Los

 Solid State Drives mit MLC-Speicher - Der zweite Anlauf

Festplatten | 20.12.2008, 15:50 | Seite 20

Fazit



Rückblickend auf die vergangenen Tests und Resultate ist es nun Zeit, die Ergebnisse auf den Punkt zu bringen. Als erstes muss hier in klares Lob an die Ingenieure von Intel ausgesprochen werden. Sie haben es geschafft, MLC-Speicher in einem SSD-Konzept unterzubringen, das sich sehen lassen kann. Geht es ums Lesen, kann Intel weder die SSD-Konkurrenz noch ein schnelles RAID-0 das Wasser reichen. Beim Schreiben unterliegt die Intel X25-M weiterhin den traditionellen Festplatten, erreicht aber dennoch Ergebnisse, mit denen man sich nicht zu verstecken braucht.

Neben Intel findet jedoch auch Super Talent mit einem klar Consumer-Orientierten SSD-Angebot einen Platz. Die 120 GB Massenspeicher erbringen im Lesebetrieb immer noch eine Geschwindigkeit, die selbst mit einem RAID-Verbund nicht zu erreichen ist. Schreibintensiven Aufgaben zeigte sich die Festplatte allerdings noch nicht so recht gewachsen und hinterließ ein gemischtes Bild. Nimmt man sich PCMark Vantage als Praxis-Beispiel zur Hand zeigt sich allerdings, dass dies nur in wenigen Fällen ein spürbarer Nachteil ist.

Beim Urvater aller Massenspeicher - den Magnetspeicher-Festplatten, wie wir sie im Test liebevoll genannt haben ;) - bleibt ein laues Gefühl des Umbruchs. Dies hat nach den letzten Tests wohl nicht zuletzt zwei Gründe, wegen denen sich die SSDs auch regelmäßig an der Spitze vieler Performance-Vergleiche wiedergefunden haben.

Bild: Solid State Drives mit MLC-Speicher - Der zweite Anlauf

So zeigt sich gerade beim häufigsten Einsatzszenario von Festplatten "Lesen von Daten" gerade die größte Schwäche dieser betagten Hardware-Gattung, die auch nicht mehr recht zu verbergen ist, wenn man dem "Single"-Drive einen Partner zur Seite stellt. Schaut man jedoch zu den beiden alternativen Disziplinen Schreiben und Kopieren, lacht das Herz all jener Konservativen, die lieber Bewährtes als Neues im Einsatz sehen.

Ein zweiter kaum übersehbarer Punkt für Magnetspeicher ist und bleibt auch weiterhin die Kapazität. Die Zeiten, wenn erste Solid State Drives die Terabyte-Schallmauer durchbrechen, ohne dabei ein explosives Loch in die Geldbörse der Enthusiasten zu reißen, dürften wohl noch eine Weile auf sich warten lassen.

"Und nun?", mag der Leser zu Recht fragen und an die zu Beginn aufgeführten Einsatz-Szenarios denken. Bewerten wir die aktuelle SSD-Technik mit dem Maß von Heimanwendern mit beschränktem Budget, führt auch dieses Jahr noch kein Weg an traditionellen Festplatten vorbei. Dank ihres Preises von unter 10 Cent je Gigabyte arbeitet sie schlicht außer Konkurrenz - auch wenn die WD Raptor derzeit mit 1,5 Euro je Gigabyte nicht gerade das Paradebeispiel für günstigen Speicherplatz darstellt. Ambitionierte Anwender dürfen dagegen langsam Anfangen, einen gewählten Blick auf SSDs zu werfen. Sie sind mit 2,00 Euro je Gigabyte zwar wesentlich teurer, versprechen dafür aber auch absolute Geräuscharmut, keine Abwärme und eine Lese-Performance klar über der von mechanischen Platten. Unser konkretes Beispiel Super Talent Master Drive MX 120 GB kostet allerdings derzeit noch saftige 300 Euro und ist damit kein echtes Schnäppchen.

Lieber nicht zu den Mainstream-SSDs sollten derzeit noch Anwender greifen, die besonders viel Speicher benötigen - etwa bei Videobearbeitung oder sehr großen Bildern. Hier wäre das Geld dann wohl besser in ausreichend Arbeitsspeicher und RAID-Systemen angelegt.

Doch für wen eignen sich nun Highend-SSDs wie jenes Intel-Modell, dass mit wahren Sternenpreisen glänzt (derzeit um 450 Euro), auch wenn die Performance einem manchmal die Freudentränen in die Augen treibt? Für Workstations gilt wohl eher voriger Absatz aus Preis-Leistungs-Sicht. Für die X25-M sehen wir zu den aktuellen Konditionen allerdings noch keinen Platz am Consumer-Himmel.

Letztendlich heißt es langsam Abschied nehmen. Die Solid State Drives haben bewiesen, dass sie bei ausreichend Entwicklungsaufwand hohe Performance erreichen können. Der Flash-Speichermarkt befindet sich zudem im fliegenden Wandel. In den nächsten Generationen dürften die neuen SSDs auch in den Schreib-Disziplinen zu den Magnetspeichern aufgeschlossen sein. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Preise weit genug purzeln, um den Magnetplatten endgültig den Motor abzuklemmen.


[rl], 20.12.2008
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