NVIDIA GeForce GTX 980 Ti mit 6 Gigabyte Hauptspeicher im Test

Grafikkarten | HT4U.net | Seite 7

Taktraten und Limitierungen



Boost- und Base-Clock

Wie inzwischen üblich, gibt NVIDIA zwei Taktangaben für die GPU heraus: den Basis- und den gemittelten Boost-Takt. Der Basistakt liegt bei der GeForce GTX 980 Ti in identischen Bereichen zur Titan X, also bei 1.000 MHz, und soll in keiner Applikation unterschritten werden. Die Boost-Takt-Angabe ist mit 1.075 MHz ebenfalls identisch zur Titan X, und unser Muster schaffte bestenfalls 1.215 MHz, mit Spannungszugabe 1.240 MHz.

Unter dem gemittelten Boost-Takt versteht NVIDIA allerdings lediglich jenen Takt, welchen alle Grafikkarten dieser Serie im Markt maximal erreichen können – die Angabe stellt keinesfalls eine Garantie dar, dass der Takt auch immer anliegen wird. Lediglich die Base-Clock stellt einen garantierten Takt dar.

Erstmals trafen wir bei der GTX 970 und GTX 980 den Umstand an, dass der Takt unterschritten wurde; beim Test der Titan X abermals, allerdings nur bei Verwendung von Furmark. Diesen Umstand konnten wir im heutigen Test der GTX 980 Ti nicht antreffen. Selbst unter Furmark wurde der Basistakt nicht unterschritten. NVIDIA scheint also etwas in der Firmware verändert zu haben. Das könnte möglicherweise das Temperaturlimit sein.

Limitierungen

Wie bislang von Boost 2.0 bei NVIDIA bekannt, gibt es zwei Faktoren, welche den Takt der GPU limitieren können. Die ist zum einen das gesetzte Temperaturlimit von 83 °C, zum anderen die Leistungsaufnahme von 250 Watt. Über Chips auf dem Board überwacht NVIDIA die Faktoren, und sollten die Limits erreicht werden, greift der Treiber ein und drosselt den GPU-Takt und die Spannung.

Im Fall der relativ hoch gewählten TDP von 250 Watt ist es in der Praxis nur selten, dass das Powerlimit eingreift. Diese Spitzen ergeben sich meist zu Beginn eines Benchmarks, der fordernd bei der Leistungsaufnahme ist (beispielsweise Anno 2070). In diesem Fall wurden die Taktraten von maximal 1.215 MHz sofort abgesenkt. Wird das Temperaturlimit von 83 °C erreicht und kann der Lüfter mit vorgesehenen, aus NVIDIA-Sicht akzeptablen Geräuschmaßnahmen den Temperaturpunkt halten, so taktet die GPU weiter herunter, bis auch diese Vorgabe erreicht wird.

Ungewöhnlich: Furmark brachte die Karte sehr schnell auf 87 °C und ließ dem Lüfter Zeit zum Arbeiten, um dann auf 85 °C herunterzudrosseln. Obgleich wir in keine Optionen eingegriffen haben, senkte sich die Temperatur nicht auf 83 °C und die Taktrate blieb bei 999 MHz. Aber lassen wir Furmark einmal außen vor, denn Worst-Case-Verhalten gibt es auch in Spielen.

Bild: NVIDIA GeForce GTX 980 Ti mit 6 Gigabyte Hauptspeicher im Test
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Crysis 3 Dying Light Tomb Raider


Vorstehende Aufzeichnungen dienen exemplarisch einem 30-Minuten-Spielgang in den genannten Titeln (in einem geschlossenen Gehäuse – siehe Testumgebung).

Bei Crysis 3 erblickten wir gewohntes Verhalten. Schon nach fünf Minuten waren die Taktraten dauerhaft bei 1.075 MHz, fielen in hitzigen Gefechten und je nach Szene auf 1.050 MHz. Daran änderte sich im Verlauf auch nach 20 Minuten nichts mehr.

Dying Light stellt für die NVIDIA-Technik offenbar eine absolute Herausforderung dar. Schon unmittelbar nach dem Laden des Levels und dem Eintritt in das Spiel brach der Boost komplett ein. Er organisierte sich bei 999 MHz Basistakt erst einmal neu, um dann bestenfalls kurzfristig auf 1.075 MHz zu arbeiten und sofort wieder abzufallen. In dem gewählten Level und in besagten Szenen sahen wir im Verlauf von 30 Minuten meist nur Taktraten um 1.025 MHz. Erst wenn actionlastige Szenen ausblieben (auf Dächern beispielsweise), erholten sich die Taktraten etwas. 1.100 MHz waren aber auch dann eine Seltenheit.

