Ein Lückenfüller mit Ambitionen - AMDs Brazos-Plattform im Test

Prozessoren | 23.02.2011, 21:10

Vor fast drei Jahren stellte Intel seine Atom-Plattform vor und landete damit einen vollen Erfolg. Durch das eingeschränkte Featureset zusammen mit der sehr geringen Leistung klafft jedoch bis heute eine große Lücke zwischen den Atom-Systemen und den klassischen Computern. AMD schickt sich nun an mit seiner neuen Brazos-Plattform eben jene Lücke zu schließen und schickt dafür seinen ersten Fusion-Prozessor ins Rennen. Ob dieser sowie die ganze Plattform in Sachen Performance, Energieverbrauch und Alltagstauglichkeit überzeugen kann, wollen wir in diesem Review herausfinden.


Intro


Als Intel im Frühjahr 2008 seine ersten Atom-Prozessoren vorstellte war die Skepsis auf Seiten vieler Experten aber auch Anwender groß, ob sich denn diese Prozessoren aufgrund der eher geringen Rechenleistung jemals durchsetzen würden. Schnell war jedoch klar, dass die kleinen und recht günstigen Prozessoren samt der zugehörigen Plattform für viele Nutzungsprofile wie geschaffen waren. Zwar war und ist die Rechenleistung sehr gering und die Einschnitte groß, welche Intel aufgrund seiner Produktpolitik im Funktionsumfang macht, doch für Office-Tätigkeiten, oder in einem kleinen Server und insbesondere für den (ultra-)mobilen Bereich sind die Atom-Modelle wie gemacht.

Durch die starken Einschränkungen im Funktionsumfang, wie beispielsweise dem Fehlen von digitalen Grafikausgängen oder der fehlenden Hardware-Beschleunigung zur Wiedergabe von HD-Videos – etwa Blu-Rays, klaffte jedoch bisher eine große Lücke zwischen den Atom-Systemen und den klassischen Desktop- bzw. Mobil-Plattformen. Dies ist auch pure Absicht, denn Intel will nicht den Verkauf seiner teureren und gewinnbringenderen Prozessoren durch den Verkauf der Atom-Prozessoren einschränken. Einzig NVIDIAs ION-Chipsatz vermag bisher diese Lücke zu füllen, kann jedoch nur die Grafikleistung verbessern nicht aber die Prozessor-Performance.

Bild: Ein Lückenfüller mit Ambitionen – AMDs Brazos-Plattform im Test

In die entstandene Markt-Lücke will nun auch AMD mit seiner Brazos-Plattform preschen und dabei vieles besser machen als bei den ersten zaghaften Versuchen für Ultra-Mobil-Rechner mit der Yukon- und Kongo-Plattform auf Basis der Neo-Prozessoren. Damit dies gelingt hat AMD einen komplett neuen Prozessor entwickelt. Dieser entspricht dabei erstmals dem Fusion-Konzept – er stellt also eine Kombination von Grafikbeschleuniger und klassischem Prozessor dar. Anders als Intel beim Atom schränkt man dabei weder den Prozessor noch die integrierte Grafikeinheit im Funktionsumfang ein. Die Grafikeinheit und der Prozessor bieten somit die gleichen Features wie vollwertige Desktop- oder Mobil-Prozessoren. Übertakten und Undervolting inklusive. Auf dem Papier ist somit beispielsweise eine problemlose Blu-Ray-Wiedergabe möglich.

Wie es in der Praxis aussieht wollen wir dabei heute anhand eines Brazos-Systems basierend auf einem E35M1-M Pro von ASUS mit AMDs E-350 Zacate-Prozessor mit zwei Kernen und einer Taktfrequenz von 1,6 GHz herausfinden. Dazu werden wir die Leistung der Prozessorkerne ausführlich untersuchen und diese mit diversen Vertretern ähnlich teurer Systeme vergleichen. Auch in Sachen Grafikeinheit wollen wir auf den nächsten Seiten mehr tun, als nur die Performance mit Hilfe einiger Benchmarks festzustellen. So werden wir uns auch um die Multimedia-Funktionalität kümmern. Und zu guter Letzt dürfen natürlich die mittlerweile zur Pflicht gewordenen Analysen rund um die Leistungsaufnahme und den Betrieb außerhalb der gesetzten Spezifikationen – Übertakten, Undervolten – nicht fehlen. Um bei all diesen Aufgaben den Überblick nicht zu verlieren nachfolgend schon einmal ein kleiner Vorgeschmack.

Doch nun genug der Vorrede. Vorhang auf, Hosen runter, es ist Zeit für die Wahrheit.