E0-Stepping: Enhanced Halt State (C1E)
In Verbindung mit Energieoptionen des BIOS ist der Halt-Befehl aktueller Betriebssysteme an den Prozessor eigentlich schon ein alter Hut. Befindet sich ein System in einer Phase, in welcher keine Arbeiten anstehen, spricht man vom Idlen. Dieser Idle-Zustand wird durch den vom Betriebssystem erteilten Halt-Befehl erreicht, der die Recheneinheiten der CPU abschaltet und damit Strom spart und die CPU dadurch auch abkühlen lässt.
Im neuen C1E, was Intel als enhanced Halt State bezeichnet, wird der Prozessor (E0-Stepping) dann zusätzlich noch mit geringerer Spannung versorgt und gleichzeitig wird der Prozessormultiplikator und damit der Prozessortakt heruntergesetzt. Als vorgesehene niedrige Taktung sieht Intel dabei 2,8 GHz, also einen CPU-Multiplikator von 14 bei 200 MHz FrontSideBus vor.
![Intel Pentium 4 570J [3,8 GHz]](/images/reviews/2004/intel_pentium4_3.8ghz/cpuz_e0step.png)
Das beliebte Utility CPUz war noch in der Lage festzustellen, dass der CPU Multiplikator herabgesetzt wird, jedoch nicht mehr, dass der CPU Takt lediglich noch 2,8 GHz betrug. Intel selbst bietet derzeit noch kein Utility an, welches das Herabsetzen des Taktes anzeigt und es ist auch nachvollziehbar, dass derzeit jegliche Tools hier scheitern, denn der Programmstart oder ein Befehl an das Programm, das Auslesen zu starten, ruft den Prozessor kurzfristig aus dem Idle Mode zurück.
Praktisch konnten wir durch diese Umsetzung feststellen, dass die CPU-Spannung unseres Testmodells von regulären 1,303V auf 1,179V abgesenkt wurde und die CPU-Temperatur im Idle-Mode sich bei ca. 35-37°C einpendelte. Der Lüfter unseres Kühlers drehte dabei mit knappen, lautlosen 1000 Umdrehungen pro Minute.
E0-Stepping: Temperaturverhalten
Natürlich wird an dieser Stelle die Frage laut, warum Intel nicht Nägel mit Köpfen machte und die wohl schon in den CPUs implementierten, doch deaktivierten Enhanced Speed Step Optionen aktivierte. Die Intel Speed Step Technology ist schon lange Zeit vom Notebook Bereich her bekannt und bei aktuellen Xeon Prozessoren bereits aktiv. Im Desktop Segment sind allerdings laut dem Hersteller die Validierungen noch nicht abgeschlossen und so bleibt es, bis zur Einführung der 6xx Modelle Anfang kommenden Jahres, vorerst "nur" bei der Umsetzung des Enhanced Halt State.
Nach unseren Erklärungen ist allerdings auch klar, dass diese Funktion sich nur günstig auf Stromverbrauch und Temperaturentwicklung auswirkt, solange das System im Idle-Mode ist. Sobald Rechenaufgaben anstehen, läuft die CPU mit regulärer Spannung und Takt. Jedoch überraschte uns Intel auch hier.
Hatten wir in der Vergangenheit hinsichtlich Temperaturentwicklungen am Pentium 4 mit Prescott-Kern kein gutes Haar gelassen, verblüffte uns das aktuelle Testmuster im E0-Stepping. Die bisher hier angetretenen Prescotts erreichten, auch unter Verwendung von aktuellen Top-Luftkühlern und sogar Luftkanälen durchaus Kerntemperaturen von bis zu 76°C. Dabei drehten die eingesetzten Lüfter dann letztlich so hoch, dass von angenehmer Arbeitsumgebung nicht gesprochen werden konnte.
![Intel Pentium 4 570J [3,8 GHz]](/images/reviews/2004/intel_pentium4_3.8ghz/intel_mon.png)
Der heute angetretene Pentium 4 570J war bei gleichem Kühler (Pentium 4 Referenzmodell) auf eine maximale Temperatur von 65°C zu bringen und dabei fuhren wir dann auch Lasttests mit mehreren gleichzeitig laufenden Applikationen auf, während wir bei früheren Tests zur Temperatur des Prescott lediglich Prime95 als Lastprogramm eingesetzt hatten. Der Lüfter, welcher sich dann in den vergangenen Tests als störend zeigte, arbeitete in den aktuellen Tests mit Umdrehungen von 1900 bis 2100 in der Minute und durfte dabei als absolut leise bezeichnet werden.
In der heute angetroffenen Konstellation dürfen wir also bescheinigen, dass die Summe der Entwicklungen nun beim E0-Stepping endlich fruchtete. Dieser Testkandidat verhielt sich im Bereich Temperaturen und Lautstärke der Kühlung sogar noch besser als sein Vorgänger in 130nm und keinesfalls schlechter als die derzeitigen AMD Athlon 64 Modelle mit Cool'n'Quiet. Wie wir an dieser Stelle bereits aufgezeigt haben, zeigen sich bei leiser Kühlung auch beim Athlon 64 schnell Kerntemperaturen von bis zu 67°C, bei den schnellsten Modellen sogar bis zu 76°C. Unter Einsatz von sehr guten Kühlern erreichten wir dort dann auch keine besseren Resultate als 66°C.
So räumt Intel zumindest in diesem Bereich nun einen lange anhaltenden Kritikpunkt an seinen Prescott-Kernen aus. Die Kritik hinsichtlich der teils sehr hohen Leistungsaufnahme unter Last bleibt allerdings bestehen.