Leistungsnahme: Ergebnisse

Wir waren höchst erstaunt, als wir den Athlon 64 X2 6000+ mit 107 Watt Leistungsaufnahme vermessen hatten und damit einen direkten Verwandten im Bereich Energieverschwendung zum Pentium D 840 EE erblicken mussten. Auch die weiteren Messungen zeigten, dass die Leistungsaufnahme im Lastbetrieb durchaus recht hoch lag, gerade bei den höher taktenden AM2-Prozessoren. Ein durchaus konträres Bild in diesem Bereich zeigte uns dann die zweite Messplattform in Form des ASUS M2N-E. Obgleich ASUS in dem einen oder anderen Fall ein klein wenig mehr Spannung an den Prozessor anlegte und obwohl ASUS auch nur mit einem 3-Phasen-Spannungswandler antritt, statt einer 4-fach-Variante, wie auf AsRock, zeigten sich im Stromfluss erheblich andere Resultate.

Wir erkennen im Vergleich zum vorangegangenen Kandidaten, dass die Unterschiede in den geringeren Prozessor-Taktstufen teils auch deutlich geringer ausfallen, als im Vergleich zu den Top-Modellen.
Hierzu gibt es vielfache Erklärungen. Gehen wir einmal von den verwendeten Spannungswandlern aus, so hat jeder einzelne Zweig, also jede Phase, auch seinen Eigenbedarf und einen eigenen Wirkungsgrad. Hochwertig umgesetzte Modelle könnten unter Last durchaus einen Wirkungsgrad von 85% umsetzen, schlechtere Modelle mitunter nur von 70 bis 80%. Je mehr Phasen der Wandler hat, desto höher kann auch der Verlust beim Wirkungsgrad ausfallen. Stellen wir bei den kleineren Prozessoren im Vergleich zu ASUS und AsRock noch Schwankungen im Bereich von ca. 20% fest, steigt dieser Satz bei den Top-Modellen deutlich an. Hier fließt unter anderem dann auch die Wärmeableitung durch vernünftig eingebrachte Masseschichten in den Layern mit eine Rolle. Ungeachtet deren Lage, trifft man in 4-Layer-PCBs selbstverständlich eine geringere Anzahl von Masseschichten an, wie in einem 6- oder 8-Layer Mainboard.
Hinzu gesellt sich – neben all dieser Umsetzung in der Fertigung – natürlich auch die Kühlleistung an sich. Wir stellten auf dem AsRock Motherboard teils deutlich höhere Temperaturen fest (trotz teils geringerer Spannungen) als beim ASUS. Der Grund hierfür – zumindest nach unserer Einschätzung, mag die Umsetzung des Retention-Moduls auf der AsRock-Platine sein, welche in ihrer Ausführung etwas Spiel zur Hauptplatine bot, nicht press auf dem PCB aufsetzte und damit den Anpressdruck des Kühlers verringert. Eine verringerte Kühlleistung, damit verbundene, höhere Temperaturen, resultieren in höherem Stromfluss.
Letzten Endes sind diese Umstände sicherlich nicht zwingend von AMD zu vertreten. Wir hatten in der Vergangenheit bereits bei Intel Prozessoren zwei unterschiedliche Platinen zur Leistungsaufnahme umgebaut und die „günstigere“ Variante hatte ebenfalls mit deutlich höheren Werten bei der Leistungsaufnahme zu kämpfen. Aber: AMD bietet in ihren Dokumentationen den Herstellern durchaus solche Möglichkeiten - Intel aber doch eben auch.
Und somit relativieren sich die TDP-Angaben der CPU-Hersteller durchaus ein wenig. Nicht nur die Kühlerhersteller müssen darauf achten, dass die Produkte im Rahmen dieser Angaben gesetzt sind, auch die Qualität der Hauptplatinen könnte eine wesentliche Rolle spielen, so dass man lieber eine höhere TDP-Grenze wählt, damit auch ein „boxed-Modell“ auf einem „günstigen“ Mainbaord, noch immer in der Region der TDP-Angabe bleibt. Ein Athlon 64 X2 60000+, gruppiert in eine TDP von 125 Watt, darf dann, trotz Fertigungsschwankungen bei den Prozessoren, auf einem Board wie dem AsRock Alive SATA2-GLAN, noch immer in der 125 Watt TDP-Klasse bedenkenlos mitspielen.
Wir für unseren Teil werden bezüglich der Leistungsaufnahme erst einmal die ermittelten Werte des ASUS M2N-E mit lediglich 3-Phasen-Wandler und durchschnittlichem Preisverhältnis als repräsentativ erachten.
Und hier zeigt sich eben, dass wirklich viel Luft in den TDP-Nennungen ist. Es zeigt sich auch, dass die 65nm-Fertigung bei AMD, zumindest bei den hier angetretenen CPUs, einen Unterschied von ca. 10 Watt bei der Leistungsaufnahme ausmachen kann. Die nochmals ermittelten 10 Watt weniger bei dem 4200+ EE, führen wir zum einen auf Selektion, zum anderen eben auch auf die dabei gesenkten, geringeren Prozessorspannungen bei diesen selektierten Modellen zurück.
Beim Top-Modell 6000+ gefällt uns auf ASUS einerseits, dass die ermittelte Leistungsaufnahme durchaus sehr deutlich unterhalb der genannten TDP-Gruppe liegt. Dennoch haben unsere OC-Resultate gezeigt, dass hier nicht wirklich Luft nach oben bleibt. So bleibt AMD an diesem Punkt der Leistungssteigerung weiterhin im Zugzwang.
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