Los

Intels Multi-Core-Pläne

Roadmap für Server-Prozessoren

Im Serverbereich findet ab 2007 ebenfalls ein Quad-Core-Prozessor alias Clovertown seinen Platz auf der Roadmap, der sich anhand der bisher bekannten Details jedoch kaum vom Kentsfield unterscheidet. So scheint sich die Vermutung zu bestätigen, dass der "Desktop-Kentsfield" eine eher seltene Extreme-Edition als "Leihgabe" aus dem Serverbereich darstellt. Zuvor rücken jedoch noch verschiedene Dual-Core-Modelle mit bis zu 16 MB L2-Cache wie beim Tulsa auf den Markt. Die Norm sollten allerdings Größen um 4 MB bleiben.

Wirklich interessant könnte es ab 2008 werden, wenn Intel die Umstellung seiner Fertigung auf 45 Nanometer ansetzt und im Server-Bereich seinen ersten Prozessor mit einem "echten" Quad-Core und L2-Cache zwischen 8 und 16 MB platziert. Dabei finden erstmals vier physikalische Kerne auf einem einzigen Chip ihren Platz, sodass in Kombination mehrerer Kerne dann schließlich Prozessoren mit 8 Kernen in greifbare Nähe rücken. Dies stellt auch bei Intel der nächste Schritt dar und dürfte etwa ab 2009 spruchreif werden — wenn alles nach Plan verläuft. Wie weit diese realistisch ist, wird nachfolgend noch detaillierter betrachtet.


Server
2006 Sossaman  
1. Halbjahr Dual-Core  
(65 nm) 2 MB L2-Cache (shared)  
   
2. Halbjahr Woodcrest Dempsey Tulsa
Dual-Core Dual-Core Dual-Core
4 MB L2-Cache (shared) 4 MB L2-Cache 8 MB/ 16 MB L2-Cache
80 W TDP  
   
2007 Clovertown  
(65 nm) Quad-Core  
4 MB L2-Cache  
   
   
2008 Whitefield  
(45 nm) Quad-Core  
8 MB/ 16 MB L2-Cache (shared)  
   
Später Harpertown  
8-Core  
12 MB L2-Cache (shared)  



Beurteilung

Nun, über die Realisierbarkeit der - zugegebenermaßen sehr straffen - Planung mag man derzeit noch vorzüglich streiten. Zu gern erinnern wir uns nocheinmal an vergleichbare Aussichten um 2003, als man für 2006 noch Prozessoren jenseits von 10 GHz auf dem Plan hatte, und schließlich doch nicht recht über die 4-GHz-Schwelle hinaus kam. Dass man die Pläne hinsichtlich Multi-Prozessor-Expansion ebenfalls so kurzfristig wieder über den Haufen werfen wird, möchte man zwar nicht erwarten, doch zeigen sich dennoch noch unzählige Hürden, die den Zeitplan problemlos um Monate oder Jahre zurückwerfen können. Am spannendsten dürfte diesbezüglich in jedem Fall die zugrunde liegende Fertigungstechnologie sein, die wie bereits erläutert ihren maßgeblichen Anteil am Erfolg der Bestrebungen beiträgt. Stellen sich hier unerwartete Probleme ein, darf man gespannt sein, wie flexibel sich die Planungen angleichen lassen.

Ebenfalls von Interesse sind die technologischen Details abseits der Anzahl der Kerne und der Größe des Caches, zu denen es bisher faktisch noch gar nichts zu vermelden gibt. So gilt es vor allem, die neu entstehenden Flaschenhälse der Bandbreite zu beseitigen, die sich zwangsläufig beim höheren Grad der Parallelisierung ergeben und nicht nur zwischen CPU und Speicher zu finden sind. Mit der geringeren Fertigungsgröße dürfte zudem die Implementierung weiterer Komponenten wie etwa der Onboard-Grafik oder allgemein der Chipsatz-Funktionalität eine wesentliche Rolle spielen. Gerade hier könnte Intel durch sein Engagement in der Chipsatz-Branche gegenüber AMD nennenswerte Vorteile vorfinden.


Intels MultiCore-Pläne


Insgesamt ist der Trend jedoch klar und auch logisch nachvollziehbar. Ein ähnliches Bild dürfte auch beim Konkurrenten AMD zu finden sein, die schon vor geraumer Zeit von Prozessoren mit vier und mehr Kernen geträumt haben. So wird die Frage in Zukunft also nicht mehr lauten, wer wohl die höheren Frequenzen erreicht, sondern wer in der Lage ist, schneller mehr Prozessoren auf einem Chip zu vereinen. Die Zukunft bleibt also wie immer spannend und gespickt mit lauter Überraschungen.

[rl], 6 Dezember 2005

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