Intro
Eigentlich sahen Intels Roadmaps einmal vor, noch in diesem Jahr die 4-GHz-Taktgrenze zu erreichen. Der im Februar des Jahres eingeführte Prescott-Kern in 90nm sollte als Basis hierfür dienen, doch dann kam alles etwas anders als erwartet. Der mit hohen Leckströmen geplante neue Pentium 4 präsentierte sich neben einer deutlich gesteigerten Leistungsaufnahme ebenfalls mit sehr hohen CPU-Temperaturen. Zudem verlängerte Intel erneut die Pipeline des Kerns, wodurch sich erneut, je nach Applikation, eine schlechtere Pro-MHz Leistung einstellte, obgleich der L1 und L2 Cache zum Vorgängermodell gesteigert wurde.
Im Oktober schwor der Prozessorspezialist dann dem Gigahertz-Wahn ab. Ein 4 GHz Pentium 4 Modell wird es demnach nicht geben. Intel konzentriert sich daher nun deutlicher auf Verbesserungen derzeitiger CPUs sowie auf den Ausbau der Feature-Liste bei kommenden Prozessoren und wird hinsichtlich künftiger Leistungssteigerungen im Jahre 2005 mit Dual Core CPUs antreten.
Heute führt Intel den Pentium 4 570 und 570J in den Markt ein. Ein ruhiger und stiller Start soll es sein, denn die Neuerungen sind aus Sicht des Herstellers nicht so wesentlich, als dass es einen groß angelegten Launch rechtfertigen würde.
![Intel Pentium 4 570J [3,8 GHz]](/images/reviews/2004/intel_pentium4_3.8ghz/intro.jpg)
Dennoch gestattete es Intel uns, den neuen 570J mit 3,8 GHz Takt ausführlich zu testen - und daß, was uns dann der neue Prozessor im neusten E0-Stepping zu bieten hatte, war durchaus ein Blick wert und überraschte uns teilweise doch deutlich. Es waren nicht die 200 MHz Takt mehr, gegenüber dem bisherigen Modell 560, nein es waren kleine, feine Änderungen und Verbesserungen in der Fertigung, wie im Feature-Set. Doch zu viel wollen wir besser nicht vorwegnehmen.
Unser Dank gilt an dieser Stelle Intel Deutschland für das entgegen gebrachte Vertrauen, ebenso gilt unser Dank Speicherspezialist Corsair, welcher uns mit schnellen DDR2-Speichern ausstattete.
E0-Stepping: Thermal Monitoring 2
Es ist weitläufig bekannt, dass der Pentium 4 (und auch schon der Vorgänger) über einen Überhitzungsschutz verfügt. Wird der Prozessor zu heiß, erfolgt das Processor Hot (Prochot#) Signal und das Pentium 4 System beginnt zu "throtteln". Im groben ist es das, was Thermal Monitoring 1 bislang beschrieb. Allerdings ist die Annahme der meisten bislang gewesen, dass das Throtteling ein Herabsetzen des Taktes zur Folge hatte. Doch dies ist nicht ganz korrekt, denn eigentlich wird dabei für einen gewissen Zeitraum der Takt ausgesetzt, bevor er wieder weitergeführt und erneut ausgesetzt wird. Erst im jetzigen Thermal Monitoring 2 erfolgt das Heruntersetzen des Prozessortaktes, bei gleichzeitigem Absenken der CPU Spannung.
Schon eine Weile finden sich im Markt Celeron D Modelle des Herstellers, welche mit einem "J" am Ende ihrer Namensgebung gekennzeichnet sind. Dieses J soll die vorhandene Option Execution Disable Bit (XD-Bit) signalisieren, welche Intel bereits vor einiger Zeit bei seinen Server-CPUs implementiert hat und später auch in aktuellen Athlon 64 und Opteron Prozessoren unter der Bezeichnung NX umgesetzt wurde.
![Intel Pentium 4 570J [3,8 GHz]](/images/reviews/2004/intel_pentium4_3.8ghz/tm2_block.jpg)
E0-Stepping: Execute Disable Bit (XD-Bit)
Seit Windows XP mit installiertem Service Pack 2 wird diese Funktion auch von Desktop Betriebssystemen unterstützt und stellt ein Sicherheitsfeature dar, dessen Funktionen wir hier schon einmal detailliert erläutert haben. Im Prinzip stellt das XD-Bit einen Virenschutz gegen eine spezielle Form von Viren dar, welche das System über Buffer Overflow Attacken angreifen wollen.
Im Prinzip ist das Execute Disable Bit in allen Intel Prozessoren mit E0-Stepping enthalten, allerdings nicht in allen aktiviert. Wie der Hersteller uns mitteilte, gibt es nach wie vor Interesse, insbesondere im Firmenbereich, an Prozessoren, welche diese Funktionen nicht bieten. Damit will man sich dort absichern, dass spezielle, wichtige Programme nicht plötzlich auf Grund der neuen Option ihren Dienst verweigern.
Und natürlich gibt es Applikationen, welche mit XD-Bit ihre Probleme haben können. Wir erinnern uns an den beliebten DivX Video-Codec, der unter Verwendung dieser Sicherheitsfunktion und dem Service Pack 2 ein Update auf Version 5.21 benötigt. Ein weiteres Beispiel ist unsere Demo-Version von Unreal Tournament 2004, welche nach vollendetem Benchmark sich mit einem Bluescreen verabschiedet. Intels Empfehlungen an die Mainboardhersteller lauten hier im übrigen auch, eine Option zur Deaktivierung im BIOS umzusetzen.
![Intel Pentium 4 570J [3,8 GHz]](/images/reviews/2004/intel_pentium4_3.8ghz/bios_nx.jpg)
Trifft man im Markt künftig also auf eine Intel CPU Variante mit dem Hinweis "J" in der Namensgebung, kann man sich sicher sein, dass es sich hier um einen Prozessor mit aktiviertem XD-Bit handelt. Umgekehrt gilt dies aber leider nicht, denn es besteht durchaus die Möglichkeit, dass auch eine CPU ohne die Namenserweiterung über das aktivierte XD-Bit verfügt. Wirkliche Sicherheit bringt in solchen Fällen nur das Einsehen der Intel-Spec Nummern, die dann Klarheit schaffen.