Die Pferdchen lahmen noch

AMD FX-8150 - Bulldozer im ausführlichen Test

Prozessoren | 12.10.2011, 06:01
Vier Jahre nach der Einführung der Barcelona-Prozessor-Architektur des AMD Phenom I/II erscheint der Nachfolger: AMD Bulldozer. Mit den darauf basierenden FX-Prozessoren, die bis zu 8 Threads gleichzeitig verarbeiten können, will man an die guten Zeiten des Athlon 64 FX anknüpfen, in denen man der Konkurrenz ordentlich das Fürchten lehrte. Dazu hat AMD die Architektur von Grund auf modernisiert. Ob dies gelungen ist, wollen wir ausführlich anhand des neuen Flaggschiffes, dem AMD FX-8150 mit 3,6 GHz und Turbo-Modus, untersuchen. Mit von der Partie ist darüber hinaus eine detaillierte Architektur-Vorstellung sowie Tests zum Energieverbrauch, Übertakten, Undervolten und natürlich der Leistung.

Intro


Manchmal lohnt ein Blick in die Vergangenheit, denn Geschichte – so lernt man es ja in der Schule – wiederholt sich immer wieder. Lassen wir also das Jahr 2011 hinter uns und springen in das Jahr 1999, genauer gesagt in den Juni. Damals stellte AMD seine K7-Architektur vor und legte damit die Basis für die Erfolge der Athlon- und Athlon-XP-Generation. Lange Zeit konnten diese problemlos mit Intels Pentium-III- und Pentium-4-Ablegern mithalten. 2002 schien jedoch die Luft für die AMD-Boliden zunehmend dünner zu werden. Gerade rechtzeitig kam 2003 – also vier Jahre nach dem K7 – die nächste Architektur von AMD, K8 (alias "Hammer") genannt, auf den Markt und startete als Athlon 64 erneut eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Aber auch hier ließ sich AMD wieder vier Jahre Zeit, bis der Nachfolger, die K10-Architektur, im Jahre 2007 debütierte. Dadurch hatten die letzten Athlon-64-Modelle das Nachsehen gegenüber den damals von Intel eingesetzten Core-2-Prozessoren.

Bild: AMD FX-8150 – Bulldozer im ausführlichen Test

Mit der K10-Architektur wollte sich die Geschichte von K7 und K8 jedoch nicht so recht wiederholen, denn zunächst plagte den K10 der berühmte TLB-Bug und die Fertigung ließ keine hohen Taktfrequenzen zu. Mit dem K10.5-Refresh alias Phenom II im Jahre 2009 wurde dann zwar vieles besser, doch Anschluss an Intels-Top-Modelle konnte man seitdem nicht mehr herstellen.

Heute – wiederum vier Jahre nach dem K10 – stellt AMD mit "Bulldozer" (K15) wieder einmal eine neue Architektur vor, die sich von nun an in den neuen FX-Prozessoren wiederfinden wird. Wie die Namen "FX" – so hießen einst die schnellsten AMD-Prozessoren – und "Bulldozer" dabei schon andeuten, ist das ehrgeizige Ziel ganz klar: Anschluss an die High-End-Modelle der Konkurrenz zu erlangen und eine Basis für die nächsten Jahre zu legen.

Zu diesem Zweck hat AMD tiefgreifende Änderungen in der Architektur vorgenommen, die vor allem gut parallelisierte Applikationen stark beschleunigen sollen. So hat man beispielsweise ein neues Konzept eingeführt, um zwei Threads in einem Kern ausführen zu können. Was zunächst an Intels Hyperthreading erinnert, erweist sich jedoch bei genauerem Hinsehen als völlig neuartig und wird daher auch mit dem neuen Namen "Core Multithreading" (CMT) bezeichnet. Aber auch die aktuelle Schwäche, bei schlecht oder gar nicht parallelisierten Applikationen, will man mit "Bulldozer" ausmerzen. Wird sich also die Geschichte von K7 und K8 wiederholen oder platzen die Träume und Vorhaben wie beim K10?

Einhergehend mit der Beantwortung dieser Frage werden wir auch klären, für welche Anwendungsbereiche AMDs Bulldozer-Prozessoren von Vorteil sind und in welchen Segmenten man vielleicht lieber zu anderen Modellen greifen sollte. Zu diesem Zweck haben wir einen AMD FX-8150 mit vier CMT-fähigen Prozessor-Modulen mit einem Basistakt von je 3,6 GHz und einem maximalen Turbo-Takt von 4,2 GHz auf Herz und Nieren überprüft. Neben der reinen Leistung in diversen Applikationen von A wie Anno bis Z wie Zip haben wir auch den Energieverbrauches analysiert, um klären zu können, ob die neuen Bulldozer-Prozessoren an Intels aktuelle "Sandy Bridge"-Generation herankommen. Darüber hinaus gilt es beim Undervolting und Übertakten herausfinden, was abseits der gegebenen Spezifikationen mit Bulldozer möglich ist.

Höchst interessant ist die Sockel-Kompatibilität der neuen FX-Prozessoren. Zwar sieht AMD diese für den neuen AM3+-Sockel vor, doch trotz all der Neuerungen, sollen sie auch auf älteren AM3-Platinen funktionieren. Ob dieser Aufrüster-Traum wirklich funktioniert, oder ob es Fallstricke gibt, wollen wir ebenfalls analysieren.

Zur Orientierung folgt eine kurze Inhaltsübersicht:
Doch nun genug der Vorrede. Vorhang auf, Hosen runter, es ist Zeit für die Wahrheit.


 

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