AMD Radeon HD 4870 (Palit Radeon HD 4870) im Test

Grafikkarten | 03.07.2008, 16:31
AMD hat es offensichtlich geschafft. Mit der Vorstellung der neuen Radeon-HD-4000-Familie scheint man sich wieder aus dem Leistungsnebel von NVIDIA hervorzuheben und mit den HD 4850- und der HD 4870-Chips in der gehobenen Leistungsklasse zu spielen. Dabei will man natürlich weiterhin über den Preis den Markt bewegen und die potentiellen Käufer für sich entscheiden.

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Nehmen wir uns die kürzlich vorgestellte Radeon HD 4850, welche eigentlich von Nomenklatur und Preisgestaltung überhaupt nicht auf das Performance-Segment abzielt, mussten wir dennoch klar attestieren, dass AMDs Radeon HD 4850 sich klar und deutlich mit einem Leistungssegment einer NVIDIA GeForce 8800 GTS 512 messen darf und an manchen Punkten auch noch darüber hinaus geht. Dabei spielt die GeForce 8800 GTS 512 doch noch in einem wenig gehobenen Preissegment. Auch eine NVIDIA GeForce 9800 GTX sah nicht immer ganz so gut aus, auch wenn man diese Produkte als Kontrahenten überhaupt nicht anzielte. Klare Kampfansage mit einem Hauch Understatement also.

Bild: AMD Radeon HD 4870 (Palit Radeon HD 4870) im Test

Doch erkauft sich AMD diese Basis durchaus teuer. Dabei sprechen wir weniger von der Fertigung, Leistung oder Preis, als vielmehr Vorteilen, welche man zuvor ins Rampenlicht stellte. AMD hatte bislang durch Absenkung von Taktraten und Spannungen NVIDIA durchaus in aktuellen Schlagwortbereichen wie Energieeffizienz, Leistungsaufnahme eben, aufzeigen können, dass es auch andere Kriterien bei Käufern für Grafikkarten gibt. Und obwohl man bei der HD 4850 massiv die Taktraten bei GPU und Spannung absenkte, die drastisch gesteigerte Rechenleistung der Chips, vernichteten alle bisherigen Vorteile auf dem Segment sofort. Im Bereich Leistungsaufnahme spielt man plötzlich auf dem Niveau einer GeForce 9800 GTX. Und auch die Lautstärke und die Temperaturentwicklungen, trotz geringerer Struckturbreite in der Fertigung liegen nun höher als die bisherige HD 3000-Famile. Es hat uns nicht gewundert – wir haben es eigentlich schon erwartet.

Leistungssteigerungen über zusätzliche Rechenwerke fordern nun einmal Energie, Energie produziert Wärme und Wärme will abgeführt werden. Damit relativiert sich plötzlich der direkte Vergleich zwischen den beiden Kontrahenten im Grafiksegment sehr schnell und es bleibt im Ergebnis nur noch das Merkmal Performance und Preis. Doch konnten wir bislang ausschließlich Rückschlüsse anhand der günstigen HD 4850 ziehen. Die AMD Radeon HD 4870 blieb uns bis heute verwehrt und eben diese Chipgeneration will, in Verbindung mit GDDR5-Speicher, die Mitbewerber das Fürchten lehren und in ganz neue Leistungsklassen vorstoßen.

Doch muss man sich dabei bereits im Vorfeld vor Augen halten: man hat es weiterhin mit AMDs RV770-Chip zu tun. Das bedeutet in klaren Worten, dass die AMD Radeon HD 4870 ein aufgebohrter Radeon-HD-4850-Grafikchip ist, welcher ein GDDR5-Speicherinterface erhält und welcher über höhere Chiptaktraten verfügt. Die höheren Chiptaktraten muss man sich ggf. durch Selektionen bei den Chips und höhere Chipspannungen erkaufen. Wir dürfen dabei also im Vorfeld bereits eine gesteigerte Leistungsaufnahme bei diesen Modellen erwarten. Und die gesteigerte Energiezuführung will natürlich wieder gekühlt werden, so dass wir gespannt sein dürfen, wie AMD dies umsetzt. Aber auch ansonsten durften wir interessante Erfahrungen in diesem Test machen, so dass die Frage bleibt: AMD im Aufwind oder hart an der Grenze der Möglichkeiten?

Wie auch schon im Test der Radeon HD 4850 gilt, dass AMD mit Lieferbarkeit und nicht Papiertigern glänzen möchte. War im vergangenen Test uns ein reguläres Retail-Produkt von HIS seitens AMD zur Verfügung gestellt worden, ist es im heutigen Test der HD 4870 Palit, welcher ein Serienreifes Produkt in Retail-Verpackung über AMD zur Verfügung stellt.