Auch das Spielen in Tomb Raider brachte die GTX 980 Ti schnell ins Schwitzen. Nach spätestens fünf Minuten im Game war hier Schluss mit lustig und die Taktruckelorgie zeigte sich im Bereich von 1.063 bis 1.088 MHz. Im Worst Case waren es dann auch einmal 1.050 MHz, und wenn es gut lief, blitzte für einen Moment ein Takt um 1.100 MHz auf.

Manuelle Möglichkeiten

Bild: NVIDIA GeForce GTX 980 Ti mit 6 Gigabyte Hauptspeicher im Test

Mögliche Lockerungen der Limits mittels Tools


Und wieder bleibt dem Anwender natürlich die Option, mittels Tools die von NVIDIA gesetzten Limitierungen in einem gewissen Rahmen zu lockern. Das billigt der Hersteller, das billigen bislang auch die Board-Partner in diesem Maße.

Im Falle der Titan X kann man die Temperaturgrenze von 83 auf 91 °C anheben. Die Einschränkung bei der Leistungsaufnahme kann man um 10 Prozent anheben und landet damit auf 275 Watt. Das klingt auf der einen Seite viel, und in der Praxis ist es das auch. Für Enthusiasten und Tweaker, welche bereit sind, einen solch hohen Preis zu zahlen, stellen diese Optionen – gerade bei der Leistungsaufnahme – aber einen schlechten Scherz dar, denn mit schlichtem Übertakten kann man die GTX 980 Ti bereits in Regionen von 275 Watt treiben, ohne dass man noch an der Spannungsschraube dreht.

Das Drehen an der Spannungsschraube (wie üblich limitiert auf maximal +0,87 mV) ist allerdings weder von NVIDIA noch von den Board-Partnern ein erlaubtes Mittel und geht auf eigenes Risiko.

Speicherauslastung in Spielen



Der Speicherausbau ist im Marketing aktuell ein großes Thema und wird im Zuge von 4K-Auflösungen gerne genannt. Und natürlich brauchen höhere Auflösungen auch mehr Speicher. Es ist aber auch immer die Frage, wie der Spiele-Entwickler den fehlenden Speicher kompensiert.

Spiel Auflösung Speicherbelegung [MByte]
Anno 2070 3.840 x 2.160 1.000
Assassin\'s Creed Unity 3.840 x 2.160 3.750
Assassin\'s Creed IV: Black Flag 3.840 x 2.160 1.800
Battlefield 4 3.840 x 2.160 2.500
Brink 3.840 x 2.160 900
Call of Duty: Advanced Warfare 3.840 x 2.160 6.100
Call of Duty: Ghosts 3.840 x 2.160 5.400
Crysis 3 3.840 x 2.160 2.900
Dying Light 3.840 x 2.160 3.700
Far Cry 4 3.840 x 2.160 4.850
Hitman: Absolution 3.840 x 2.160 3.500
Lords of the Fallen 3.840 x 2.160 6.100
Metro Last Light 3.840 x 2.160 2.100
Mittelerde: Mordors Schatten 3.840 x 2.160 3.900
Ryse: Son of Rome 3.840 x 2.160 3.000
TES V: Skyrim 3.840 x 2.160 2.600
Thief 3.840 x 2.160 4.000
Tomb Raider 3.840 x 2.160 2.700


Wir haben nicht alle Spiele des heutigen Benchmark-Parcours zu Rate gezogen, die gewählten 18 Titel bilden allerdings eine gute Basis für einen Gesamteindruck. Und Ausreißer, welche in den jeweiligen Szenen klar mehr als 4 Gigabyte für sich beanspruchen, sind selten.

Aber selbst in diesen Titeln lässt sich dann auch mit einer GeForce GTX 780 Ti mit lediglich 3 GByte Hauptspeicher immer noch problemlos spielen. Das Spiel haushaltet dann eben einfach in anderer Form mit dem vorhandenen Speicher. Spielen in 4K-Auflösung ist dabei dann mehr davon abhängig, wie performant die Grafikkarte selbst arbeitet, und hier stoßen fast alle Single-GPU-Varianten in höchsten Detailstufen schnell an ihre Grenzen. Schraubt man die Detailstufen herunter, sinkt meist auch sehr schnell der Speicherbedarf des Spiels.

Letzten Endes ist die GeForce GTX 980 Ti wirklich sehr gut mit ihren 6 Gigabyte GDDR5-Hauptspeicher aufgestellt. Die 12 GByte der GTX Titan X sind aktuell als Marketing-Schachzug aufzufassen und bringen dem Endkunden nur in den allerwenigsten Fällen etwas.


 

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