Leistungsaufnahme von Grafikkarten in Spielen

Grafikkarten | 06.05.2009, 08:35 | Seite 7

Fazit



Es könnte alles so einfach sein – ist es aber nicht! Und es wäre ja zu schön gewesen – aus Blickwinkel des Messtechnikers – wenn es denn mal einfach gewesen wäre. Unsere Messungen in der Leistungsaufnahme unter realen Spiele-Applikationen bei NVIDIA-Karten setzte uns schon in die trügerische Annahme, dass man den Extrem-Kandidaten Furmark durchaus als repräsentativen Last-Kandidaten verwenden darf.

Und unsere Messungen mit aktuellen AMD-Grafikkarten belehrten uns eines besseren, denn genau dort klafft plötzlich eine Lücke. Die Lücke mag darum klaffen, weil aktuelle Spiele möglicherweise die vielen Einheiten auf AMD-basierenden Produkten (noch) nicht ausreichend fordern und vor sich hin dümpeln. Bei NVIDIA wird hier in den Rechenwerken ganz offensichtlich eine bessere Auslastung vorgenommen – und ob dies der Fall ist, weil es für die Software-Programmierer simpler ist so vorzugehen, das bleibt dahin gestellt. Es ist nicht Sinn dieses Artikels diese Umstände zu klären.

AMD weiß sehr wohl, warum man die Angaben zur Maximum Peak Board Power bei den identischen Profi-Karten deutlich höher ansetzt als bei den Desktop-Produkten. Das mag sicher keine einheitliche Linie sein, im Hinblick auf unsere heutigen Messungen, im Hinblick auf den Mitbewerb und das Marketing aber wiederum zu rechtfertigen sein.

Die Frage, ob man Furmark also als repräsentatives Last-Szenarion für beide Chip-Häuser ansehen darf, um ein gerechtes Urteil der Leistungsaufnahme unter Last zu bilden, müssen wir nach dem heutigen Test erst einmal verneinen. Als Worst-Case-Szenario muss er aber strikt für beide Lager weiter herhalten, um zu zeigen, was mögliche, kommende Applikationen bewirken können.

Damit ergibt sich aus unserem Test aber auch das nächste Problem. Um einen repräsentativen und fairen Vergleich in einem (heute unerlässlichen) Kapitel Leistungsaufnahme zu ziehen, bedient man sich eben gerne synthetischer Lasten, da diese eben hervorragend, ohne große Toleranzen, zu reproduzieren sind. Ein Grund für Furmark im Einsatz, ein Grund für 3DMark im Einsatz, ein Grund für den Einsatz von lang andauernden Spiele-Benchmarks, welche man automatisiert bedienen kann.

Bild: Leistungsaufnahme von Grafikkarten in Spielen

Und unser heutiger Test zeigte, dass sich, einmal abgesehen von Bioshock aktuell kaum eine Applikation finden lässt, welche gleichermaßen die AMD- wie auch NVIDIA-Vertreter praxisnah unter Last setzen lässt. Bei den meisten anderen Spiele-Applikationen ergab sich der Umstand, dass man hier bei NVIDIA-Karten ganz oben und dort bei AMD-Karten eben nur im Mittelfeld rangiert (z.B. Company of Heroes).

Wir selbst müssen also erst einmal aus dem Test Rückschlüsse ziehen und zwar dergestalt, dass wir einen Cut machen. Um einen möglichst fairen Vergleich zwischen beiden Vertretern der Top-Grafikchipshersteller praxisnah ziehen zu können, müssen wir uns auf den etwas unbequemen Bioshock-Test festlegen. Furmark wird bei uns weiterhin als Worst-Case-Szenario erhalten bleiben, denn was ist, wenn plötzlich Crysis 28 in der Lage ist, Einheiten bei AMD anzusteuern, welche derzeit brach liegen und von Furmark aktuell gekitzelt werden?

Doch zwei weitere Erkenntnisse haben wir aus diesem praxisnahen Test mitgenommen. Einerseits scheint aktuell NVIDIA unangefochten die Idle-Leistungsaufnahmen bei modernen Gamer-Karten anzuführen. Betrachtet man sich die Leistungsaufnahme einer GeForce GTS 250, welche ja nun nicht eben zu den langsamen Vertretern der Zunft zählt, so hat der Hersteller hier inzwischen wirkliche "Wunder" geleistet. Mit knappen 19 Watt Leistungsaufnahme im Idle-Zustand muss man erst einmal sehr lange suchen, bis man Grafikkarten dieser Leistungsklasse findet, welche so wenig Saft aus der Dose ziehen. Dabei darf man die GeForce GTX 285 dabei nicht schlechter ansiedeln, denn die derzeit schnellste Single-Chip-Karte im Markt benötigt im Idle-Betrieb gerade einmal 10 Watt mehr als die GTS 250.

An diesem Punkt kann AMD derzeit absolut nicht mithalten und müsste im direkten Vergleich die Segel streichen. Runde 43 Watt (HD 4850) und runde 58 Watt (HD 4890) im Idle-Betrieb zeigen in etwa die doppelte Leistungsaufnahme wenn keine Last vorliegt. Doch unser Artikel heute lehrte dann noch einen neuen Faktor: unter Spiele-Last wendet sich das Blatt!

In den heutigen Spiele-Titeln rangierte AMD praktisch immer unterhalb von NVIDIA und das nicht zu knapp, denn wir reden eben nicht von 2 oder 3 Watt. Bei den Top-Produkten beider Hersteller reden wir hier durchaus von Bereichen, welche zwischen 20 und 30 Watt liegen können.

An diesem Punkt gelangt unser Artikel jedoch an eine Stelle, an welche wir heute überhaupt nicht gelangen wollten und zu kontroversen Diskussionen führen kann, der weitere Fragen aufwirft, welche so eben auch nicht Ziel des Artikels waren, sondern praktisch nur ein Nebenprodukt. Und doch halten wir es für notwendig dies dem Leser zu präsentieren und unsere Sicht der Dinge darzustellen.

Seit unserem letzten Artikel zum Thema sind drei Monate vergangen – heute warten wir, nach dem sich alles setzte – mit vielen neuen Informationen auf. Lassen wir nun erst einmal zu, dass auch dieser Artikel sich setzt. Vielleicht müssen wir in drei Monaten ja wieder ran ;).

[pg], 06. Mai 2009

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