Prozessor und den dort hinterlegten Multiplikatoren:

Nehmen wir uns als Beispiel einen Opteron 144 bzw. einen Athlon 64 2800+ mit 1.8 GHz Takt, so errechnet sich dieser Takt aus dem internen Grundtakt (Referenztakt) von 200, multipliziert mit einem Multiplikator von 9. Nun findet sich allerdings bei einem Prozessortakt von 1800 MHz absolut kein gerader Teiler, welcher einen Speichertakt von 166 MHz DDR ermöglichen würde.
Doch es bedarf eines passenden Speicher- wie Prozessortaktes zur Berechnung eines geraden Teilers. AMD gibt in der Tabelle unter Einsatz von DDR333 Speicher (166 MHz DDR) einen realen Speichertakt von 163,63 MHz unter Verwendung eines Opteron 144 & Athlon 64 2800+ an. Dies entspricht einem internen Teiler von 11. Somit läuft also der DDR333 Speicher mit einem solchen Prozessor ein wenig unterhalb seiner Möglichkeiten. Erst bei 2000 MHz CPU-Takt und einem Teiler von 12 ergibt sich die exakte Speicherfrequenz von 166,66 MHz.
Doch das alles sollte im Desktop Bereich nicht lange stören, denn wie unweigerlich aus der Tabelle abzuleiten ist, kann man mit einem DDR400 Speicher (200 MHz DDR) dieses Problem nicht antreffen. Und da Intel mit seinen FSB800 Prozessoren dann letztlich doch eine DDR400 Spezifikation zustande brachte, gerieten diese geringfügigen Nachteile des Athlon 64 & Opteron ein wenig in Vergessenheit.
Alles in allem blieb der Athlon 64 erst einmal ein teueres Produkt. Erstmals mit der Vorstellung des Athlon 64 3000+ im Dezember 2003 kam es zu einer gesteigerten Nachfrage wegen des günstigeren Modells. Hier begann AMD mit dem Spielen an den Cache-Größen zur Bestimmung der Modellbezeichnung. Der in den Roadmaps angekündigte Newcastle Prozessorkern sollte, im Gegensatz zu den bisherigen Athlon 64 & Opteron Modellen, lediglich noch über einen L2 Cache von 512 KB (statt 1 MB) verfügen.
Doch noch immer entstand kein Boom auf die Athlon 64 Familie, obwohl sie in aller Munde waren und die AMD Fangemeinde deren Leistung immer wieder hervorhob. Eingefleischte AMD Fans sprachen vom "Warten auf den Sockel 939 Prozessor", mit welchem alles besser wird. Ja, dann werde man zuschlagen, so verlauteten die Parolen in den Foren.

Es war schon eigenartig, dass man bereits bei Einführung des Athlon 64 FX-51 über einen Prozessor in 2004 mit 939 Pins sprach. Ja, es würden die sechs bis acht Layer PCBs (teure Platinen) bei den Mainboardherstellern entfallen, und weit wichtiger, er benötige keinen teueren registered DDR400 Speicher mehr. Zuletzt, das darf man nicht außer acht lassen, der Sockel 939 Prozessor würde dann ebenfalls über Dual Channel DDR400 Speichercontroller wie Opteron und Athlon 64 FX verfügen. Soweit die Spekulationen.